Fußball

Vidals Schwalbe, Manu der Libero Guardiolas Bayern halten mühsam Kurs

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Hat anscheinend einen sehr beweglichen Arm: Thomas Müller feiert seinen Treffer zum 1:0.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der große Fußball ist es nicht, den der FC Bayern gegen den SV Werder zeigt. Aber die Elf von Trainer Guardiola steht im Pokalfinale. Manuel Neuer sorgt für Schnappatmung und Arturo Vidal fliegt, wie er frecher nicht fliegen könnte.

Sie hatten sich redlich bemüht. Josep Guardiola hatte gewarnt: "Ich bin mir sicher, Werder Bremen kann bei Bayern München gewinnen." Der Trainer hatte den Gegner gelobt, besonders Claudio Pizarro, den besten aller 37 Jahre alten Angreifer auf diesem Planeten: "Im Strafraum ist er Wahnsinn!" Und auch Kapitän Philipp Lahm hatte die Seinen ermahnt, besser zu spielen als zuletzt beim müden Sieg in der Liga gegen den FC Schalke 04. Und, hat's gefruchtet? Ein wenig. Mit 2:0 (1:0) hat der FC Bayern am Dienstagabend die Bremer im Halbfinale des DFB-Pokals besiegt und darf sich nun auf das Endspiel am 21. Mai freuen. "Dieses schöne Finale in Berlin", wie Guardiola hinterher sagte - und ein wenig zögerlich vorgab, mit der Vorstellung seiner Eleven zufrieden zu sein. "Wir wussten, dass wir gegen eine mutige Mannschaft spielen. Bremen hat das heute gut gemacht."

FC Bayern München - SV Werder Bremen 2:0 (1:0)

Tore: 1:0 Müller (30.), 2:0 Müller (71., Foulefmeter)
München: Neuer - Lahm, Martinez, Alaba, Bernat (58. Benatia) - Alonso - Coman (67. Vidal), Thomas Müller, Götze (60. Thiago), Ribéry - Lewandowski
Bremen: Wiedwald - Gebre Selassie, Vestergaard, Djilobodji, Sternberg - Fritz (83. Kleinheisler), Grillitsch - Yatabare (74. Öztunali), Junuzovic, Bartels - Pizarro (73. Ujah)
Schiedsrichter: Tobias Stieler
Zuschauer: 75.000 (ausverkauft)

Der Gegner des FC Bayern wird am diesem Mittwoch ermittelt, wenn im Olympiastadion, dem Ort des Pokalfinales, die Hertha (ab 20:30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) gegen die Borussia aus Dortmund spielt. Und die Bremer? Waren mitnichten so chancenlos, wie viele gedacht hatten. Aber verloren haben sie dennoch, trotz aller Leidenschaft und obwohl Pizarro rannte und kämpfte wie stets - wie das so ist, wenn der Primus gegen den Tabellensechzehnten der Fußball-Bundesliga spielt. Thomas Müller erzielte nach einer halben Stunde die Führung und legte nach 71 Minuten nach, indem er zur endgültigen Entscheidung einen Strafstoß nutzte, der das Prädikat "geschenkt" verdient hatte.

Das hatte auch Guardiola so gesehen: "Der Elfmeter war kein Elfmeter. Es tut mir leid für Viktor." Sein Bremer Kollege Skripnik wollte sich aber nicht lange mit dieser Szene aufhalten, als der kurz zuvor eingewechselte Arturo Vidal im Strafraum abhob, obwohl ihn Werders Linksverteidiger Janek Sternberg nicht einmal berührt hatte - und damit den Unparteiischen Tobias Stieler täuschte. "Dem Schiedsrichter mache ich keine Vorwürfe, das bringt nichts." Skripnik lobte lieber sein Team, das schon am Freitag beim Hamburger SV antritt und mithin flugs zurückkehrt in den mühseligen Abstiegskampf. "Mit so einer mutigen Einstellung müssen wir keine Angst vor den restlichen vier Spielen in der Bundesliga haben. Wir können ein bisschen stolz auf unseren Auftritt sein." Prompt sprach ihm ein zugeneigter Guardiola Mut zu: "Großes Kompliment an Viktor und seine Mannschaft. Ich hoffe, dass alles gut wird."

Das waghalsige Ziel bleibt erreichbar

Für die Münchner war es letztlich so, wie es Doppeltorschütze Müller sagte: "Wir haben schon bessere Spiele gemacht, klar." Letztlich haben die Bayern aber gezeigt, so arg sie sich auch mühen mussten, dass sie es ernst meinen mit ihrem waghalsigen Ziel, in dieser Saison, der dritten und letzten mit Trainer Guardiola, als einzige Mannschaft Europas drei Titel zu gewinnen. Sie haben, das kann ihnen niemand ansprechen, dieses Pokalhalbfinale nicht nur als mehr oder weniger lästige Aufgabe gesehen, bevor sie am Samstag im Ligaspiel in Berlin die vierte deutsche Meisterschaft in Folge einfahren können - falls der BVB in Stuttgart patzt; und bevor es dann in der Champions League am Mittwoch nächster Woche zum Hinspiel der Vorschlussrunde nach Madrid zu Atlético geht. An wichtigen Terminen mangelt es den Münchnern fürwahr nicht. Ob sie für den finalen Erfolg gerüstet sind, wird sich zeigen.

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Klagt über eine sehr schmerzhafte Schwalbe: Arturo Vidal

(Foto: picture alliance / dpa)

In Madrid werden sie ob dieses Halbfinalauftritts jedenfalls nicht in Ehrfurcht erstarren. Dafür geht den Bayern zurzeit zu sehr die Leichtigkeit und mithin der spielerische Glanz ab. In erster Linie geht es ihnen aber darum, die Spannung hochzuhalten. Das ist ihnen gelungen, auch wenn der SV Werder, Pizarro eingeschlossen, vor 75.000 Zuschauern im Stadion zu Fröttmaning kein Maßstab dafür war, was die Bayern noch erwartet. Aber national gilt das für kaum eine Mannschaft, den BVB mal ausgenommen. Letztlich kam es so, wie es kommen musste - und wie Kapitän Philipp Lahm es prophezeit hatte: "Wir sind gut drauf und haben keine Sorgen." Hinterher konstatierte er: "Wer herkommt, und denkt, die schießen wir einfach ab, der hat sich getäuscht. Das war ein Halbfinale."

Den Anfang auf dem Weg in die temporäre Münchner Sorglosigkeit machte Thomas Müller nach einer halben Stunde, in der die Bremer die Sache couragiert und zweikampfstark angegangen waren, auch wenn die Bayern immer mehr den Druck erhöhten. Und dann schlug Xabi Alonso von rechts eine Ecke nach innen, Werders Kapitän Clemens Fritz rutschte aus und verfehlte den Ball, den Müller aus neun Metern am machtlosen Felix Wiedewald vorbei per Kopfballaufsetzer zum 1:0 ins Tor beförderte. Für die Freunde der gepflegten Statistik: Es war Müllers 150. Treffer für den FC Bayern im 347. Spiel. Aber das nur am Rande. Denn vier Minuten später wäre ihm beinahe sein 151. Tor gelungen - doch er verfehlte mit seinem Schuss von der Ecke des Bremer Strafraums ganz knapp das Tor.

Manu, der Libero, sorgt für Schnappatmung

Spätestens von da an drängte sich ein wenig der Eindruck auf, das Spiel sei gelaufen, auch wenn Manuel Neuer in seiner Rolle als Manu der Libero fünf Minuten vor der Pause für einen Anflug von Schnappatmung bei den Freunden des FC Bayern sorgte. Erst nahm der Torhüter einen Rückpass David Alabas außerhalb seines mit 16 Metern bemessenen Hoheitsgebiets an, dann versuchte er den Ball möglichst elegant über den heranstürmenden Sambou Yatabaré hinwegzulupfen, was ihm allerdings insofern misslang, als dass er den Bremer Innenverteidiger anschoss - und der es seinerseits mit einem Lupfer versuchte, allerdings in die andere Richtung. Doch Neuer sprintete flugs in sein Tor zurück und fing den Ball.

Doch auch nach der Pause dachten die Bremer nicht daran, sich geschlagen zu geben. Unterstützt von ihren 8000 Fans, die diesen Feiertag abseits des Kampfes gegen den Abstieg laut und fröhlich zelebrierten, suchten sie ihr Glück weiter in der dosierten Offensive - und wären nach einer guten Stunde fast belohnt worden. Fin Bartels bedrängte Alaba im Münchner Strafraum so sehr, dass der Aushilfsinnenverteidiger in seiner Not den Ball über Neuer hinweg ins eigene Tor bugsierte. Doch Schiedsrichter Stieler war nach einem kurzen Plausch mit seinem Assistenten der Meinung, Bartels habe seinen Gegenspieler etwas zu sehr geschoben und geschubst - und ließ das vermeintliche Eigentor des Jahres nicht gelten. Was Bartels einigermaßen in Ordnung fand: "Der Arm war draußen, ich habe ihn berührt."

Doch auch danach ließen die Bremer nicht locker, erhöhten gar den Druck. Da musste sich schon der kurz zuvor für Kingsley Coman eingewechselte Vidal im Strafraum von Werders Sternberg, nun ja, anpusten, damit der FC Bayern zu seinem zweiten Tor kam. Wieder war es Müller, der dieses Mal per Elfmeter traf (71.), den die Münchner der besagten zweifelhaften Entscheidung des Unparteiischen verdankten. Oder anders formuliert: Vidals Schauspiel war, das konnte jeder, der es wollte, spätestens in der Zeitlupe sehen, schlichtweg eine Frechheit. Dabei war Arjen Robben, weil verletzt, nicht einmal im Kader. Kollege Müller räumte unumwunden ein: "Es war eine Schwalbe." Und: "Da gibt es keine Entschuldigung für. Das sollte nicht sein. Wenn es einen solchen Elfmeter gegen uns gäbe, würde ich jetzt in einem anderen Ton hier reden." Eine solche Aussage ist aller Ehren wert. Und doch scheint es, als seien dem FC Bayern viele Mittel recht, um am Ende der Saison sein waghalsiges Ziel zu erreichen. Aber so ist das wohl im Profifußball.

Quelle: ntv.de