Fußball

"Können mich mal am Arsch lecken" HSV-Profi Westermann kanzelt "Idioten" ab

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Heiko Westermann ging im Spiel gegen Dortmund und danach sehr engagiert zur Sache.

(Foto: dpa)

Seit Heiko Westermann für den Hamburger SV Fußball spielt, ist er immer wieder Zielscheibe von Spott und Häme. Nach seiner starken Vorstellung beim 0:0 gegen Dortmund holt der HSV-Verteidiger nun zum verbalen Rundumschlag aus. Sein Coach zeigt Verständnis.

Erst legte HSV-Profi Heiko Westermann den Dortmunder Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang in Ketten, dann knöpfte sich der Verteidiger des Hamburger SV seine durchaus zahlreichen Kritiker mit einer kleinen Wutrede vor. "Die Kritiker und Idioten, die meinen, den Fußball erfunden zu haben, können mich mal am Arsch lecken", sagte Westermann nach dem torlosen Remis gegen Borussia Dortmund, mit dem der HSV seinen Ruf als BVB-Angstgegner festigte.

Nach seiner gelungenen Rückkehr in die HSV-Startelf nahm Westermann kein Blatt vor den Mund: "Ich war immer hier und habe meinen Arsch hingehalten und lasse mir von solchen Idioten nicht den Namen kaputtmachen." Wen er genau meinte, ob Fans, Medien, Experten, ließ Westermann offen.

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Von BVB-Coach Jürgen Klopp gab es Komplimente für Westermanns Leistung gegen seine Dortmunder.

(Foto: imago/Baering)

Gegen den BVB gehörte Westermann unstrittig zu den Besten seines Teams und gewann 71 Prozent seiner Zweikämpfe. Der Defensiv-Allrounder und Ex-Nationalspieler, der in der Hansestadt häufig für seine schwankenden Leistungen kritisiert wird, räumte gegen die mit Stars gespickte BVB-Offensive ab, was es abzuräumen gab. Zunächst verteidigte der 31-Jährige auf der linken Außenbahn, nach der Verletzung von Kapitän Johan Djourou wechselte er nach innen und bot eine starke Leistung.

"Ein richtig gutes Spiel gemacht"

"Er hat ein richtig gutes Spiel gemacht", lobte HSV-Trainer Joe Zinnbauer, der ihn zuletzt auf der Bank hatte schmoren lassen. Der Ritterschlag kam dann aber vom Gegner, genauer gesagt von Dortmunds Coach Jürgen Klopp. "Wenn er heute nicht spielt, stehen wir zweimal allein vor dem Tor. Er ist der einzige Innenverteidiger vom HSV, der die Schnelligkeit für Aubameyang hat. Er läuft ihn zweimal ab", sagte Klopp anerkennend.

Westermann, der im Jahr 2010 für eine Ablösesumme von 7,5 Millionen Euro aus Schalke kam und bislang 149 Liga-Spiele für den HSV bestritt, dürfte die Komplimente mit Wohlwollen zur Kenntnis nehmen. Sein Vertrag in der Hansestadt läuft im Sommer aus - bessere Argumente für eine Verlängerung als seine Leistung gegen die Borussia gibt es kaum.

"Heiko ist ein Vollprofi. Er lebt und tut alles für den Verein", sagte Zinnbauer, ließ sich in Sachen möglicher Vertragsverlängerung aber nicht in die Karten gucken: "Wir werden bis zur Länderspielpause warten. Dann setzen wir uns hin und werden die Zukunft des HSV besprechen." Neben Westermann laufen nach der Saison die Verträge von sechs weiteren Hamburger Profis aus.

"Er hat sich ausgekotzt"

Für Westermanns Wutrede zeigte Zinnbauer Verständnis. "Ich finde, nach gefühlten fünf Jahren ist es mal an der Zeit gewesen, dass er explodiert", sagte Zinnbauer: "Heiko hat hier jahrelang den Kopf herhalten müssen. Er hat sich ausgekotzt, das gehört dazu."

An Westermann scheiden sich an der Elbe seit jeher die Geister. Wegen des ständigen Hin und Hers zwischen Klasseleistungen wie gegen Dortmund und immer wieder auch abenteuerlichen Aussetzern ist der Ex-Nationalspieler bei vielen Fans längst zum Sinnbild der Hamburger Dauerkrise geworden. Über kaum einen Bundesliga-Profi wurde in der jüngeren Vergangenheit so viel Häme ausgeschüttet wie über ihn.

Doch es gibt auch die andere Seite. Westermanns Fürsprecher nennen den stets tapfer kämpfenden Musterprofi in Anlehnung an Superstar Cristiano Ronaldo ("CR7") liebevoll HW4, schätzen die bescheidene Art des gebürtigen Franken. Bei ihnen erlangte der Verteidiger mit der Rückennummer 4 endgültig Kultstatus, als er im vergangenen Herbst einen eigenen Rap-Song aufnahm, in dem er sich selbst auf die Schippe nahm. Seit Samstag ist die Westermann-Story beim HSV um ein weiteres skurriles Kapitel reicher.

Quelle: n-tv.de, cwo/sid

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