Fußball

Thiago mit brillantem Reds-Debüt Gegen Klopp überlistet Chelsea sich selbst

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Der Trainer und sein Mann des Spiels: Sadio Mané trifft für Liverpool doppelt.

(Foto: Pool via REUTERS)

Der FC Chelsea hat kräftig aufgerüstet, unter anderem mit zwei Deutschen. Doch im ersten Spitzenspiel der Saison wehrt Meister Liverpool den Angriff erfolgreich ab. Während Thiago bei seinem Debüt einen Rekord aufstellt, tun sich die neuen Chelsea-Stars noch schwer.

Es war viel um die Zugänge aus der Fußball-Bundesliga gegangen vor diesem ersten Spitzenspiel der Premier-League-Saison, um Timo Werner und Kai Havertz, die teuren Anschaffungen des FC Chelsea aus Leipzig und Leverkusen, und um Thiago Alcantara, der frisch vom FC Bayern zum FC Liverpool übergesiedelt ist. Es war dann tatsächlich auch ein ehemals in Deutschland angestellter Profi, der dem Duell an der Stamford Bridge die entscheidende Wende gab, doch es handelte sich dabei um keinen der Genannten, und es ist zu bezweifeln, dass dieser Spieler stolz ist auf seinen Beitrag zum Verlauf der Veranstaltung.

Kurz vor der Pause schlug Liverpools Kapitän Jordan Henderson einen kunstvollen langen Pass auf Sadio Mané. Chelseas Innenverteidiger Andreas Christensen, von 2015 bis 2017 an Borussia Mönchengladbach ausgeliehen, kreuzte den Laufweg des Angreifers und riss ihn zu Boden. Schiedsrichter Paul Tierney wertete das Eingreifen als Notbremse und zeigte Christensen die Rote Karte. Fortan konnte Chelsea dem Druck des Meisters nicht mehr standhalten. Liverpool kam in Überzahl in der zweiten Hälfte zu zwei Toren durch Mané (50. und 54. Minute) und wehrte mit dem verdienten 2:0-Erfolg den ersten Angriff des FC Chelsea ab.

"Leistung war ein Statement"

Die Blues haben vor dieser Saison aufgerüstet wie kein anderes Team in England, für mehr als 220 Millionen Euro kam neues Personal. Ziel ist es, wieder um die Meisterschaft mitzuspielen, doch die Partie in der Londoner Abendsonne bestätigte die herrschenden Verhältnisse an der Spitze des englischen Fußballs. Liverpool bleibt vorerst unantastbar. "Diese Leistung war ein Statement. Jeder hat gesehen: Ah, deshalb sind sie die Champions", urteilte TV-Fachmann und Reds-Ultra Jamie Carragher. Und Trainer Jürgen Klopp stellte zufrieden fest: "Mir hat unser Spiel sehr gefallen. Wir haben Ball und Gegner laufen lassen und zwei schöne Tore geschossen."

Nachdem der Meister-Motor noch gestottert hatte beim 4:3 zum Premier-League-Auftakt gegen Aufsteiger Leeds United, kam Liverpool an der Stamford Bridge nie wirklich in Bedrängnis. Überragender Mann war Doppeltorschütze Mané, doch auch andere Spieler leuchteten. Der zum Innenverteidiger umfunktionierte Fabinho erwies sich als Fels, an dem Timo Werner in seinem ersten Chelsea-Heimspiel immer wieder abprallte. Der nach der Pause für den angeschlagenen Henderson eingewechselte Thiago zeigte bei seinem Debüt, dass er das Spiel der Reds um eine kreative Komponente erweitern kann. Der Daten-Dienstleister Opta zählte, dass er in 45 Minuten mehr Pässe spielte als jeder Chelsea-Spieler über die volle Spielzeit. Seine 75 Zuspiele sind außerdem Premier-League-Höchstwert für einen Profi, der nur eine Hälfte mitwirkte.

Defensiv war der Einstand des Ex-Münchners allerdings "tricky", wie Klopp es formulierte. Eine Viertelstunde vor Schluss brachte Thiago im Strafraum Werner zu Fall, doch Jorginho scheiterte mit dem daraus resultierenden Strafstoß an Liverpool-Torwart Alisson. Dessen Gegenüber hat im Moment wenig Freude an seinem Beruf. Kepa Arrizabalaga, mit einer Ablösesumme von knapp 80 Millionen Euro bekanntlich teuerster Schlussmann der Welt, patzte schwer, als er sich von Mané vor dessen zweitem Treffer den Ball klauen ließ. Nach einer Reihe von Missgeschicken und seiner zwischenzeitlichen Degradierung am Ende der vergangenen Saison dürfte der unglückliche Spanier keine Zukunft bei den Londonern haben. Als Ersatz ist Édouard Mendy von Stade Rennes im Anflug.

DFB-Stars mit Lichtblicken

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Werner gegen Thiago - und das in England.

(Foto: dpa)

Ein Abwehrfehler und ein Aussetzer des Torwarts - es waren bekannte Schwächen, mit denen sich Chelsea gegen Liverpool selbst ins Verderben stürzte. Trainer Frank Lampard, der in dieser Saison unter erhöhtem Druck steht angesichts der teuren Transfers, blieb nichts anderes übrig, als um Geduld zu bitten: "Jede erfolgreiche Mannschaft hatte Zeit. Auch bei uns wird es ein bisschen dauern." Stellvertretend dafür stehen die beiden deutschen Zugänge der Blues.

Havertz machte als hängende Spitze wie schon bei seinem Debüt beim 3:1 gegen Brighton ein schwaches Spiel und wurde zur Halbzeit ausgewechselt. Nach Christensens Platzverweis opferte Lampard den Ex-Leverkusener für einen zusätzlichen Verteidiger. Stoßstürmer Werner rieb sich auf und hatte vielversprechende Ansätze, machte aber die Erkenntnis, wie schwer die Umstellung von der Bundesliga auf die Premier League ist. Immerhin holte er im zweiten Spiel den zweiten Elfmeter heraus. Es waren kleine Lichtblicke, mit denen sich Herausforderer Chelsea gegen Meister Liverpool begnügen musste.

Quelle: ntv.de