Fußball

So läuft der 25. Spieltag Guardiola fliegt, Hoeneß frohlockt

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Jürgen Klopp macht seinem Team eine klare Ansage und fordert sechs Punkte.

(Foto: imago/DeFodi)

Vor dem Traditionsduell am 25. Spieltag der Fußball-Bundesliga fliegen endlich wieder die Fetzen zwischen Bayern und Werder. BVB-Trainer Jürgen Klopp macht sich die Welt, widdewiddewie sie ihm gefällt - und in Köln sorgt ein Seitensprung für Aufregung.

Wie hoch gewinnen die Bayern?

Im Duell der Trash-Talker ist der Rekordmeister in Führung gegangen. Werder-Sportdirektor Thomas Eichin beschwerte sich Anfang der Woche ausführlich über einen angeblichen Schiri-Bonus der Bayern. Das ließ Matthias Sammer natürlich nicht auf sich sitzen: "Der hat beim Eishockey zwischendurch mal einen Puck an den Kopf bekommen, und das sind die Spätfolgen", sagte der Sportvorstand nach dem 7:0 in der Champions-League gegen Donezk - und wirkte dabei so dermaßen arrogant und selbstgefällig, dass Uli Hoeneß entzückt eine Mail an seinen alten Kumpel Willi Lemke schickte: "Na du rote Socke? Fragst du dich immer noch, warum ich den Ossi geholt habe? #AbteilungAttacke".

Mit Hoeneß freute sich schon die ganze Liga über die Rückkehr des Hassduells Fischköppe gegen Bayern, auf ein Kopf-an-Kopf-Duell wie damals zwischen Ulrich H. und Klaus A. - doch dann zog Thomas Eichin zurück: "Ich habe tatsächlich schon mal den Puck an den Kopf bekommen. Der Doc sagt, es können tatsächlich Folgeschäden entstehen." Aha. Weitere Angriffe? Fehlanzeige. Wenn Werders Spieler am Wochenende genauso halbherzig in die Zweikämpfe gehen, wird das Spiel ungefähr so spannend wie die Reha-Einheit der Bayern gegen Donezk. Wenigstens Coach Viktor Skripnik will das verhindern und im eigenen Stadion auch die Initiative übernehmen: "Wenn du nur reagierst gegen die Bayern, hast du schon verloren. Die Marschrichtung ist wie zuletzt: Die Fans sollen eine Werder-Elf mit vollem Herzen erleben." Aus neutraler Sicht absolut lobenswert, aus professioneller Sicht leicht waghalsig. Bevor Skripnik einen Zinnbauer baut, nur mal so zur Erinnerung die Ergebnisse der letzten vier Spiele gegen die Bayern aus Sicht von Werder: 0:6, 2:5, 0:7, 1:6. Nicht dass am Ende einer sagt, wir hätten nicht gewarnt.

Wie läuft die Dortmunder Aufholjagd?

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Anthony Ujah gratulierte Geißbock Hennes VIII. nach dieser unsanften Begegnung höchstpersönlich zum Geburtstag.

(Foto: imago/Thilo Schmülgen)

Genialer Schachzug, Jürgen Klopp! Zehn Punkte sind es noch bis zu Bayer Leverkusen auf Rang vier, bei nur noch zehn ausstehenden Spielen - also ruft der BVB-Trainer einfach ein Sechs-Punkte-Spiel aus. Der Gegner aus Köln sei nämlich "ein direkter Konkurrent". Man wüsste nur gern, um was genau die Vereine konkurrieren. Um die Europapokalplätze sicher nicht, so wenig Realitätssinn besitzen nicht einmal FC-Fans. Die Kölner waren nach dem 4:2-Befreiungsschlag gegen Frankfurt einfach nur froh, sich in Ruhe angenehmen Dingen widmen zu dürfen: dem Geburtstag von Hennes VIII. zum Beispiel. Der Geißbock musste sich ja am Wochenende von Anthony Ujah unsanft an den Hörnern packen lassen, was dem FC eine Rüge der Tierrechtler von Peta einbrockte. Eine völlig unnötige natürlich, denn der FC liebt Hennes und Ujah brachte dem Maskottchen zum Geburtstag ein neues Trikot in den Zoo. Eine schöne Geschichte, wäre am Rande des Besuchs nicht ein pikantes Detail bekannt geworden: Hennes Lebensgefährtin Anneliese ist schwanger. Klingt wunderbar, aber, nunja … Hennes ist kastriert.

Bei solch schockierenden Nachrichten fällt es schwer, wieder über Fußball zu sprechen – aber es steht ja nun einmal dieses Sechs-Punkte-Spiel an. Trainer Peter Stöger muss Abwehrchef Kevin Wimmer wegen einer Rotsperre zu Hause lassen, will aber die "positiven Erinnerungen" an den Heimerfolg gegen den BVB aus der Hinrunde mitnehmen. Jürgen Klopp, wenig überraschend, gibt folgende Marschroute an sein Team aus: "Wir müssen das krasse Gegenteil von damals machen." Also gewinnen. Und sechs Punkte einheimsen.

Was passiert sonst noch?

Eben noch den Champions-League-Sieger von 2010 aus Mailand verputzt, jetzt den Tabellen-17. SC Freiburg zu Gast: Schon in der Vorwoche, beim 0:1 gegen Augsburg, war dem VfL Wolfsburg in der Liga die Belastung durch DFB- und Europapokal anzumerken. Ein guter Augenblick also für den Sportclub, einen oder drei Punkte aus Niedersachsen zu entführen? Dafür müssten sie bloß mal ein paar Tore schießen. Die Defensive agiert mit 33 Gegentoren auf Erstliga-Niveau, nur die Stürmer machen ihren Job nicht - erst 24 Tore markieren den drittschlechtesten Wert der Liga. "Wir haben einfach nicht die allerletzte Durchschlagskraft", sagt Christian Streich. Personifiziert wird die Misere durch Marc-Oliver Kempf und Stürmer Admir Mehmedi. 12 Treffer hatte der Schweizer vergangene Saison erzielt, bis jetzt hat er nur ein Tor auf dem Konto. Immerhin, seinen vorletzten Treffer erzielte er gegen - Wolfsburg.

Apropos Tore: 93 fielen bislang in den Spielen von Eintracht Frankfurt, das ist Ligaspitze. Der Aufsteiger aus Paderborn kommt mit der fragwürdigen Empfehlung von drei Niederlagen in Folge bei 0:11 Toren. Ob Alex Meier seine Führung in der Torschützenliste ausbauen kann, jetzt wo Arjen Robben den Bayern verletzt fehlt? Paderborns Trainer André Breitenreiter will das verhindern: "Meier ist gefühlt 2,35 Meter groß, da brauchen wir entsprechende Gegenwaffen", sagte er. In Kopfballduellen sollen seine Verteidiger zur Not "gegen ihn springen". Aber Achtung, Herr Breitenreiter: Meier schießt auch Elfmeter ganz passabel.

Wo wird’s brisant?

What a difference a week makes: Noch vor wenigen Tagen hätte man uns mit Freibier und Gratiseintritt ins Berliner Olympiastadion locken müssen, damit wir uns allen Ernstes die Hertha gegen Schalke 04 anschauen. Wir hätten trotzdem verzichtet, zugunsten eines Zahnarzttermins. Aber jetzt gibt sich plötzlich das heißeste Team Europas die Ehre in der Hauptstadt. Die Mannschaft, die Titelverteidiger Real Madrid in einem irrwitzigen Champions-League-Fight fast gestürzt hätte - mit einer Aufstellung, die in Fußball-Hipster-Kreisen gieriger besprochen wird als die Swimsuit Issue in der 8a: Max Meyer, Leroy Sané und Leon Goretzka lassen auf eine große Zukunft für Schalke hoffen. Im Hier und Jetzt beleben sie die Champions-League-Hoffnungen der Knappen, die nur einen Punkt hinter Platz vier liegen. Und wer wollte nach Dienstag nicht mehr von Königsblau in der Königsklasse?

Für welchen Trainer wird’s eng?

Traditionsgemäß wird es gegen Ende der Saison in dieser Rubrik eng. Seit Wochen ein Stammgast: Huub Stevens. Der Stuttgarter Trainer versuchte es angeblich unter der Woche mit Kumpel-Methoden: "Wir haben wenig Spaß in den Spielen, da versuchen wir das den Jungs im Training zu geben", sagte der Holländer. Was Stevens wohl unter Spaß versteht? Kleinen Kindern auf Autogrammjagd den Lutscher klauen? Trainingskiebitzen die Brille kaputt schießen? Journalisten anblaffen? Jedenfalls wartet am Freitag eine schwere Aufgabe in Leverkusen. Das Team von Roger Schmidt hat zuletzt vier Pflichtspiele in Folge zu null gewonnen, der VfB hat in sieben Bundesliga-Rückrundenspielen nur vier Tore erzielt. Das wird bestimmt ein Spaß.

Das denkt sich auch Markus Gisdol - nicht. Er wetterte vor dem Duell mit dem HSV vorsorglich gegen die harte Gangart des Gegners. Hamburgs Valon Behrami hat spätestens nach seinem Streetfighter-Auftritt gegen den BVB seinen schlechten Ruf weg. Nur ist diese Härte der letzte verbleibende Trumpf der Hanseaten und damit auch für Trainer Joe Zinnbauer: Spielerisch läuft wenig bis nichts, die schmerzlich vermissten Lewis Holtby und Pierre-Michel Lasogga werden wohl auch gegen Hoffenheim fehlen. Wenn das Gastspiel verloren geht, wackelt der Trainerstuhl bedenklich. Das gilt auch für den Coach des "kleinen" HSV: Tayfun Korkut hat den Bonus, dass sein Team gegen die Bayern ein gutes Spiel gemacht hat und der Verein neben den Querelen mit den Fans nicht noch mehr Unruhe braucht - bei einer Niederlage in Mönchengladbach könnte der aber schon aufgebraucht sein.  

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Vielleicht läuft's gegen uns ja ganz anders und es kommt ein Schiri, der sich vornimmt: Jetzt schmeiße ich einen Bayern vom Platz, schicke Guardiola und Sammer auf die Tribüne und schenke Werder drei Elfmeter. Gerne!" Könnte passieren, Viktor Skripnik – der Referee müsste halt nur Torsten Frings heißen.

Quelle: ntv.de