Polzin jagt Pagelsdorf-"Rekord"HSV reist zum 13. Mal in Folge mit anderem Trainer nach Freiburg
Von Torben Siemer
Von 1997 bis 2001 war Frank Pagelsdorf Trainer des Hamburger SV, keiner seiner 30 Nachfolger auf der Bank war seitdem so lange im Amt. Merlin Polzin arbeitet daran, das zu ändern - und wird dabei auch mit einer verrückten Statistik rund um das Auswärtsspiel beim SC Freiburg konfrontiert.
Merlin Polzin erlebt als Trainer des Hamburger SV viele erste Male. Schon deshalb, weil es für den 35-Jährigen der erste Job als Cheftrainer im Profifußball ist. In diesem machte er sich dann gleich dadurch unsterblich, dass er den HSV nach sieben langen Jahren zurück in die Bundesliga führen konnte. Als natürlich erster Aufstiegstrainer der Vereinsgeschichte, weil das Bundesliga-Gründungsmitglied 2018 zum ersten Mal überhaupt aus ebendieser abgestiegen war. Am kommenden Samstag nun tritt Polzin erstmals auswärts beim SC Freiburg an - und schreibt dort eine wahrlich absurde HSV-Serie fort.
Denn, das hat der "Kicker" zuerst recherchiert: Im 13. Bundesliga-Auswärtsspiel in Folge reisen die Hamburger mit einem anderen Trainer in den Breisgau als beim vorherigen Aufeinandertreffen. Frank Pagelsdorf ist bis heute der noch immer letzte HSV-Übungsleiter, der zwischen zwei Spielen beim SC Freiburg nicht entlassen wurde: In den Saisons 1998/99, 1999/2000 und 2000/01 coachte er die Rothosen sogar gleich dreimal nacheinander in Duellen mit dem Sport-Club.
Seitdem war der HSV zwölfmal in der Bundesliga zu Gast in Freiburg und brachte immer einen neuen Trainer mit. Den Anfang machte Kurt Jara (2001/02), der dort eine 3:4-Niederlage hinnehmen musste. Klaus Toppmöller (2003/04), Thomas Doll (2004/05) und Bruno Labbadia (2009/10) holten immerhin 0:0- bzw. 1:1-Unentschieden, Armin Veh (2010/11) dagegen eine 0:1-Niederlage. Frank Arnesen (2011/12) holte sogar einen 2:1-Auswärtssieg, Thorsten Fink (2012/13) ein 0:0 und Bert van Marwijk (2013/14) sogar einen 3:0-Erfolg. Für Joe Zinnbauer (2014/15) gab es ein 0:0, Bruno Labbadia (2016/17) musste sich 0:1 geschlagen geben. Markus Gisdol (2017/18) kam in der Hinrunde der Abstiegssaison ebenfalls zu einem 0:0.
Auch Baumgart fliegt nach nur einem Spiel in Freiburg
Diese vielen Trainerwechsel geben dabei nur einen groben Einblick in die vielen Veränderungen auf der HSV-Bank: Seit Pagelsdorfs Entlassung im September 2001 und inklusive Interimstrainern saßen dort in 25 Jahren 27 verschiedene Personen, mit Polzin, Labbadia und Cardoso drei gleich doppelt - nachzuschauen in dieser Auflistung von sport.de. Keine von ihnen schaffte zwei aufeinanderfolgende Bundesliga-Auswärtsspiele in Freiburg - oder gar, auch nur annähernd so lange im Amt zu bleiben wie Pagelsdorf. Der hatte seit Juli 1997 und damit etwas mehr als vier Jahre in der Verantwortung gestanden.
Polzin hat kurz Ende November immerhin schon sein erstes Jahr als HSV-Trainer vollendet, jetzt bietet sich ihm zum Auftakt ins Jahr 2026 die nächste Chance auf den ersten Bundesliga-Auswärtssieg seiner Karriere. Bislang stehen für den Aufsteiger auf fremden Plätzen nur zwei Unentschieden und fünf Niederlagen in der Statistik. Eine Bilanz, die noch zum Problem werden könnte, wenn die bisherige Heimstärke bis Ende Januar unter anderem von Bayer Leverkusen und dem FC Bayern auf die Probe gestellt wird.
Abseits der Bundesliga-Duelle waren die Hamburger seit Pagelsdorf übrigens ein weiteres Mal für ein Pflichtspiel zu Gast in Freiburg, und zwar im Oktober 2024 in der 2. Runde des DFB-Pokals. Der Sport-Club setzte sich damals mit 2:1 gegen den Noch-Zweitligisten durch. Der - natürlich - von jemandem trainiert wurde, der bislang in diesem Text noch nicht aufgetaucht ist: Steffen Baumgart. Ihn ereilte knapp vier Wochen später das Schicksal, nach nur einem Freiburg-Trip als HSV-Trainer entlassen zu werden.
Polzin wurde daraufhin erst zum Interims- und dann zum Cheftrainer befördert. Und versucht sich jetzt als 13. HSV-Trainer in den vergangenen Jahren daran, mehr als nur ein Bundesliga-Auswärtsspiel in Freiburg in dieser Rolle zu erleben.