Fußball

Was wollte er denn sagen? Friedhelm Funkel versteht Rassismus nicht

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(Foto: imago images/Herbert Bucco)

Es sollte ein Lob werden, das Friedhelm Funkel dem Gegner Bayer Leverkusen machen wollte. Doch der Trainer des 1. FC Köln drückt sich unnötig kompliziert aus und zieht damit massive Kritik auf sich. Sein Versuch einer Rechtfertigung macht es dann nicht besser.

Außenspieler. Wenn Friedhelm Funkel einfach "Außenspieler" gesagt hätte, würde dem Trainer des 1. FC Köln nun wohl niemand Rassismusvorwürfe machen. Weil er es aber eben nicht sagte, ist die Widerrede nach seinem auch sportlich missglückten Debüt gewaltig. Wenn er einfach "Außenspieler" gesagt hätte, wäre das Gesprächsthema jetzt nur das 0:3 im rheinischen Derby bei Bayer Leverkusen und der Abstieg, dem der Effzeh wieder ein Stück nähergekommen ist. Aber Funkel sagte eben etwas Irritierendes, als er die Leverkusener Torschützen Leon Bailey und Moussa Diaby loben wollte.

Der 67-Jährige sagte stattdessen: "Sie haben eine enorme Schnelligkeit durch ihre, äh, ja, den ein oder anderen Ausdruck darf man ja nicht mehr sagen", als er nach dem Abpfiff vor das Mikrofon von Sky getreten war. Und ergänzte dann: "Durch ihre Spieler, die halt so schnell sind." Die Reaktion darauf war so eindeutig wie nachvollziehbar, weil eben vieles darauf hindeutet, dass Funkel an dieser Stelle einen rassistischen Stereotypen reproduzieren wollte, um die beiden Schwarzen Fußballprofis hervorzuheben. Denn "Außenspieler", gerne auch "Angreifer" oder "Offensivspieler" sind wohl kaum die "Ausdrücke, die man nicht mehr sagen darf".

Und Funkel schränkte den Interpretationsspielraum am Tag danach selbst ein, als er bei WDR2 beteuerte, er "habe mit so vielen Spielern aus afrikanischen Ländern zusammengearbeitet und habe nie ein Problem mit denen gehabt." Warum sollte der langjährige und medienerfahrene Bundesliga-Trainer diesen Fakt ausdrücklich betonen? Darum geht es in der Diskussion doch gar nicht. Diese Einordnung ergibt fast ausschließlich Sinn, wenn "der nicht mehr sagbare Ausdruck" etwas war, das auf die (unterstellte) Herkunft von Bailey, geboren und aufgewachsen in der jamaikanischen Hauptstadt Kingston, und Diaby, geboren und aufgewachsen in Paris, abzielte.

Damit scheint sich Funkel gegen den Vorwurf zu verteidigen, er sei ein Rassist. Das hat aber niemand ernstzunehmend unterstellt. Stattdessen ging es zunächst darum, dass Funkel eben allem Anschein ein rassistisches Vorurteil, eine von Rassismus geprägte Argumentation in das Sky-Mikrofon sagen wollte. Mit seiner "Rechtfertigung" schadet er sich nur noch weiter, da auch sie geprägt von rassistischen Stereotypen erscheint. Er hätte auch einfach sagen können: "Sorry, ist mir nach dem Spiel so rausgerutscht, ich weiß jetzt aber, dass es Mist war. Ich werde daraus lernen und bitte um Verzeihung." Hat er aber nicht.

"Rassismus ohne böse Absicht"

Der Übungsleiter der 1. FC Köln ließ außerdem weiter unklar, was er über eigentlich über Bailey und Diaby gerne gesagt hätte. Stattdessen lässt sich ihm der Versuch einer Täter-Opfer-Umkehr unterstellen, denn die scharfen Reaktionen auf seine Äußerung hätten ihn "auch ein Stück weit traurig gemacht". Zumal er "total überrascht" sei, welches Echo seine Anspielung auf die explizite Reproduktion rassistischer Stereotype hervorgerufen habe. "Ich weiß nicht mehr genau, was mir da durch den Kopf gegangen ist", so Funkel. Eine Bitte um Entschuldigung blieb er derweil schuldig, indem er nur mitteilte: "Wenn ich da missverstanden worden bin, tut es mir leid." Funkel sieht das Problem demnach nicht in seinem Handeln, sondern bei denen, die das "missverstehen" wollen.

Noch am Vorabend hatte Funkel über eine Stellungnahme des Vereins verkünden lassen, er habe sich "einzig auf die enorme Schnelligkeit von Leverkusens Spielern" beziehen wollen in seiner viel kritisierten Aussage. Zur Erinnerung, sein Satz lautete: "Sie haben eine enorme Schnelligkeit durch ihre, äh, ja, den ein oder anderen Ausdruck darf man ja nicht mehr sagen." Den Bezug zur Schnelligkeit hatte er also längst gemacht, als er sich selbst bremste.

Stattdessen berief sich Funkel darauf, dass "jeder, der mich kennt, weiß, wie ich bin." Womit er auch meinen dürfte, dass Friedhelm Funkel für sich beansprucht, kein Rassist zu sein. Das muss er aber auch gar nicht sein, um Rassismen in sich zu tragen. Die er im Laufe seines Lebens aufgenommen hat, vielleicht vermittelt bekommen hat, ja bewusst und auch unbewusst gelernt hat.

Dazu passt ein Zitat der Journalistin und Autorin Alice Hasters, die mit "Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten" ein viel beachtetes und lesenswertes Buch zum Thema verfasst hat: "Es gibt auch Rassismus ohne böse Absicht", wie sie der "Augsburger Allgemeinen" sagte. Funkels Verweis darauf, er habe "mit vielen Spielern aus allen Kontinenten zusammengearbeitet", lässt vermuten: Er ahnt, dass er in diesem Interview eigentlich eine rassistische Äußerung getätigt hätte.

Allerdings tätigte Funkel seine Aussage vor einem Mikrofon und einer Kamera, also vor einem (potenziellen) Millionenpublikum. Bei dem es völlig utopisch ist, das jede(r) Einzelne den Menschen Friedhelm Funkel und dessen Einstellungen, Verhaltens- und Denkweisen einzuschätzen vermag. Den allermeisten Menschen bleibt nur, sich mithilfe seiner öffentlichen Aussagen ein Bild von Funkel zu machen. Und da sind infolge dieses Interviews und der wenig überzeugenden Klarstellung eben viele nun zu Recht enttäuscht.

Quelle: ntv.de

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