Fußball

Coman leidet, Signal positiv FC Bayern fühlt sich wieder ernst genommen

Mit dem Sieg gegen Tottenham im letzten Vorrundenspiel der Champions League schreibt der FC Bayern Geschichte. Viel wichtiger aber ist, dass sich das Team darin bestärkt sieht, auf dem richtigen Weg zu sein. In den letzten drei Partien des Jahres fehlt Kingsley Coman.

Hansi Flick hat sich schnell auf den Weg gemacht in die Tiefe des Stadions. Der Trainer des FC Bayern verspürte offenbar keine große Lust, sich feiern zu lassen - trotz des Rekords und einer perfekten Einstimmung auf den Jahresausklang. Die Münchner schafften am Mittwochabend gegen Tottenham Hotspur das, was ihnen in den beiden Partien zuvor in der Fußball-Bundesliga nicht gelungen war: mehr Tore zu erzielen als der Gegner. Damit gewannen sie als erste deutsche Mannschaft alle sechs Vorrundenspiele in der Champions League. "Es war nicht alles super", befand Flick kurz nach dem 3:1 (2:1) gegen die Engländer, aber der Sieg sei "auch ein Zeichen, dass wir auf diesem Weg bleiben müssen".

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Wenn alles gut läuft, ist er in der Rückrunde wieder dabei: Kingsley Coman.

(Foto: dpa)

Doch die Bayern befürchteten zu diesem Zeitpunkt noch, dass der Sieg sehr teuer erkauft sein könnte. Der Trainer und auch die Spieler hatten auch eine Stunde nach Abpfiff noch die Szene aus der 25. Minute im Kopf, als Kingsley Coman beim Versuch, den Ball zu stoppen, sein linkes Knie übel überstreckte und anschließend auf den Boden sackte. Kurz davor, in der 14. Minute, hatte der Franzose für die Münchner die Führung erzielt, die aber Ryan Sessegnon (20.) bereits wieder ausgeglichen hatte.

"Geschockt" sei er gewesen im ersten Moment, gab Joshua Kimmich zu. Und Thomas Müller sagte: "Es sah nicht super gut aus." Aber offenbar schlechter, als es tatsächlich war, denn gut zwei Stunden nach Spielende kam leichte Entwarnung. Coman zog sich, wie der FC Bayern mitteilte, einen Kapseleinriss im linken Knie zu, außerdem ist die Bizepssehne gezerrt und das Knie gestaucht. Es wird mit einer Schiene ruhiggestellt, aber wenn alles gut läuft, ist der Flügelspieler in der Rückrunde wieder dabei.

München - London 3:1 (2:1)

Tore: 1:0 Coman (14.), 1:1 Sessegnon (20.), 2:1 Thomas Müller (45.), 3:1 Coutinho (64.)
FC Bayern München: Neuer - Pavard, Boateng, Martinez (87. Goretzka), Davies - Thiago, Kimmich - Gnabry, Coutinho, Coman (27. Thomas Müller) - Perisic (86. Zirkzee). - Trainer: Flick
Tottenham Hotspur: Gazzaniga - Walker-Peters, Foyth, Alderweireld, Rose - Dier (81. Wanyama), Sissoko - Eriksen, Lo Celso (65. Skipp), Sessegnon - Lucas Moura (65. Son). - Trainer: Mourinho
Schiedsrichter: Gianluca Rocchi (Italien)
Zuschauer: 70.000 (ausverkauft)

Der 23-Jährige ist der nächste Ausfall bei den ohnehin personell etwas gebeutelten Münchnern. Gegen Tottenham musste der Kader mit drei Spielern aus der zweiten Mannschaft aufgefüllt werden, weil vom Profi-Stamm am Anfang nur noch Robert Lewandowski, Müller und Leon Goretzka auf der Bank saßen. Und der Jahresendspurt ist für die Bayern keineswegs so etwas wie die geruhsame Vorbereitung auf den Weihnachtsurlaub.

"Anflug von Pech"

Im Gegenteil, die Mannschaft hat den Auftrag, vom siebten Tabellenplatz, der so gar nicht bayern-like ist, nach oben zu klettern. Als "positives Signal" sieht Kapitän und Torwart Manuel Neuer den Erfolg über den Finalisten der vergangenen Saison nach den beiden vermeidbaren Niederlagen gegen Leverkusen und Mönchengladbach, weil die Münchner zwar auch dieses Mal, wie Müller erkannte, "einen Anflug von Pech" im Abschluss spürten, "aber wir haben es trotzdem durchgezogen".

Sein Treffer zum 2:1 (45.) und der von Philippe Coutinho zum 3:1 (64.) beendeten die Bayern-Blockade vor dem Tor. Obwohl das letzte Gruppenspiel keine große Bedeutung mehr hatte, weil die Münchner bereits vorzeitig als Gruppensieger feststanden, sei der Erfolg, so der ehemalige Nationalspieler, "elementar wichtig" gewesen - mit Blick auf das Restprogramm. "Wir wollten bestätigen, dass das, was wir machen, das Richtige ist."

Während die Bayern in der Bundesliga, bei sieben Punkten Rückstand auf Tabellenführer Borussia Mönchengladbach, "ein bisschen in Schieflage" geraten sind, wie der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge zugibt, gab es in der Champions League bisher nichts auszusetzen, weder an der Leistung noch an der Tor- und Punkteausbeute. Die Münchner haben als einziges Team die Höchstpunktzahl erreicht und zudem die meisten Tore erzielt - keine Spur also von Abschlussschwäche.

"Das war wichtig für uns, dass wir auch in Europa wieder richtig ernst genommen werden", sagte Kapitän Neuer. Allerdings ist die Gruppenphase nur selten ein Gradmesser für die Bayern, erst recht nicht dieses Mal, weil der stärkste der drei Gegner, Tottenham, einige Probleme mit sich herumschleppt, trotz des Trainerwechsels von Mauricio Pochettino zu José Mourinho. Den Bayern ist es egal, dass es noch keinen Gegner auf Augenhöhe gab. Die kommen früh genug in der K.-o.-Phase.

Quelle: ntv.de