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Das Treffen im Mai sorgte für einen Eklat um die Nationalmannschaft.
Das Treffen im Mai sorgte für einen Eklat um die Nationalmannschaft.(Foto: picture alliance / Uncredited/Po)
Dienstag, 25. September 2018

"Gibt nichts zu bedauern": Erdogan versteht Kritik an Özil-Foto nicht

Kurz vor seinem Besuch in Deutschland äußert sich der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan zum umstrittenen Foto mit den Fußballern Mesut Özil und Ilkay Gündogan. Den Wirbel kann er nicht nachvollziehen und zieht Parallelen zu Lothar Matthäus.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat gesagt, er verstehe die Aufregung um sein Foto mit den deutschen Fußball-Nationalspielern Mesut Özil und Ilkay Gündogan nicht. "Es gibt nichts zu bedauern", sagte er der Funke Mediengruppe: "Wie Sie wissen, hat sich Lothar Matthäus mit Wladimir Putin getroffen. Unsere Spieler sollten auch in der Lage sein, mit freiem Gewissen handeln zu können. Ich bedauere die Personen, die das kritisieren."

Erdogan betonte, es sei nicht sein erstes Treffen mit Özil gewesen: "Wir sind uns viele Male bei verschiedenen Gelegenheiten begegnet. Ebenso treffen wir uns mit türkischstämmigen Bürgern in verschiedenen Ländern. Mesut ist jemand, der in London lebt. Warum soll ich ihn nicht treffen, wenn ich schon da bin?" Der in Deutschland und anderen westlichen Ländern umstrittene Staatschef sagte: "Sollten wir, wenn ein deutscher Fußballspieler, der in unserem Land spielt, ein Foto mit Frau Merkel macht, ihn dann lynchen? Diese Logik ist nicht nachzuvollziehen." Özil und Gündogan könnten sich "beiden Ländern zugehörig fühlen. Dem Land, in dem sie geboren sind, und dem Land, aus dem ihre Eltern kommen".

"Beiden Ländern zugehörig fühlen"

Erdogan kündigte für seinen Besuch in Deutschland am Freitag und Samstag ein klärendes Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel an. Die Türkei bewirbt sich wie Deutschland um die Austragung der Europameisterschaft 2024, die am Donnerstag vergeben wird. Ein Gespräch über Fußball sei zwischen ihm und Merkel zwar "nicht geplant", sagte Erdogan, "aber wenn sie Mesut Özil und Ilkay Gündogan anspricht, dann würde ich auch über Fußball mit ihr reden".

Dass Özil und Gündogan für Deutschland spielen beziehungsweise spielten und nicht für die Türkei, sehe er ihnen nach, beteuerte Erdogan: "Wir sind stolz auf unsere in Deutschland lebenden Mitbürger. In der Tat sagte Mesut Özil: 'Ich spiele für Deutschland, aber trage die Türkei in meinem Herzen."

Erdogan ging auch auf ein Telefonat mit Özil nach dessen Rücktrittserklärung ein, in welcher der Weltmeister von 2014 Rassismus-Vorwürfe anführte: "Er hat die deutsche Nationalmannschaft nicht grundlos verlassen. Jeder andere, der mit diesen rassistischen Attacken und Beleidigungen zu kämpfen hätte, würde dieselbe Reaktion zeigen." Und weiter: "Mesut Özils Aussage 'Deutscher, wenn ich gewinne, aber Immigrant, wenn ich verliere', fasst die Diskriminierung von Spielern in Deutschland sehr gut zusammen." DFB-Präsident Reinhard Grindel hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.

Quelle: n-tv.de