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Die Lehren des 13. Spieltags FC Bayern führt die falsche Tabelle an

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Und schon wieder nichts: Der FC Bayern verzweifelte an sich und mehr noch am Aluminium.

(Foto: imago images/MIS)

Am 13. Spieltag der Fußball-Bundesliga passieren wunderliche Dinge: Der FC Bayern verliert und baut doch seinen Vorsprung aus und beim BVB bejubeln sie das Fehlen der spielerischen Leichtigkeit. Und bei der Hertha wundert einen gar nichts mehr.

1. FC Bayern führt die falsche Tabelle an

Der FC Bayern baute mal wieder die Tabellenführung aus. Eiskalte Münchner, war ja klar. Kennt man, da kommt einfach kein anderer Bundesliga-Verein mit. Dumm nur für den FCB, dass es sich um die Spitzenposition der Pfosten- und Lattentreffer und nicht um die der 1. Fußball-Bundesliga handelt. Gleich um drei Treffer erhöhten die Bayern bei der knappen 1:2-Niederlage gegen Bayer Leverkusen dieses spezielle Konto. Elf Mal haben die Spieler des Rekordmeisters jetzt schon die Kugel an das Aluminium gesemmelt, fast doppelt so oft wie die Zweitplatzierten Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach mit sechs Treffern. RB Leipzig und Werder Bremen folgen mit fünf. Der allgemeine Bundesliga-Fan darf sich also freuen: Die Bayern haben auch mal Pech statt Dusel.

Thomas Müller sprach nach der Partie gegen Leverkusen von einer "extremen, fast nie dagewesenen Ineffizienz". So ein Spiel habe er „noch nicht erlebt“, erklärte der 30-Jährige nach Abpfiff, er sei gar „paralysiert“ und „ein bisschen fassungslos“. Die Fahrlässigkeit der Münchner ist allerdings nicht neu, das sollte auch der Ur-Bayer wissen. Die Saison 2018/19 führte zwar die TSG Hoffenheim mit 27 Pfosten- und Lattentreffern an, aber der FCB folgte mit 22 auf Platz zwei. Leipzig lag abgeschlagen auf Rang drei mit 15 Mal Aluminium. Auch in Sachen Chancenverwertung ist der Rekordmeister nicht Bundesligaspitze. In der vergangenen Saison gaben seine Kicker 495 Schüsse ab, 88 Tore sprangen heraus. Macht eine Quote von 17,8 Prozent, was nur für den vierten Platz in der Chancenverwertung-Tabelle reichte (Dortmund führte mit 24,4 Prozent vor Wolfsburg und Frankfurt). Schmerzlicher für Hansi Flick und seine Mannschaft: Auch in der eigentlichen Bundesliga-Tabelle reicht es nach der Niederlage momentan nur für Platz vier.

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Thomas Müller versaute sich selbst seine Unbesiegbarkeitsstatistik.

(Foto: imago images/ActionPictures)

Immerhin wusste Müller selbst, wie das geht mit der Effizienz und erzielte das zwischenzeitliche 1:1. Kurios: Im mittlerweile 88. Bundesliga-Spiel, in dem der Ex-Nationalspieler ein Tor erzielte, verließ sein Klub erstmals den Platz als Verlierer. Aber es gibt noch Hoffnung für Müller und Co., auch in den wichtigen Tableaus Spitze zu werden, denn nach der letzten Heimniederlage gegen Bayer im Jahr 2012 - auch ein 1:2 am damaligen neunten Spieltag - rappelte sich der Rekordmeister auf, verlor lediglich eine weitere Partie in der Saison und gewann im Sommer 2013 das Triple.

2. In Dortmund finden sie über den Kampf aus dem Spiel

Man darf darüber streiten, ob es eine gute Nachricht ist, wenn ein Ensemble von feinfüßigen Fußballkönnern wie Julian Brandt, Marco Reus, Jadon Sancho und Thorgan Hazard einen Sieg gegen erschreckend struktur- und harmlose Berliner nach der schnellen 2:0-Führung über die Zeit kämpft. In Dortmund nehmen sie derzeit aber, was sie kriegen können. Das chancenlose 1:3 in Barcelona wurde zum Achtungserfolg umgedeutet ("Nichts passiert, wofür wir uns schämen müssen", so Mats Hummels), entsprechend euphorisch wurde der erst dritte Auswärtssieg der Saison besprochen. „Wir haben gelitten in der zweiten Hälfte, da mussten wir sehr viel laufen“, analysierte Trainer Lucien Favre, „aber wir haben in Unterzahl intelligent verteidigt und auch versucht, das 3:1 zu machen.“ Es blieb beim Versuch und auch da bei Ansätzen.

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Julian Brandt glänzte erst spielerisch, später durch Kampf.

(Foto: imago images/Camera 4)

Und Manager Michael Zorc freute sich über Selbstverständliches: "Wir haben eine richtige Mannschaft gesehen, in der einer für den anderen gespielt, aber auch gearbeitet hat". Vergessen sollten sie in Dortmund aber nicht die Rufe der Berliner Fans: Die wollten ihre Abstiegsverwalter schon früh und dann regelmäßig "kämpfen sehen". Nach dem Spielende wurde die blau-weiße Mannschaft, die den Meisterschaftskandidaten nach einem schnellen 2:0-Rückstand noch in ein strukturschwaches Kampfspiel verwickeln konnte, mit Becherwürfen und Schmähungen von der Kurve hinfortgeschickt. In Dortmund haben sie noch nicht viel gewonnen.

3. Hertha bekommt Lehre in Sachen Aufmerksamkeit

Ein kleiner Scherz sagt ganz schön viel über die derzeitige Situation bei Hertha BSC aus. Ein Youtuber hat sich am Sonntag ins Training der Berliner eingeschlichen. Ja, er war den Berichten zufolge komplett in Vereinsklamotten gekleidet. Aber bitte, das ist schon ziemlich peinlich, dass er sich den Spaß einige Minuten unerkannt erlauben konnte. Und dabei wohl auch noch gefilmt wurde! Das kommt wohl davon, wenn der Klub in der Not den ganzen Trainerstab austauscht - und offenbar niemand die Spieler (er)kennt. Das spricht nicht gerade für den gehypten Jürgen Klinsmann, seine Assistenten Alexander Nouri und Markus Feldhoff sowie Torwarttrainer Andreas Köpke. Erst Fitness-Trainer Henrik Kuchno, der seit mehr als zehn Jahren für den Klub arbeitet, bemerkte den Eindringling laut "Bild"-Zeitung.

Dieser alberne Zwischenfall spricht allerdings auch nicht für die Hertha-Profis. Sind das alles so abgehobene Egoisten, dass sie nicht auf ihre Mitspieler achten? Ist sich im Training jeder selbst der Nächste? Nach der 1:2-Niederlage gegen Borussia Dortmund und dem damit verbundenen Rutscher auf den Relegationsplatz 16 sollten die Spieler doch tunlichst darum bemüht sein, eine eingeschworene Einheit zu bilden. Dazu gehört, dass man auf seine Mitspieler achtet - vor allem auf dem Platz. "Ich wollte mal sehen, ob ich hier der Mannschaft helfen kann", zitiert der "Berliner Kurier" den Youtuber, der eine ähnliche Aktion auch schon beim Zweitligisten Hannover 96 durchgezogen hat. Vielleicht hat er der Hertha ja sogar geholfen: Damit, dem Team zu zeigen, dass mehr Aufmerksamkeit nötig ist.

4. Paderborn ist das charakterstarke Schlusslicht

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32 Tore kassiert, nur halb so viele selbst erzielt. Zehn Niederlagen, nur fünf Punkte erspielt - der SC Paderborn ist abgeschlagenes Tabellenschlusslicht. Kanonenfutter nennt man solche Gegner im abwertenden Sprachgebrauch gerne mal. Dabei ist der Aufsteiger alles andere als das. Vor allem die Topklubs der Liga müssen gegen die Ostwestfalen ein ums andere Mal zittern. So wie RB Leipzig beim 3:2 in Paderborn - die Sachsen, die mit dem knappen Sieg zumindest vorübergehend die Tabellenspitze erobert hatten, lagen schließlich schon völlig souverän mit 3:0 vorn. Doch dann packte der 18. all die Entschlossenheit und Kampfkraft aus, die er schon an den vorherigen Spieltagen bewiesen hatte.

In bester Erinnerung ist das 3:3 gegen Borussia Dortmund, bei dem die Paderborner in der ersten Hälfte schon auf 3:0 enteilt waren. Leverkusen rang den Aufsteiger gerade eben mit 3:2 nieder, genauso wie der FC Bayern, der beim selben Ergebnis zwar verdient siegte, aber doch heftig wackelte. Die spielerischen Fähigkeiten des Teams von Trainer Steffen Baumgart bekam auch Europa-League-Teilnehmer VfL Wolfsburg zu spüren, der beim 1:1 zwei Punkte liegen ließ. Unter Kanonenfutter versteht man etwas völlig anderes. Selbst wenn der SC Paderborn also nach nur einer Saison im Fußball-Oberhaus wieder absteigen muss - er kann mit erhobenem Haupt gehen. Charakter hat das Team jetzt schon reichlich bewiesen.

5. Wagner bringt Schalke den Spaß zurück

Der FC Schalke 04 ist in dieser Saison wie ausgewechselt. 25 Punkte hat das Team nach 13 Spieltagen auf dem Konto. So viele waren es im vergangenen Jahr nach 27 Spielen, eine Saison, die fast mit dem vierten Bundesliga-Abstieg der Klubgeschichte geendet wäre. Nun sind die Königsblauen Tabellendritter und mittendrin im Kampf um die internationalen Plätze. Dabei hat sich auf Schalke gar nicht so viel getan. Der Klub vertraut weitgehend auf die gleichen Spieler wie in der Vorsaison - hat aber mit David Wagner einen neuen Trainer engagiert. Den hat Kollege Arnulf Beckmann genauer beobachtet. Und wer noch einen Leseanreiz braucht, bitte sehr: Wagner hat offenbar die richtige Linie gefunden, die richtige Ansprache gleich dazu: "Wir sind eine junge, hungrige Mannschaft, und der Trainer hat uns das nötige Selbstvertrauen zurückgegeben", sagte Suat Serdar nach dem siebten Saisonsieg. "Und er hat uns den Spaß am Fußball zurückgegeben."

Quelle: n-tv.de

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