Fußball

Uefa zwang zum Risikokick Gerupfte U21 hält den Ärger vom Platz fern

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Niklas Dorsch (am Ball) und Rekord-Debütant Florian Wirtz gehörten zum erfolgreichen deutschen Minikader, der gegen Moldau ranmusste.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die deutsche U21-Nationalmannschaft gewinnt ihr EM-Qualifikations-Spiel in Moldau locker. Es ist eine Pflichtaufgabe im doppelten Sinne. Die Mannschaft reist coronageplagt mit einem Rumpfkader an, weil die Uefa es so will. Andernfalls wäre die EM wohl futsch gewesen.

Deutschlands U21-Fußballer haben unbeeindruckt vom Corona-Wirbel um die Mannschaft mit einem klaren Auswärtssieg einen wichtigen Schritt auf dem Weg zum angestrebten EM-Ticket gemacht. Die Auswahl von Trainer Stefan Kuntz setzte sich am Freitag dank einer konzentrierten Leistung verdient mit 5:0 (3:0) in Moldau durch und sammelte wichtige Quali-Punkte. Doppeltorschütze Lukas Nmecha vom RSC Anderlecht traf nach einem krassen Torwartfehler (18. Minute) und per Foulelfmeter (25.), den er selbst herausgeholt hatte. Der Kölner Salih Özcan (42.), der Mainzer Jonathan Burkardt (67.) und U21-Debütant Dominik Kother (90.+2) erhöhten.

Ein positiver Corona-Test bei einem Spieler hatte die Vorbereitung der deutschen Auswahl gehörig durcheinander gewirbelt. Erst am Freitag stand überhaupt fest, dass das Team nach Moldau fliegen und antreten kann. Allerdings musste Kuntz in dem wichtigen Duell mit einem Kader von nur 17 Spielern auskommen und bot eine Startelf mit zwei Debütanten und einigen U21-Rückkehrern auf. Dennoch hatte die Mannschaft um den 17 Jahre alten Debütanten Florian Wirtz, der sich den Rekord als jüngster U21-Nationalspieler sicherte, viele gute Szenen und verdiente sich den Erfolg gegen einen schwachen Gegner mit einer konzentrierten Leistung. "Diese Leistung war nicht zu erwarten, das ist nicht selbstverständlich", sagte Kuntz. "Das Engagement und die Einsatzbereitschaft, das war heute überragend."

Nach einer nervösen Anfangsphase mit einigen Wacklern agierte die DFB-Elf dominanter und überzeugte vor allem in der überlegen geführten ersten Hälfte. In der Gruppe neun übernahm die deutsche Auswahl damit zunächst die Tabellenführung von Belgien, das später am Abend noch gegen Wales antreten musste. Nach zwei Niederlagen gegen Belgien muss die DFB-Elf um ihr EM-Ticket kämpfen, am Dienstag steht gegen Bosnien-Herzegowina in Fürth die nächste wichtige Partie an. Die neun Gruppensieger und die fünf besten Zweiten lösen das Ticket für das Turnier 2021.

"Wir mussten von der Uefa aus das Spiel austragen"

Die Gäste profitierten in Chisinau immer wieder auch von technischen Fehlern der Moldauer, die auf dem letzten Platz der Gruppe liegen. Doch auch die deutsche Offensive um Doppeltorschütze Nmecha überzeugte gegen einen überforderten Gegner. Ein erstes Tor des Ex-Wolfsburgers zählte nicht (11.), dann ebnete der Stürmer mit seinen U21-Treffern Nummer fünf und sechs früh den Weg zum Sieg. Obwohl die Kuntz-Elf nach der Pause einen Gang zurückschaltete, hätte der Sieg durchaus noch höher ausfallen können. Lediglich der kurz zuvor eingewechselte Burkardt nach schönem Zusammenspiel mit Özcan und U21-Debütant Kother nutzten zwei der zahlreichen Gelegenheiten für weitere Treffer.

Vor dem Spiel hatte Kuntz im TV-Sender ProSieben Maxx vom nervenaufreibenden Vorbereitung auf die Partie berichtet: "Wir mussten von der Uefa her dieses Spiel austragen. Wenn wir nicht hier gewesen wären, hätte das Spiel nicht für uns gezählt und die EM-Quali wäre praktisch kaputt gewesen." Man habe daher bereits überlegt, welche Mannschaft im Falle einer Quarantäne für das komplette Team hätte antreten können, sagte Kuntz. "Wir konnten dann gestern auch kein Training durchführen, sondern die Spieler saßen in Isolation auf ihren Zimmern", berichtete er.

"Es war eine ungewöhnliche Vorbereitung, wir waren nicht wie gewohnt einen Tag vorher hier am Spielort, haben das Stadion nicht gesehen." Nach dem Bekanntwerden eines positiven Corona-Tests bei einem Spieler seien mehrere Varianten mit dem Gesundheitsamt diskutiert worden. "Es ging von der Lösung, wir können alle gar nicht fahren, über die Variante, nur der eine Spieler muss zu Hause bleiben, bis jetzt hin zu der Lösung, dass die drei Spieler, die mit Stephan Ambrosius am Tisch gesessen haben, leider auch nach Hause fahren mussten." Nun nahm die Reise wenigstens sportlich ein erfolgreiches Ende.

Quelle: ntv.de, ter/dpa