Fußball

DFB-Profi so wichtig wie nie Gündoğan ist Inkarnation von Trainer Guardiola

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Gündoğan, der Lenker des City-Spiels.

(Foto: IMAGO/Offside Sports Photography)

Im Kampf um die englische Fußball-Meisterschaft und die Champions League könnte İlkay Gündoğan eine Schlüsselrolle zukommen. Der Ex-Dortmunder ist bei Manchester City überaus wichtig. Das zeigt er auch beim Sieg im Viertelfinal-Hinspiel gegen Atlético Madrid.

Welchen Stellenwert İlkay Gündoğan bei Manchester City hat, ließ sich am besten bei seiner Auswechselung besichtigen. Es lief die 68. Minute im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen das ultradefensive Atlético Madrid, als der deutsche Nationalspieler der Platz verließ, zusammen mit Raheem Sterling und Riyad Mahrez. Trainer Pep Guardiola tauschte gleich dreifach. Das Publikum im City-Stadion stand auf und applaudierte, und Gündoğan gab die leuchtend gelbe Kapitänsbinde weiter - an Kevin De Bruyne.

Manchester City - Atlético Madrid 1:0 (0:0)

Manchester: Ederson - Ake, Laporte, Stones, Joao Cancelo - Rodri - De Bruyne, Gündogan (68. Grealish) - Mahrez (68. Foden), Sterling (68. Jesus), Bernardo Silva. - Trainer: Guardiola

Madrid: Oblak - Felipe, Savic, Mandava - Vrsaljko, Kondogbia, Lodi - Llorente (60. Cunha), Koke (60. de Paul) - Joao Felix (81. Lemar), Griezmann (60. Correa). - Trainer: Simeone

Schiedsrichter: Istvan Kovacs (Rumänien)

Tor: 1:0 De Bruyne (70.)

Der Belgier sollte zwei Minuten später das einzige Tor der Veranstaltung zum 1:0-Sieg für den englischen Meister schießen, er gilt als einer der besten Mittelfeldspieler der Welt, vielleicht als der Beste, aber in der internen Ordnung bei Manchester City steht De Bruyne hinter Gündoğan. Er darf die Kapitänsbinde erst dann übernehmen, wenn der Deutsche nicht mehr mitmacht. Gündoğan ist offiziell zwar nur zweiter Spielführer bei Manchester City hinter Fernandinho, doch weil der Brasilianer wegen seines reifen Alters von 36 Jahren kaum noch zum Einsatz kommt, geht Manchester City praktisch mit Gündoğan als Anführer in die entscheidenden Wochen der Saison.

Entscheidende Meter der Saison

Die Milliarden-Auswahl von Trainer Guardiola trägt seit Jahren den Ruf als beste Vereinsmannschaft der Welt mit sich herum, ist bisher aber immer daran gescheitert, diesen Ruf zu rechtfertigen. Dafür wäre der Gewinn der Champions League nötig, der dem Klub bisher versagt geblieben ist. Bestes Ergebnis in der Königsklasse war der Einzug ins Finale in der vergangenen Saison (0:1 gegen Chelsea). In dieser Saison, der sechsten unter Guardiola, versucht sich Manchester City erneut daran, die Königsklasse zu gewinnen. Nach dem 1:0 gegen Atlético im Viertelfinal-Hinspiel stehen die Chancen auf den Halbfinal-Einzug gut. Außerdem spitzt sich der Kampf um die englische Meisterschaft dramatisch zu. Die Partie von Tabellenführer City gegen Verfolger Liverpool am Sonntag (17.30 Uhr/Sky und im ntv.de-Liveticker) könnte darüber entscheiden, ob sich Guardiolas Mannschaft zum vierten Mal in sechs Jahren zum Titelträger in England krönt.

Für den 31-jährigen Gündoğan begannen die entscheidenden Meter der Saison mit einem Rekord. Beim mühelosen 2:0 am Wochenende beim FC Burnley schoss er sein 34. Premier-League-Tor für Manchester City. Damit krönte er sich zum besten deutschen Schützen überhaupt in der Liga, vor Mesut Özil und Jürgen Klinsmann. Während der eine Spielmacher ist und der andere Mittelstürmer war, ist Gündoğan defensiver Mittelfeldspieler, zumindest auf dem Papier, er ist also eigentlich nicht als Torjäger vorgesehen. Doch im System von Guardiola verschwimmen die Grenzen von Abwehr, Mittelfeld und Angriff. Gündoğan kommt oft weiter vorne zum Einsatz, in der vergangenen Saison war er sogar Manchester Citys bester Schütze in der Liga. Weil der Mannschaft ein klassischer Mittelstürmer fehlt nach dem Weggang von Sergio Agüero und dem erfolglosen Werben um England-Kapitän Harry Kane von Tottenham Hotspur, wird der Torjäger-Job auf das ganze Team verteilt.

Nun, im Hinspiel gegen Atlético war Gündoğan bis zu seiner Auswechselung der Aktivposten in der Offensive und hatte mehrere gute Schuss-Versuche. Auch in der Defensive verrichtete er wichtige Arbeit. Als Antoine Griezmann kurz nach der Pause eine Konterchance hatte und aus der eigenen Hälfte praktisch alleine in Richtung City-Tor rannte, verfolgte ihn Gündoğan und brachte ihn entscheidend aus dem Tritt. Wann immer etwas passierte in der ersten Stunde der Partie, war Gündoğan daran beteiligt. Trotz seiner Auswechselung vor dem 1:0 bestätigte er das Urteil der "Daily Mail", wonach der Ex-Dortmunder - genau wie De Bruyne - der perfekte Spieler für die fiebrigen Final-Wochen der Saison sei. "Was Pep Guardiola braucht, sind Pep Guardiolas auf dem Platz. Die Männer, die Spiele so managen, wie es sich ihr Boss wünscht, und die dafür keine Anweisungen von der Seitenlinie benötigen", schrieb die Zeitung nach dem Burnley-Sieg und stellte fest, dass De Bruyne und Gündoğan genau das seien - "die Verkörperung ihres Trainers".

Besondere Genugtuung

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Wie Guardiola hofft auch Gündoğan, ein Trauma zu bewältigen. Der Trainer hat 2009 und 2011 mit dem FC Barcelona die Champions League gewonnen, seitdem ist er in der Königsklasse allerdings immer gescheitert, dreimal mit dem FC Bayern, fünfmal mit Manchester City. In dieser Spielzeit will Guardiola endlich das Klischee widerlegen, dass er nur mit dem Messi-Barça Champions-League-Sieger werden kann. Gündoğan stand bisher zweimal im Finale, zweimal verlor er: 2013 mit Dortmund gegen den FC Bayern, 1:2 nach seinem Treffer zum zwischenzeitlichen Ausgleich, im vergangenen Jahr mit Manchester City gegen Chelsea. Wie für seinen Trainer wäre auch für Gündoğan der Gewinn der Champions League eine besondere Genugtuung.

Neben dem größten Vereinstitel fehlt ihm übrigens auch noch der größte Titel mit der Nationalmannschaft. Die für Deutschland siegreiche WM 2014 verpasste er wegen einer hartnäckigen Rückenverletzung. Es wurde sogar über Gündoğans Karriereende spekuliert. Dass er Jahre später zum Schlüsselspieler bei der vielleicht besten Klubmannschaft der Welt werden würde, war damals nicht zu erwarten.

Quelle: ntv.de

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