Fußball

Trotz deutlichem Borussia-Duell Forscher BVB wagt Kampfansage

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Jude Bellingham und seine Teenager-Kollegen begeistern beim BVB.

(Foto: imago images/Laci Perenyi)

Die Jugend von Borussia Dortmund stürmt zum klaren Sieg. Kapitän Mats Hummels gerät ins Schwärmen - macht mit einer Ansage den Gegnern Angst. Sein Trainer Lucien Favre reagiert derweil genervt. Nämlich auf die Frage nach dem Konkurrenzkampf mit dem FC Bayern.

Borussia Dortmund ist es seit vielen Jahren gewöhnt, bei Bundesliga-Heimspielen die meisten Zuschauer zu begrüßen. Das war auch am ersten Spieltag der neuen Saison so, und doch ist in Zeiten der Corona-Pandemie alles anders. Statt der üblichen 80.000, die sonst im größten Stadion der Republik die Ränge bevölkern, verloren sich dieses Mal gerade Mal 9300 Besucher in der mächtigen Arena.

Schon auf dem Weg war die Atmosphäre eigenartig gedämpft, trotz Sonnenschein und spätsommerlicher Temperaturen wollte sich die übliche Festtagsstimmung nicht einstellen, die in normalen Zeiten immer dann durch die Fußballstadt wogt, wenn Schwarz-Gelb seine Tore öffnet. Doch darauf, dass es so schön wie früher wird, werden sie im Revier - genau wie im Rest der Republik - wohl noch eine ganze Weile warten müssen.

Die größte Stehplatztribüne der Welt, auf die sie in Dortmund so stolz sind, mutete an wie beim Tag der offenen Tür aber nicht wie bei einem Bundesligaspiel. Die Gelbe Wand wies aufgrund der Abstandsregel solch große Löcher auf, dass der gewohnte dichte Klangteppich, der sich zu ohrenbetäubenden Lärm steigern kann, nicht zu hören war. Die Zuschauer, die kommen durften, gaben sich redlich Mühe, in der Schlussphase gegen die Borussia aus Mönchengladbach war sogar die Welle zu sehen.

Bei Gladbach fehlen wichtige Offensivkräfte

Der BVB schlug seinen erklärten Lieblingsgegner der letzten Jahre mit 3:0 (1:0) und brachte sich damit direkt in die gewohnte Rolle als erster Rivale der Über-Bayern. Sportdirektor Michael Zorc fand es "nicht sonderlich spektakulär, aber es war in Ordnung". Für die hoch gehandelten Gladbacher bedeutete der Saisonstart dagegen einen Rückschlag. "Wenn alle gesund sind, dann sind wir richtig, richtig gut", hatte Trainer Marco Rose vor dem Saisonstart im Brustton der Überzeugung verkündet. Das kleine Wörtchen "Wenn" belegt jedoch die entscheidende Einschränkung. Ohne Leistungsträger wie Denis Zakaria, Marcus Thuram, Alassane Plea und Breel Embolo sind die Gladbacher nun mal kein Team, das in der Liga das Niveau bestimmen kann. Thuram und Plea wurden zwar nach knapp einer Stunde Spielzeit eingewechselt, doch die beiden Offensivkräfte sind nach ihrer Verletzungspause noch längst nicht wieder im Vollbesitz ihrer Kräfte.

Zwölf Pflichtspielsiege in Folge der Borussia aus dem Revier gegen die Borussia vom Niederrhein suggerieren, als gäbe es da einen gravierenden Klassenunterschied. Doch so extrem, wie die nüchternen Zahlen glauben lassen, ist es nicht. In der vergangenen Saison begegneten sich die Borussen bei drei Aufeinandertreffen in der Meisterschaft und im Pokal jedes Mal auf Augenhöhe, jedes Mal setzten sich die Dortmunder nur knapp mit einem Tor Unterschied durch, wobei jedes Mal auch der Faktor Glück eine Rolle spielte.

Dortmund mit mehr Durchschlagskraft

Borussia Dortmund - Borussia Mönchengladbach 3:0 (1:0)

Dortmund: Bürki - Can, Hummels, Akanji - Meunier, Witsel, Hazard (19. Passlack) - Bellingham (67. Delaney), Reyna (79. Brandt) - Sancho (79. Reus), Haaland. - Trainer: Favre
Mönchengladbach: Sommer - Ginter, Elvedi, Bensebaini - Lainer, Neuhaus, Kramer, Wendt (69. Herrmann) - Wolf (57. Thuram), Hofmann - Stindl (57. Plea). - Trainer: Rose
Schiedsrichter: Dr. Felix Brych (München)
Tore: 1:0 Reyna (35.), 2:0 Haaland (54., Foulelfmeter nach Videobeweis), 3:0 Haaland (77.)
Zuschauer: 9300
Gelbe Karten: Akanji - Stindl


Auch dieses Mal waren die Unterschiede nicht groß. Dortmunds Abwehrchef Mats Hummels fand das Spiel "ziemlich ausgeglichen, wir waren kaum besser, aber wir kriegen mit der Qualität da vorne immer unsere Chancen und Tore". Das beurteilte Marco Rose genauso. Gladbachs Trainer hatte "zwei Halbzeiten auf Augenhöhe" gesehen, "aber in der Box hatte Dortmund wesentlich mehr Durchschlagskraft". Also "dort, wo es um die Wurst geht, da sind sie einfach effektiver". Ein deutliches 0:3, "das fühlt sich nicht gut an, aber damit müssen wir leben".

Wobei noch erschwerend hinzukam, dass Schiedsrichter Felix Brych und sein Gespann in zwei kritischen Situationen für den BVB und gegen Gladbach entschied. Bei der Attacke an Gio Reyna (54.) schaltete sich der Video-Schiedsrichter ein, am Ende bekamen die Dortmunder den Strafstoß. Als Hummels seinen Gegenspieler Thuram keine zehn Minuten später von den Beinen holte, blieb der Pfiff aus, Brych wertete einen fairen Zweikampf. Rose hat sich während seiner ersten Saison in der Bundesliga den Ruf erarbeitet, sich schon mal mit dem Unparteiischen anzulegen, doch dieses Mal hielt er sich dezent zurück: "Wir haben den ersten Spieltag, da möchte ich kein Fass aufmachen. Wir akzeptieren das so."

"Das bringt nichts, über die Bayern zu sprechen"

Im Fußball-Westen sind die Dortmunder also weiter die Nummer eins, aber für das börsennotierte Unternehmen geht es um mehr. Und zwar um nicht weniger als den Titelkampf, in dem der BVB vom ewigen Widersacher aus dem Süden seit acht Jahren nur noch die Rücklichter sieht. Angesprochen auf den Rekordmeister reagierte der sonst so zurückhaltende Trainer Favre genervt und fand ungewohnt deutliche Worte: "Das bringt nichts, über die Bayern zu sprechen. Sie haben die beste Mannschaft der Welt, sich vorne noch Sané geholt und werden sich auch im Mittelfeld verstärken. Wer das nicht sieht, hat ein Problem. Der muss sich einen anderen Job suchen."

Sicher, die Triple-Bayern, die beim 8:0 gegen Schalke gleich mal ein Ausrufezeichen gesetzt haben, sind nicht nur hierzulande das Maß aller Dinge. Doch so schlecht, dass sie sich hinter dem Souverän verstecken müssten, sind die Dortmunder nun wirklich nicht aufgestellt. Das gilt vor allem für die Offensive, in der sich blutjunge Profis wie Giovanni Reyna (17), Jude Bellingham (17), Jadon Sancho (20) und Erling Haaland (20) alle in die Scorerliste eintragen konnten.

Als Kapitän Hummels nach dem Schlusspfiff über die Möglichkeiten sprach, geriet der Weltmeister von 2014 regelrecht ins Schwärmen: "Wir arbeiten gerade Marco Reus ran und können einen Julian Brandt einwechseln. Wir haben richtig gute Fußballer, wenn wir das alles zusammenfügen, haben wir eine Top-Mannschaft." Alles in Ordnung also im Revier, wie nicht nur der Dortmunder Abwehrchef konstatierte: "Das war ein schöner Start, aber das war noch weit weg vom Maximum."

Quelle: ntv.de