Fußball

CL-Reform ja, neue Liga nein? FC Bayern tritt als Super-League-Gegner auf

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Vorne feiert die Mannschaft, im Hintergrund genießt Rummenigge den Erfolg des FC Bayern.

(Foto: Peter Schatz)

Seit Jahren geistert die Idee der Super League durch den europäischen Fußball: eine eigene Kontinental-Liga der Topklubs abseits der nationalen Wettbewerbe. Der FC Bayern erteilt diesen Plänen nun eine Absage - findet die Reform der Champions League aber gut. In Leverkusen sieht das anders aus.

Auf dem Platz sind sie erbitterte Gegner, doch im Kampf gegen eine europäische Super League spielen die deutschen Fußballklubs in einer Mannschaft. "Das ist etwas, das ich mir niemals vorstellen könnte", sagte Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge dem Sportmagazin "The Athletic": "Eine Super League würde die Grundlagen des europäischen Fußballs erschüttern. Ich glaube nicht, dass das richtig ist."

Im Vergleich zum Horrorszenario Super League sei die angedachte Champions-League-Reform mit dem Schweizer Modell das deutlich geringere Übel - so der allgemeine Tenor der Bundesliga-Klubs. Diese Haltung nahm auch Leverkusen-Boss Fernando Carro als Vertreter der deutschen Eliteliga in der UEFA-Kommission für Klubwettbewerbe ein.

"Als Bundesliga haben wir von Beginn an gegen eine geschlossene Liga und für die Qualifikation über nationale Ligen argumentiert, genauso wie gegen Spiele am Wochenende", sagte Carro der "Sport Bild": "Mit dem nun zum Beschluss vorliegenden Modus hätten wir einen aus unserer Sicht guten Kompromiss mitverhandelt."

Rummenigge fürchtet für die Bundesliga keinerlei negative Folgen durch die ab 2024 angedachte Reform der Königsklasse. "Das kann ich mir nicht vorstellen. Diese beiden Wettbewerbe sind in der Vergangenheit in Ko-Existenz gediehen, und ich würde erwarten, dass sie auch in der Zukunft gedeihen", sagte der 65-Jährige. Carro sieht da schon deutlich mehr Gefahr. Er befürchtet ein noch größeres Ungleichgewicht.

Bald kein Limit mehr für Investorengelder?

"Das Risiko ist absolut gegeben", sagte der 56-Jährige: "Wenn am Ende die Champions League noch mehr und die Europa League noch weniger bekäme, wird die Schere noch größer." Genau dieser Streit um die Milliarden steht der Reform auch noch im Weg, die Verabschiedung des neuen Plans wurde vergangene Woche auf den 19. April verschoben.

Vor der vorgebrachten Drohkulisse einer Super League wollen die großen Klubs von der UEFA mehr Macht in Finanzfragen. Setzen sie sich durch, wird sich die Geldverteilung sicher nicht zu ihren Ungunsten verändern. Dazu steht eine Öffnung der Königsklasse für Investoren im Raum. "Ich sehe nicht die Notwendigkeit, einen Investor reinzuholen", sagte Carro: "Ein Investor will mitverdienen, dieses Geld würde den Klubs verloren gehen."

Besorgniserregender sind die Entwicklungen in Sachen Financial Fairplay. Wie der "Kicker" kürzlich berichtete, denkt die UEFA über eine Aufhebung des Limits für Investorengelder nach. Dies könne ein ruinöses Wettrüsten einleiten, befürchtet Rummenigge: "Wir können nicht an den Punkt kommen, an dem nur noch Vereine im Besitz von Milliardären konkurrieren können."

Die Debatte über ausufernde Finanzgebaren und das immer größer werdende Ungleichgewicht dürfte im europäischen Fußball noch einige Zeit anhalten. "Real Madrid, AC Mailand und Manchester United waren anscheinend treibende Kräfte für eine geschlossene Super League. Jetzt wollen sie wenigstens die Vermarktung der neuen Champions League selbst in die Hand nehmen, um höhere TV- und Sponsoreneinnahmen zu erzielen", erklärt Carro. Dies solle durch die Übernahme der Mehrheit an der UEFA-Vermarktungstochter UCC SA oder die Gründung einer eigenen Vermarktungsgesellschaft gelingen.

Quelle: ntv.de, tsi/sid

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