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Boateng-Blitzrot in Frankfurt FC Bayern kassiert denkwürdige Klatsche

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Fünfmal schlug es in Frankfurt im Kasten von Bayern-Keeper Manuel Neuer ein.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Die Krise beim FC Bayern spitzt sich zu, Trainer Niko Kovac wackelt immer stärker. Am 10. Bundesliga-Spieltag kassieren die Münchner bei Eintracht Frankfurt fünf Gegentore und die höchste Ligapleite seit 2009 - auch, weil Jérôme Boateng nach nicht einmal zehn Minuten vom Platz fliegt. Die lange Überzahl nutzt Frankfurt brutal cool.

Eine folgenschwere Notbremse von Jérôme Boateng hat die Herbstkrise von Bayern München und Trainer Niko Kovac dramatisch verschärft. Nach 80-minütiger Unterzahl ging der chancenlose deutsche Fußball-Rekordmeister am 10. Spieltag bei Eintracht Frankfurt mit 1:5 (1:2) unter - für Kovac wird die Luft nach der höchsten Bayern-Niederlage in der Liga seit über zehn Jahren immer dünner.

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Für Jérôme Boateng war die Partie in Frankfurt bereits in der 9. Minute gelaufen. Für seinen FC Bayern auch.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Eine Schlüsselszene vor 51.500 Zuschauern spielte sich bereits in der 9. Minute ab. Vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw wusste sich Innenverteidiger Boateng gegen Frankfurts Goncalo Paciencia nur mit einem Foul zu helfen. Nach Ansicht der Videobilder korrigierte Schiedsrichter Markus Schmidt seine Elfmeterentscheidung, da das Foul knapp vor dem Strafraum stattgefunden hatte. Dafür zeigte er Boateng statt Gelb die Rote Karte wegen einer Notbremse. In der kommenden Woche fehlen dem indisponierten Meister gegen Borussia Dortmund mit Boateng und den verletzten Niklas Süle sowie Lucas Hernandez damit drei Innenverteidiger.

E. Frankfurt - FC Bayern 5:1 (2:1)

Tore: 1:0 Kostic (25.), 2:0 Sow (33.), 2:1 Lewandowski (37.), 3:1 Abraham (49.), 4:1 Hinteregger (61.), 5:1 Paciencia (85.)

Rote Karte: Boateng nach einer Notbremse (9., nach Videobeweis)

Frankfurt: Rönnow - Abraham, Hinteregger, Ndicka - Fernandes (80. Silva) - da Costa, Sow, Rode (71. Gacinovic), Kostic - Dost (64. Kamada), Paciencia. - Trainer: Hütter
München: Neuer - Pavard, Boateng, Alaba, Davies - Kimmich, Thiago - Thomas Müller (64. Martinez), Coutinho (57. Coman), Gnabry (69. Goretzka) - Lewandowski. - Trainer: Kovac

Referee: Schmidt | b 51.500
Ballbesitz: 42:58 %
Zweikämpfe: 79:92

Ihre lange Überzahl nutzten die Gastgeber eiskalt aus. Flügelspieler Filip Kostic (25.) erzielte die Führung, Djibril Sow (33.) erhöhte kurz danach. Dank des 14. Saisontreffers von "Lebensversicherung" Robert Lewandowski schöpften die Münchner kurzzeitig wieder Mut. Nach der Pause beseitigte Kapitän David Abraham (49.) die letzten Zweifel am ersten Frankfurter Ligasieg gegen die Bayern seit neun Jahren. "Einer geht noch, einer geht noch rein", höhnten die Eintracht-Fans danach lautstark. Es gingen sogar noch zwei: Martin Hinteregger (61.) vollendete nach einer Ecke, Paciencia erhöhte zum 5:1-Endstand und sorgte für "Zieht den Bayern die Lederhosen aus"-Gesänge.

In der Bundesliga-Tabelle rutschten die Münchner durch das Debakel auf Rang vier ab und liegt nun vier Zähler hinter dem Ersten Borussia Mönchengladbach, der mit 2:1 in Leverkusen gewann. Auch der Borussia Dortmund (3:0 gegen den VfL Wolfsburg) und RB Leipzig (8:0 gegen den FSV Mainz) zogen an den Münchnern vorbei, hier geht es zur Zusammenfassung dieser Spiele.

Müller erlebt Blamage in der Startelf

In Frankfurt hatte Kovac seine Mannschaft nach dürftigen Vorstellungen in den vergangenen Wochen, insbesondere bei der Beinahe-Blamage im Pokal beim Zweitligisten VfL Bochum (2:1), in die Pflicht genommen. "Mehr Leidenschaft" erwartete der Kroate vor allem in den Zweikämpfen - eine Vorgabe, die in Unterzahl noch wichtiger erschien. Dabei wollten die Münchner endlich auch wieder spielerisch glänzen.

Kovac hatte dafür extra taktische Änderungen vorgenommen und neues Personal gebracht. Im Vergleich zum Pokalspiel wechselte der in der Kritik stehende Coach auf vier Positionen, unter anderem kehrten Thomas Müller für sein 500. Pflichtspiel, Philippe Coutinho und Lewandowski in die Startelf zurück. Die erste Chance nach 87 Sekunden besaß allerdings Serge Gnabry, einer der wenigen zuverlässigen Stützen im Team der Bayern.

Nach dem zweitschnellsten Platzverweis für einen Bayern-Spieler in der Bundesliga mussten die Gäste vornehmlich Defensivarbeit leisten, die Frankfurter trauten sich in Überzahl noch mehr zu. Erst die geniale Körpertäuschung von Lewandowski und der anschließende Treffer weckte die Bayern scheinbar aus ihrer Schockstarre. Die Münchner kamen auch mit Elan aus der Pause, erhielten aber direkt die kalte Dusche durch Abraham. Kovac reagierte und nahm den unauffälligen Coutinho vom Platz, Kingsley Coman sollte das Offensivspiel beleben. Stattdessen spielten sich die Frankfurter in einen Rausch.

Quelle: n-tv.de, cwo/sid

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