Fußball

"Das verwundert indes nicht" Grindel mischt wieder im DFB-Chaos mit

Reinhard Grindel steht auf der Tribüne eines EM-Qualifikationsspiel.

Reinhard Grindel hat auch noch etwas zum DFB-Chaos beizutragen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die kurze Amtszeit von Reinhard Grindel als Präsident gehört nicht zu den stolzesten Kapiteln der DFB-Geschichte. Doch statt den Verband in eine transparente Zukunft zu führen, ist unter Nachfolger Fritz Keller mindestens in der Außendarstellung alles nur noch viel schlimmer geworden.

DFB-Vizepräsident Rainer Koch hat Aussagen des früheren Verbandschefs Reinhard Grindel zurückgewiesen, nach denen er früher als bislang bekannt von möglichen Unregelmäßigkeiten rund um den späteren WM-Skandal 2006 gewusst haben soll. Koch ließ mitteilen, "dass die Aussagen von Reinhard Grindel nicht der Wahrheit entsprechen".

Grindel hatte in einem am Freitag veröffentlichten ZDF-Interview gesagt, er wisse, dass Koch vor der Veröffentlichung des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" von den Recherchen gewusst habe, davon aber "nicht das Präsidium oder zumindest den Präsidenten unterrichtet hat". Der "Spiegel" hatte erstmals im Oktober 2015 über die bis heute nicht vollständig aufgeklärten Zahlungsströme berichtet. Im Kern geht es um 6,7 Millionen Euro, die im April 2005 vom DFB über den Weltverband FIFA an den inzwischen gestorbenen Unternehmer Robert Louis-Dreyfus gingen. Das Geld wurde als Beitrag für eine Gala zur WM 2006 deklariert, die nie stattfand.

Im Jahr 2002 hatte der damalige WM-Organisationschef Franz Beckenbauer ein Darlehen von Louis-Dreyfus in gleicher Höhe erhalten, das letztendlich auf Konten des einstigen FIFA-Finanzchefs Mohamed bin Hammam verschwand. Den DFB hatten die Veröffentlichungen im Jahr 2015 in eine tiefe Krise gestürzt, der damalige DFB-Präsident Wolfgang Niersbach trat zurück. Grindel war zu dieser Zeit Schatzmeister und wurde im Folgejahr zum neuen DFB-Präsidenten gewählt. Niersbach wurde im Sommer 2016 von der FIFA-Ethikkommission für ein Jahr gesperrt, auch weil er seine Kenntnisse über die Unregelmäßigkeiten zu spät gemeldet hatte.

"Am Ende bleibt alles am DFB hängen"

Grindel sagte, weil das Präsidium nicht früher informiert worden sei, sei die Chance vertan worden, "dass wir als DFB selber aktiv vor einer Veröffentlichung den Sachverhalt hätten aufklären und entsprechende Maßnahmen von uns aus treffen können. Das hätte der Glaubwürdigkeit des DFB sicherlich sehr geholfen." Er sei "verwundert" gewesen, als Niersbach in einer Schaltkonferenz das Präsidium informierte, "dass Herr Koch seine Situation so beschrieben hat, dass er zum ersten Mal von dem ganzen Vorgang hört".

Der 59-jährige Grindel war von 2016 bis 2019 DFB-Präsident. Er trat im April 2019 zurück, nachdem er eine Uhr als Geschenk von dem ukrainischen Funktionär Grigori Surkis angenommen hatte. Aktuell tobt innerhalb des Verbands ein Streit zwischen zwei Lagern um DFB-Präsident Fritz Keller auf der einen und DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius auf der anderen Seite

Koch, der aktuell ebenfalls in der Führungskrise des Verbands gebunden ist, ließ über den Bayerischen Fußball-Verband, dessen Präsident er ist, mitteilen: "Dass Herr Grindel diese Aussagen zum jetzigen Zeitpunkt trifft und ganz gezielt Öffentlichkeit herstellt, verwundert indes nicht."

Neben seinen direkten Vorwürfen an Koch hatte Grindel im ZDF allgemein gesagt, dass "wenn man jemanden aus personalpolitischen Gründen fertigmachen will, dann ist es schon schlimm genug, wenn mit Indiskretionen an die Medien gegangen wird." Man müsse aber "eben immer dabei bedenken, dass am Ende ja alles am DFB hängen bleibt und dem Verband schwer Schaden zugefügt wird."

Quelle: ntv.de, ter/dpa

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