Fußball

Im Konflikt um Berg-Karabach Ex-BVB-Star fordert: "Völkermord verhindern"

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Mchitarjan ist der bekannteste Sportler Armeniens.

(Foto: imago images/Insidefoto)

Aus Angst um seine Sicherheit verpasst Henrich Mchitarjan 2019 das Finale der Europa League. Der Armenier wollte nicht nach Aserbaidschan reisen - wegen des Konflikts um die Region Berg-Karabach, der nun wieder blutig ausgetragen wird. Der ehemalige BVB-Profi sieht eine "existenzielle Bedrohung".

Henrich Mchitarjan schaut schon seit Tagen nicht mehr bloß zu. Im Südkaukasus heulen die Alarmsirenen, Raketeneinschläge lassen Straßenzüge erzittern und Häuser brennen - und der beste Fußballer Armeniens will, dass die ganze Welt hinsieht. "Wenn das nicht heute endet, kann es schon morgen auf andere Regionen übergreifen", schreibt der frühere Dortmunder in seinen Social-Media-Kanälen: "Heute sind unsere Kinder das Ziel, morgen können es eure sein." Die internationale Gemeinschaft müsse eingreifen, "um einen weiteren Völkermord zu verhindern."

Der Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Region Berg-Karabach erlebt die härtesten und blutigsten Kämpfe seit den 90er-Jahren, seit Aufflammen der Auseinandersetzung Ende September starben mindestens 245 Menschen. Beide Seiten beschuldigen die jeweils andere, auch Zivilisten getötet zu haben. Und längst ist die Angelegenheit auch wieder ein Thema für die Weltpolitik. Der UN-Sicherheitsrat forderte bereits ein sofortiges Ende der Gefechte, Frankreich, die USA und Russland mahnten zudem am Montag noch einmal einen Waffenstillstand an. Die Gewalt, auch die Angriffe auf zivile Einrichtungen, seien eine "inakzeptable Bedrohung für die Stabilität der Region".

Doch die Lage ist kompliziert. Die selbsternannte Republik Berg-Karabach ist mehrheitlich von Armeniern bewohnt, völkerrechtlich gehört sie aber zu Aserbaidschan. Zu befürchten ist auch, dass sich der Konflikt durch Einmischung ausländischer Mächte ausweiten könnte. Davor warnt nun auch Mchitarjan.

"Unsere Kinder haben das Recht, sich nicht verstecken zu müssen."

Der 31-Jährige ist mit diesem Thema aufgewachsen, auch auf dem Fußballfeld ist er nicht frei davon. So lief er im vergangenen Jahr im Finale der Europa League mit dem FC Arsenal gegen den FC Chelsea nicht auf - das Spiel fand in Aserbaidschans Hauptstadt Baku statt, als Armenier wollte er diese Reise wegen Sicherheitsbedenken nicht antreten.

Vorfälle wie dieser riefen die über Jahrzehnte schwelende Krise auch der Sportgemeinschaft wieder ins Gedächtnis. Am Dienstag erreichte die blutige Auseinandersetzung auch die Nations League: Die Europäische Fußball-Union (Uefa) verlegte das Heimspiel Armeniens gegen Georgien am Sonntag nach Tychy in Polen und die Partie Aserbaidschans gegen Zypern zwei Tage später nach Elbasan in Albanien. Das für Mittwoch geplante Länderspiel zwischen Armenien und Albanien wurde abgesagt.

Und Mchitarjan sieht sich in der Pflicht, für weitere Aufmerksamkeit zu sorgen, denn er ist in einer einzigartigen Position. Der Offensivstar des AS Rom ist der mit Abstand bekannteste Fußballer Armeniens, schon seit seinem Wechsel zu Borussia Dortmund (27,5 Millionen Euro) im Jahr 2013 ist er auch der teuerste. Als erster Armenier spielte er in der englischen Premier League, als erster gewann er die Europa League.

Mchitarjan ist aber auch Unicef-Botschafter, er spricht sieben Sprachen. Die Region Berg-Karabach besuchte er in der Vergangenheit immer wieder, um sich für wohltätige Zwecke einzusetzen. Am vergangenen Wochenende schickte Mchitarjan via Twitter Bilder um die Welt, von Kindern in Schutzbunkern, von Kindern in Krankenbetten. "Wir haben das Recht, ohne existentielle Bedrohung in unserer Heimat zu leben", schreibt er: "Unsere Kinder haben das Recht, sich nicht verstecken zu müssen."

Quelle: ntv.de, Thomas Weitekamp, sid