Fußball

Neuer tadelt, Bosse schweigen Für Bayerns Kovac wird's schwer und einsam

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Niko Kovac muss um seinen Job als Bayern-Trainer mehr denn je zittern.

(Foto: dpa)

Angeknockt wankt Bayern-Coach Niko Kovac ins Bundesligaspiel bei Eintracht Frankfurt - und kassiert dort fünf weitere Tiefschläge. Nach der höchsten Münchner Ligapleite seit einem Jahrzehnt droht Kovac das Aus, zumal die Bosse schweigen und Kapitän Neuer hinterher von einer Klatsche mit Ansage spricht.

In seiner wohl schwersten Stunde als Trainer des FC Bayern bekam Niko Kovac keinerlei Rückendeckung. Die mächtigen und wortgewaltigen Bosse Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge verließen das Frankfurter Stadion nach dem denkwürdigen 1:5 (1:2) genauso wortlos wie Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Kapitän Manuel Neuer sprach hinterher von einem Debakel mit Ansage. Für den ohnehin schon schwer in der Kritik stehenden Coach verschärfte sich die Lage mit einer Blamage an alter Erfolgsstätte noch einmal dramatisch. Das für Sonntag angesetzte öffentliche Bayern-Training wurde am Abend abgesagt.

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"Ich bin nicht blauäugig. Ich habe im letzten Jahr nicht aufgegeben und werde auch jetzt nicht aufgeben", sagte Kovac zu seiner Zukunft, die vor der kommenden Englischen Woche ungewisser denn je wirkt. Zuvor war er bei Sky gefragt worden, ob er glaube, noch das volle Vertrauen des Vereins zu haben - und hatte geantwortet: "Das kann ich nicht sagen. Mein Gefühl ist nicht wichtig, diejenigen die das zu entscheiden haben, sind die, die letzten Endes gefragt werden müssen."

"Das ist kein riesiges Wunder"

Und die schwiegen nach dem Bayern-Gastspiel bei der dynamischen Eintracht kollektiv, nachdem die Partie zu einem einzigen Fiasko und der höchsten Liganiederlage seit April 2009 eskaliert war. Nach der frühen Roten Karte für Jérôme Boateng (9.) fehlten Biss, Kampf und Entschlossenheit. Tatsächlich waren die Bayern mit der Niederlage noch gut bedient, Kapitän Manuel Neuer hatte in der zweiten Halbzeit mit seinen Paraden noch Schlimmeres verhindert. "Die nächsten Tage werden sehr unruhig", sagte der Torhüter voraus.

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"Kein riesieges Wunder": Kapitän Manuel Neuer fand deutliche Worte nach der denkwürdigen Bayern-Klatsche.

(Foto: imago images/kolbert-press)

Auch seine Spielanalyse fiel nüchtern aus, Neuer fand im ZDF: "Das ist kein riesiges Wunder. Das hat sich angebahnt." Die lange Unterzahl nach Boatengs Platzverweis, dem zweitschnellsten für einen Bayern-Spieler in der Bundesliga-Historie, ließ Neuer nicht als Entschuldigung für den desolaten Auftritt gelten: "Das hat es natürlich nicht leichter gemacht. Dennoch darfst du keine fünf Dinger bekommen. Wir sind nicht konsequent in der Verteidigung." Ob er die Schuld dafür eher bei seinen Teamkollegen oder bei der Taktik seines Trainers sah, blieb offen.

"Enttäuscht und traurig in den Bus"

Vor dem Champions-League-Spiel gegen Piräus und der wegweisenden Liga-Partie gegen Rivale Borussia Dortmund, bei der Boateng nach Platzverweis gesperrt fehlen wird, fiel der Rekordmeister nicht nur vier Punkte hinter Tabellenführer Gladbach zurück, sondern wurde von den Rivalen aus Leipzig und Dortmund auch in der Tabelle überholt.

Vor 51.500 Zuschauern hatten Filip Kostic (25.), Djibril Sow (33.), David Abraham (49.), Martin Hinteregger (61.) und Goncalo Paciencia (85.) den Bayern ein selten gesehenes Debakel beschert, das auch Kovac nicht schönredete. Sein Team um die Jubilare Thomas Müller (500. Pflichtspiel für den FC Bayern) und 14-Saisontore-Lewandowski (300. Bundesliga-Spiel) wurde in Frankfurt vorgeführt wie nur selten in einem nationalen Wettbewerb.

"Ich gehe enttäuscht und traurig in den Bus", sagte der von der Pleite schwer gezeichnete Trainer. Ob Kovac die bevorstehende Woche bestreiten darf, blieb an einem denkwürdigen Bundesliga-Samstag offen. "Das weiß ich nicht, das wissen Sie wahrscheinlich besser", sagte der Kroate in einem ZDF-Interview und fügte bissig an: "Wie soll ich das nach dem Spiel wissen?" Die, die es vielleicht auch noch nicht wissen, aber letztlich entscheiden müssen, sagten diesmal lieber gar nichts, nachdem Sportdirektor Hasan Salihamidzic nach der Fast-Pokalblamage in Bochum mit bizarren Aussagen für Aufsehen gesorgt hatte.

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"Alles über den Haufen geworfen": So kommentierte Kovac die Rote Karte für Jérôme Boateng in der 9. Minute.

(Foto: dpa)

Sicher ist: Für Kovac wird es richtig eng. Schon vor dem denkwürdigen 1:5 war der Coach wegen einer unsouveränen Spielweise immer stärker in die Kritik geraten, in Frankfurt half auch das 14. Saisontor von Robert Lewandowski (37.) nach wunderbarer Einzelleistung nicht weiter. "Nach der Roten Karte war alles über den Haufen geworfen. Dennoch darf uns das am Ende nicht passieren. Es war heute nicht das, was wir von uns erwarten. Wir haben zu viele Fehler gemacht", sagte Kovac.

Mitleid vom Gegner

Nach dem Spiel hatten nicht nur die aufgebrachten Bayern-Fans Redebedarf, mit denen Thomas Müller und David Alaba am Zaun diskutierten. Auch Lewandowski tauschte sich angeregt mit Neuer und Serge Gnabry aus, wie ihr Trainer wirkten aber auch die Stars ratlos.

Die Gefühlswelten hätten in der ausverkauften Eintracht-Arena nicht weiter auseinanderliegen können. Während die Bayern litten, feierten die Frankfurter einen Fußball-Feiertag. "5:1 gewinnt man nicht jeden Tag, das ist nicht alltäglich", sagte Trainer Adi Hütter, der vergangenen Sommer am Main auf Kovac folgte. Über seinen Kollegen, der sich im Gegensatz zu seinen Bossen und den bedienten Profis allen Mikrofonen stellte, sagte der Österreicher: "Ich habe Mitgefühl mit Niko Kovac. Er ist ein hervorragender Trainer." Wie lange er noch Bayern-Trainer bleibt, müssen die nächsten Tage zeigen.

Quelle: n-tv.de, cwo/sid/dpa