Fußball

So läuft der 33. Spieltag HSV lebt weiter, Bayern sagt Tschüss

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Mit Trainer Christian Titz in der Hoffnungsrunde: Der HSV träumt weiter vom Nichtabstieg.

(Foto: dpa)

Nachdem sich der 1. FC Köln im Abstiegskampf für die Gemeinschaft geopfert hat, hoffen Hamburg und Co. auf den Ligaverbleib. Und müssen dabei ausgerechnet gegen die Teams antreten, die sich in europäische Sphären wünschen.

Wie sieht's aus im Abstiegskampf?

Der 1. FC Köln hat sich geopfert und belegt einen Abstiegsrang. Diese Entscheidung steht, sie ist unwiderruflich und fix. Bei einigen Klubs dürfte das Erleichterung bedeuten - schließlich sind jetzt nur noch ein Abstiegs- sowie der Relegationsplatz zu verteilen. Das macht es für die neutralen oder nicht so neutralen Zuschauer allerdings nicht minder spannend - genug Kandidaten müssen zittern: Der Hamburger SV, der VfL Wolfsburg, der SC Freiburg sowie der FSV Mainz 05. Wobei es dem HSV immer noch mit Abstand am miesesten geht. Die Hamburger sind die einzigen, die es schon an diesem Wochenende treffen kann.

Und zwar folgendermaßen: Der Hamburger SV steigt an diesem Wochenende ab, wenn der Klub sein Gastspiel bei Eintracht Frankfurt nicht gewinnt UND der VfL Wolfsburg bei RB Leipzig siegt. Sollte Wolfsburg remisieren, wäre auch dann der Abstieg des Bundesliga-Dinos nahezu perfekt, weil Wolfsburgs Torverhältnis deutlich besser ist (-12 zu -22).

Und wie geht's aus?

Vorläufiges Aufatmen bei allen HSV-Fans: Die Hamburger gewinnen nämlich am Samstag. Warum? Weil sie bei Eintracht Frankfurt zu Gast sind. Weil die Mannschaft von Noch-Trainer Niko Kovac auf der Zielgeraden zur Europa League gerade kräftig stolpert - wie die Spiele (und Ergebnisse) seit der Bekanntgabe von Kovacs Wechsel zu den Bayern beweisen. "Wenn wir so weiterspielen, werden wir keine Punkte mehr holen", prophezeite Sportvorstand Fredi Bobic bereits. Dazu sind die Hamburger selbst zuletzt spielstark - und erfolgreich. Neun Punkte holten die Hamburger aus den vergangenen vier Spielen. Nach Grabsteinen, Grabkerzen und makabren Spruchbändern können sie auch wieder auf Unterstützung setzen: Etwa 5000 Hamburger Fans reisen mit zur Eintracht. "Wir sind froh, dass wir wieder von so vielen Fans unterstützt werden", sagt Trainer Christian Titz. Tipp: 1:2

Ungetrübt ist die Freude der Hanseaten allerdings nicht - weil der VfL Wolfsburg nämlich (mal wieder) ein Remis erzielt. Die Abstiegsangst ist in Niedersachsen zwar groß, das leidige öffentliche Ringen um Horst Heldt als Nachfolger des entlassenen Sportdirektors Olaf Rebbe stört das Team ("Hilfreich sind die nicht", so Maximilian Arnold), dazu fehlt auch noch Kapitän Paul Verhaegh wegen seiner fünften Gelben Karte. Und dann müssen wir aus dem Kurztrainingslager in der thüringischen Pampa auch noch von einem Unfall berichten - der Teambus nahm beim Wenden eine Bordsteinkante mit und trug Beulen davon. Ein Bauarbeiter unkte gegenüber der "Bild": "Wenn Wolfsburg so Fußball spielt, wie sie Bus fahren, steigen die ab …" - Aber nee, nee, schlechte Omen lassen wir nicht gelten. Oder vielmehr: Schlechtes Omen sticht schlechtes Omen! Wolfsburgs Gegner RB Leipzig nämlich bereitet sich genauso wie die Frankfurter Eintracht nochmal ordentlich Kopfzerbrechen um die internationalen Plätze. Aus den letzten vier Ligapartien holten sie nur einen Punkt, in den vergangenen fünf Heimspielen glückte ihnen lediglich ein Sieg. "Wir haben im Moment nicht die Kraft, nach Rückschlägen mental dagegenzuhalten. Da ist einfach die Luft raus", sagt Trainer Ralph Hasenhüttl. Wenn die Wolfsburger in Führung gehen, ist die Wahrscheinlichkeit also hoch, dass sie etwas Zählbares aus Sachsen mitnehmen. Passenderweise endete das Hinspiel der Wolfsburger Remiskönige gegen RB 1:1. Naheliegender Tipp: 1:1

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Nils Petersen hat Druck.

(Foto: imago/Eibner)

Weil es der Spielplan so will, folgt hier Duell Nummer drei um Europa und gegen den Abstieg: Borussia Mönchengladbach empfängt den SC Freiburg. Den Breisgauern kommt diese Partie offenbar gelegen. Stürmer Nils Petersen - mit 15 Treffern Zweiter in der Torjägerliste - setzt auf große Gefühle: "Dieses Auf und Ab der Gefühle ist Werbung für den Fußball", sagt Petersen: "Ich habe selten solche Emotionen erlebt." Und sein Trainer Christian Streich wäre sicherlich enttäuscht, wenn seine Erwartungen bezüglich des Abstiegskampfes nicht erfüllt werden: "Es wird bis zur letzten Sekunde gehen." Dann wollen wir mal den Druck erhöhen: Ein Sieg sollte es bitte schon sein - schließlich beträgt der Vorsprung auf den Relegationsrang nur drei Punkte. Doch auch wenn die Fohlen aus Gladbach stark dezimiert sind - die Achse aus Lars Stindl (Syndesmoseriss), Denis Zakaria (10. Gelbe) Christoph Kramer und Jannik Vestergaard (beide 5. Gelbe) ist nicht verfügbar - sind sie die Favoriten der Partie. Immerhin sind sie seit Mitte Februar zu Hause ungeschlagen und erzielten in jedem folgenden Heimspiel mindestens zwei Treffer. Bedeutet für Nils Petersen: Es ist wieder Zeit für große Emotionen. Tipp: 3:1

Wir haben ein Déjà-vu: Europa-Kampf gegen Abstiegsk(r)ampf gilt auch für die Partie Borussia Dortmund gegen FSV Mainz 05. Allerdings alles in Maßen - denn der BVB hat irgendeinen europäischen Wettbewerb sicher, und Mainz muss sich nach dem formidablen Sieg gegen RB Leipzig verhältnismäßig wenige Sorgen machen. Aber der Reihe nach: Der BVB kann die Qualifikation für die Champions League perfekt machen. "Das wäre eine nette Geschichte", sagt Trainer Peter Stöger ob der turbulenten Saison. Und möglich ist das ausgerechnet gegen den Lieblingsgegner - der BVB gewann nämlich 11 der letzten 13 Partien gegen Mainz. Zwar hagelt es für die Spielweise des Teams unter Stöger massig Kritik, der Erfolg aber ist da: Die vergangenen neun Heimspiele ist Stögers Elf unbesiegt, die letzten vier endeten gar mit einem Sieg, davon die letzten drei mit null Gegentoren. Das verheißt für die Mainzer wenig Gutes - und so zittern sie doch nochmal: "Mit 33 Punkten bleibst du nicht sicher in der Liga. Noch haben wir es nicht geschafft", warnt Sportvorstand Rouven Schröder. Tipp: Die Mainzer retten sich erst am kommenden Wochenende - 3:0

Was macht der FC Bayern?

Vielleicht ja seine B-Jugend aufbieten? Die A-Jugend-Vertreter vom vergangenen Wochenende waren schließlich immer noch zu gut für die Liga - oder zumindest für Eintracht Frankfurt. Und die Vorzeichen vor dem 33. Spieltag stehen schließlich noch mehr auf Langeweile. Denn die Partie steht unter dem Motto: Der Meister kommt persönlich vorbei, um Tschüss zu sagen … Das Team von Jupp Heynckes ist nämlich zu Gast beim 1. FC Köln. Es ist das wohl langweiligste Duell des Spieltags. Alles schon entschieden, nix mehr zu rütteln. Wobei es die erste Chance zum torlastigen Wundenlecken ist. Das Aus in der Champions League schließlich ist eine Schmach - die Saison ohne die Finalteilnahme nur semi-erfolgreich. Oder wie Heynckes sagt: Er erwarte, "dass wir wieder Motivation ziehen für die restlichen Aufgaben. Es geht um drei Punkte. Wir müssen die Spannung hochhalten, auch hinsichtlich des Pokalendspiels."

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Nicht nur im Herzen ein Kölner: Timo Horn.

(Foto: imago/DeFodi)

Die Partie bestimmen übrigens die Torhüter - abseits des Platzes. Nationalkeeper Manuel Neuer steht weiter nicht im Kader des Rekordmeisters. "Es ist eine sensible Verletzung, da hat man schon in der Vergangenheit nicht immer eine richtige Entscheidung getroffen", erklärt Heynckes. Aber: "Es ist wunderbar, wie er sich herangearbeitet hat, er ist körperlich topfit." Das ist auch der Keeper der Kölner. Fit, beliebt und jetzt sogar noch beliebter, weil Timo Horn mit dem Effzeh nicht nur in die 2. Liga geht, sondern auch, weil er sein Treuebekenntnis noch einmal ausbaut. Der 24-Jährige verlängert seinen Vertrag vorzeitig bis 2023. Bei der Freude über diese Treue werden die Kölner Fans verschmerzen, wenn Horn am Samstag den ein oder anderen Ball der Bayern durchlassen muss. Tipp: 1:4

Was passiert sonst noch?

FC Augsburg - FC Schalke 04: "Gegen Schalke spielt Marwin wieder", kündigte Augsburgs Trainer Manuel Baum an. Bekommt Torhüter Marwin Hitz also sein Abschiedsspiel? Alle Zeichen stehen auf Weggang: Der Schweizer hat seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängert. Er werde zum BVB wechseln, heißt es. Es wäre jedenfalls ein Kracherspiel zum Abschied, denn der FC Schalke könnte mit einem Sieg die Vizemeisterschaft verbuchen - wenn ausgerechnet Erzrivale BVB Punkte liegen lässt. Nach dem Eklat um Max Meyer wäre das doch eine positive Nachricht für die Königsblauen. Tipp: Schalke siegt, darf aber (noch) nicht feiern, weil auch der BVB gewinnt (siehe oben): 0:2

Hannover 96 - Hertha BSC: Für Hannover geht's bergab - soweit die Statistik. Vier der letzten fünf Heimspiele gingen verloren, nur ein Sieg steht aus den letzten zehn Partien zu Buche. Glück im Unglück: Schlechtestenfalls müssen sich die 96-er in der Relegation bewähren. Allerdings ist dieser Fall doch eher theoretischer Natur (siehe oben). Und so ist diese Partie für die Berliner Hertha richtungsweisender: Tabellenniemandsland oder winzige Chance auf Europa? Dafür muss das Team von Trainer Pal Dardai zwingend siegen, wie praktisch, dass der Trend gerade aufwärts geht: Drei Spiele ohne Niederlage und dazu die schöne Statistik, in der Rückrunde gemeinsam mit dem FC Bayern die wenigsten Gegentore kassiert zu haben (jeweils 12) - dass sie auch nur 14 Tore geschossen haben, naja ... Daraus resultierender Tipp: 0:1

VfB Stuttgart - TSG 1899 Hoffenheim: Keine 100 Kilometer trennen die Stadien - ein Nachbarschaftsduell also für die beiden Klubs, die noch um die Europa League beziehungsweise sogar die Champions League kämpfen. Beide haben etwas gemeinsam: Sie stapeln tief. "Wenn wir uns für die Champions League qualifizieren, wäre das eine Sensation, schon die Europa League wäre ein richtig großer Erfolg", sagt Hoffenheim-Coach Julian Nagelsmann. Sein Gegenüber Tayfun Korkut erklärt: "Es geht uns ums nächste Spiel, um die nächsten Punkte. So haben wir es zuletzt gehandhabt, warum sollen wir das ändern?" Eins unterscheidet die beiden aber auch: Stuttgart kann aus dem Vollen schöpfen. Hoffenheim dagegen muss gleich eine Reihe Spieler ersetzen, was Nagelsmann humorig kommentiert:  "Also, auf geht's, Freunde der Nacht: Gaspedal in die Ölwanne." Tipp: 2:2

SV Werder Bremen - Bayer Leverkusen: Die Grünen von der Weser sind zwischen Platz 2 und 17 tatsächlich das einzige Team der Liga, für das es rechnerisch um nichts mehr geht. Ganz anders die Leverkusener: Setzt Bremen seine handfeste Kohfeldt-Serie fort und bleibt unter dem Coach zuhause ungeschlagen, hätten sich Bayers Champions-League-Ambitionen vermutlich endgültig erledigt. Die "besondere Herausforderung" (O-Ton Heiko Herrlich) muss die Werkself zudem nach Jonathan Tah und Sven Bender wohl auch ohne den zweiten Zwilling Lars angehen. Tipp: Bei Junuzovics emotionalem Heim-Abschied kann Bayer nur das eine obligatorische Tor erzielen und verliert die wichtigen zwei Punkte: 1:1.

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Ich habe für mich entschieden, dass ich bei Schwarz bleibe bei meiner Kampfausrüstung. Zum einen kann ich Rot nicht unbedingt tragen, das macht mich sehr blass. Zum zweiten habe ich heute im WDR einen Bericht gehört, dass Frauen jetzt, wo Frühling ist, vermehrt Rot tragen. Und dass das unterschwellig Paarungsbereitschaft signalisiert. Und da habe ich gedacht: Wenn ich jetzt Rot auf der Bank trage, signalisiere ich vielleicht dem einen oder anderen auch Paarungsbereitschaft. Da habe ich Abstand genommen." (Leverkusens Trainer Heiko Herrlich auf die Frage, ob er im Auswärtsspiel wie alle Bayer-Fans Rot tragen werde)

 

Quelle: n-tv.de

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