Fußball

Heine Allemagne bekommt recht FIFA verliert Millionen-Prozess um Sprühdose

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Wer hat's erfunden?

(Foto: imago images/Zink)

Das Freistoßspray hat sich im Fußball bewährt, könnte die FIFA nun aber teuer zu stehen kommen. Ein brasilianischer Klein-Unternehmer verklagt den Weltverband erfolgreich und darf nun auf eine hohe Entschädigungszahlung hoffen. Der FIFA drohen weltweit neue Verfahren.

In der Stunde des Triumphs sprach der David dem Goliath noch einmal ins Gewissen. "Gianni Infantino, sorgen Sie jetzt für Gerechtigkeit, und ich werde der Erste sein, der Ihnen dafür dankt", appellierte Heine Allemagne an den allmächtigen FIFA-Boss. Der brasilianische Selfmade-Fabrikant hat gerade im Streit gegen den Weltverband um die Patent-Millionen für das im Fußball längst gängige Freistoßspray vor heimischer Justiz recht bekommen.

Am 27. Oktober machte die 14. Zivilkammer des Landgerichts in Rio de Janeiro den 50-Jährigen, dessen Vater sich bei der Namensgebung vom deutschen Dichter Heinrich Heine sowie dem französischen Titel des Vers-Epos' "Deutschland. Ein Wintermärchen" inspirieren ließ, quasi zum Millionär. Für die "Verwendung der Freistoßspray-Dosen auf nationalem Territorium, zählend ab dem 23. Mai 2012," müsse die FIFA, die an diesem Datum sich der Erfindung annahm, nun Entschädigung zahlen.

"Die FIFA spielt seit Anfang an auf Zeit und will so gewinnen", äußerte Heines Anwalt Cristiano Zanin, der nach abgeschlossener Beweisaufnahme nun mit einer Anrufung des Obersten Bundesgerichts durch den Weltverband zur kompletten Revision des Falls rechnet. Wenn Infantino nicht vorher einlenkt.

Der Jurist hat eine englische Version des offiziellen Regelwerks aus dem Jahr 2016 in der Hand, wo das Spray offiziell als Hilfsmittel erwähnt wird. Erstaunlicherweise findet sich heute dazu nirgends ein Wort mehr, obwohl die Regelhüter des IFAB sonst alles bis ins kleinste Detail festlegen. "Das ist so, als ob der Vatikan die Bibel ändern würde", echauffierte sich Heine.

Überraschend vorschnelle Justiz

Schon zu oft hat der Mann aus dem Städtchen Ituiutaba, der 1999 beim Klassiker zwischen Brasilien und Argentinien auf die Idee kam, die Freistoßmauer mit einem sich selbstauflösenden Schaum auf Distanz zu halten, zu früh gefreut. Und deshalb wurde nun umgehend ein Brief an die FIFA-Ethikkommission geschickt, um auch dort den Fall neu aufzurollen.

Diese hatte 2019 unter der Nummer RE 19-00114 eine Untersuchung eingeleitet, im Juli 2020 aber abrupt den Fall für abgeschlossen erklärt, nachdem erstinstanzlich Brasiliens Justiz keine Piraterie für ein Produkt, das "keine hohe Komplexität erfordere", sah. Erstaunlich vorschnell, zumal Infantino beim Besuch der U17-WM 2019 in Brasilien den "David" anhörte.

"Ich habe das Spray erfunden, ich habe es in die Fußballwelt eingeführt", stellte Heine klar. Er habe im Labor die Schaum-Mischung getestet, bei Verbänden Türen geöffnet, alle Anforderungen für eine Patent-Anmeldung 2009 erfüllt, sei mehrmals nach Zürich gereist, bis die FIFA 2013 erste Tests auch bei der Klub-WM mit den siegreichen Bayern aus München durchgeführt habe.

"Die FIFA hat jetzt schon verloren"

Im Januar 2014 kam dann ein Angebot, für Heine lächerliche 500.000 US-Dollar. Doch die WM am Zuckerhut stand vor der Tür, die FIFA wollte das Spray unbedingt, einigte sich mit dem Brasilianer und dem Argentinier Pablo Silva, der ebenfalls Erfinderrechte einforderte, darauf, dass das Duo die Schiedsrichter in einem Lehrgang mit dem Werkzeug vertraut mache. Und danach gebe es 40 Millionen US-Dollar, ein Versprechen, das nicht schriftlich fixiert wurde.

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Der Produktname Spuni, aus dem Ausdruck "espuma para punicao" (Bestrafungsspray) abgeleitet, wurde damals unabgesprochen abgeklebt. Danach machte die FIFA gar eine Ausschreibung für interessierte Hersteller, laut Zanin, um so die Vermarktungsrechte zu bekommen, obwohl Heine in weiteren 43 Ländern Patente festschrieben ließ, unter anderem in fast ganz Europa, auch in Deutschland. Für die Kläger ein klarer Fall von Piraterie.

"Die FIFA hat jetzt schon verloren", versicherte Heine. Und wenn in Brasilien wirklich Millionen fließen, öffnet sich der Rechtsweg in anderen Ländern. Vielleicht sollte Infantino einlenken, bevor David den Goliath endgültig in die Knie zwingt.

Quelle: ntv.de, tsi/sid

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