Fußball

Werder-Keeper: "eine Frechheit" FC Bayern setzt erstes Ausrufezeichen

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Franck Ribery, Xabi Alonso und David Alaba freuen sich über einen gelungenen Saisonauftarkt.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Der souveräne Saison-Auftakt des FC Bayern gibt einen kleinen Einblick, was sich unter Carlo Ancelotti im Spiel des Meisters ändern. Aber das 6:0 gegen ängstliche Bremer ist noch kein Maßstab.

Ein paar Schritte nach vorne, ein paar nach hinten, mehr war da nicht. Der Bewegungsradius ließ zu wünschen übrig. Aber es gab für den Mann keinen Grund, seine Position verändern und die Gewohnheiten über den Haufen zu werfen. Carlo Ancelotti blieb am Freitagabend, was er ist: die Ruhe in Person. Der neue Trainer des FC Bayern hatte ein schönes Bundesliga-Debüt erlebt, 6:0 gewann seine Mannschaft den Bundesliga-Auftakt gegen Werder Bremen. Allerdings hätte er sich an der Seitenlinie kaum anders benommen, wäre es schlechter gelaufen für den Rekordmeister. Nur gelächelt hätte er dabei nicht. "Ich bin glücklich", sagte er später. "Spiele dieser Art sind nie einfach."

Das Schwierigste an dieser Partie war die wohl die mentale Vorbereitung, weil vor dem Anpfiff vor allem über die Höhe des Münchner Sieges spekuliert worden war nach Bremens peinlichem Pokal-Auftritt beim Drittliga-Aufsteiger Lotte. Die 90 Minuten selbst mussten dem FC Bayern dann eher wie eine bessere Trainingseinheit vorgekommen sein. Vermutlich hatte sich der Meister bei einem Liga-Start kaum einmal leichter getan. "Wir hatten das Spiel total im Griff", sagte Neu-Bayer Mats Hummels.

Wachsender Druck auf Skripnik

Und den Gegner erst recht. Bremen fehlte nicht nur der Biss, sich zu wehren, sondern auch der Mut. Die Partie war nach den Treffern von Xabi Alonso (9.) und Robert Lewandowski (13.) früh entschieden. Als dann der Pole sofort nach Wiederanpfiff ein zweites Mal traf, resignierten die Gäste endgültig und Philipp Lahm (67.), Franck Ribery (73.) sowie noch einmal Lewandowski (77./Foulelfmeter) setzten die Torejagd erfolgreich fort. "Wenn du so ängstlich auftrittst, kannst du keinen Zweikampf gewinnen", kritisierte Kapitän Clemens Fritz. Torhüter Felix Wiedwald fand das Spiel seiner Vorderleute einfach nur "eine Frechheit".

Nach zwei Pflichtspielniederlagen steht der schon am Ende der vergangenen Saison umstrittene Viktor Skripnik unter Druck. Allerdings gibt sich der neue Geschäftsführer Sport bei Bremen, Frank Baumann, überzeugt vom Trainer. "Wir wussten, dass dieser Umbruch Zeit braucht und diese Geduld haben wir. Wir werden in den nächsten Monaten definitiv nichts ändern", sagte er.

Die Bayern haben dagegen gleich mit einem Ausrufezeichen die Saison eröffnet. Der aus Sicht des Siegers sehr unterhaltsame Fußball-Abend gab auch einen ersten kleinen Einblick, wie das Spiel des Rekordmeisters unter dem neuen Trainer aussehen könnte. Nicht revolutionär anders jedenfalls, das hatte Ancelotti bereits angekündigt. "Ich habe nur wenig geändert", sagte er auch nach dem Sieg gegen Bremen, denn es sei ein ausgezeichnetes Team.

"Ein bisschen vertikaler spielen"

Es gehe um Facetten, findet Thomas Müller, der beim Wettschießen gegen Bremen leer ausging, dafür als Vorlagen-Geber brillierte. Zum Beispiel bewegte sich Franck Ribery nicht mehr so konsequent an der Außenlinie, sondern agierte zentraler. Und die beiden Außenverteidiger Lahm und Alaba orientieren sich weiter nach vorne als zuletzt. Nur die Ballzirkulation ohne Raumgewinn, wie sie Pep Guardiola geprägt hat, gefiel Ancelotti nicht. Er gab seiner Mannschaft mit, "ein bisschen vertikaler zu spielen".

Die Münchner verlagerten ihre Aktivitäten schneller in die Spitze, statt wie bisher mit manchmal ermüdenden Ballstafetten auf die Lücke zu warten. Das Spiel wirkte deshalb temporeicher und auch ein bisschen luftiger, dies könnte allerdings auch am Gegner gelegen haben, der nahezu körperlos agierte. Für eine endgültige Beurteilung, findet Lahm, sei es noch zu früh. "Es war ja erst der erste Spieltag."

Von einer anderen Taktikkorrektur war kaum etwas zu sehen, weil der Gegner nicht mitmachte. Ancelotti legt bei gegnerischem Ballbesitz nicht ganz so viel Wert auf Pressing, und vor allem nicht mit so hohem Risiko, wie es unter Guardiola üblich war. Die Münchner hätten sich ruhig einige Male in die eigene Hälfte zurückziehen dürfen, aber die Bremer verloren entweder den Ball gleich wieder aus oder trauten sich einfach nicht, einmal schnell vorne zu spielen. "Teilweise zu naiv", fand Skripnik den Auftritt seiner Mannschaft. Für die Bayern auf jeden Fall, aber vielleicht auch für die gesamte Bundesliga.

Quelle: n-tv.de

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