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Hallohallo, wer spricht? Guido Winkmann.
Hallohallo, wer spricht? Guido Winkmann.(Foto: imago/Eßling)
Dienstag, 17. April 2018

Kurioser Videobeweis in Mainz: Hat der Schiedsrichter alles richtig gemacht?

Von Stefan Giannakoulis

Darf sie das? Ja, sagen die Regeln. Die Video-Assistentin kann, wie beim Fußballspiel Mainz gegen Freiburg, auch eingreifen, wenn der Schiedsrichter schon zur Pause gepfiffen hat. Doch nicht nur Collinas Erben sehen einen Knackpunkt.

Dietmar Hamann, der alte Experte beim Bezahlsender Sky, sagt es. Und Collinas Erben, unsere Kolumnisten und Experten in Sachen Schiedsrichterfragen, sagen es auch. Entscheidend ist auch in diesem Fall auf dem Platz. Worum es geht? Darum, dass der Unparteiische Guido Winkmann beim Fußballspiel am 30. Spieltag der Bundesliga zwischen dem 1. FSV Mainz und dem SC Freiburg auf Elfmeter für die Gastgeber entschied, nachdem er bereits zur Pause gepfiffen hatte. Doch auf dem Weg in die Kabine meldete sich die Kollegin Bibiana Steinhaus, die an diesem Montagabend in Köln saß und als Video-Assistentin fungierte.

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Sie wies Winkmann darauf hin, dass Freiburgs Marc-Oliver Kempf den Ball nach einer Flanke des Mainzers Daniel Brosinski mit der Hand abgewehrt hatte. Da er das im eigenen Strafraum getan hatte und Winkmann von der Strafbarkeit dieser Aktion überzeugt war, entschied er - mit siebenminütiger Verspätung - auf Elfmeter. Das ist regelkonform, da sind sich Hamann und Collinas Erben einig. Warum? Weil es die Regeln des für den Videobeweis zuständigen International Football Association Board (Ifab) besagen: Solange der Schiedsrichter das Spielfeld noch nicht verlassen hat, darf die Video-Assistentin auch nach dem Halbzeitpfiff noch eingreifen.

Die Schiedsrichterkommission des DFB hatte Winkmann am Montagabend für die Anwendung des Videobeweises ein gutes Zeugnis ausgestellt. Der Handelfmeter sei korrekt gewesen, auch sei es richtig gewesen, sich die Szene in der Review-Area anzuschauen, hieß es in einer kurz nach Schlusspfiff veröffentlichten Stellungnahme. "Der Halbzeitpfiff unterbricht das Spiel wie jeder andere Pfiff des Schiedsrichters auch. Daher ist es auch regeltechnisch in Ordnung, hier dann den Strafstoß zu geben. Erst wenn ein Spiel wieder fortgesetzt wäre, könnte der Strafstoß nicht mehr gegeben werden."

Collinas Erben kümmern sich

Auch Winkmann ist überzeugt, alles richtig gemacht zu haben: "Das Spiel war nur unterbrochen. Ich habe die Anweisung gegeben, dass es weitergeht mit Strafstoß. Der ist dann ausgeführt worden." Natürlich sei das ungewöhnlich. "Das hat es wohl noch nie gegeben", räumte der Referee ein. "Wenn ich der betroffene Verein bin, wäre ich natürlich auch nicht davon begeistert. Aber es gibt in der heutigen Zeit eben den Videoschiedsrichter, der auch diesmal wieder zu Gerechtigkeit geführt hat, weil ich im Spiel keine Chance hatte, dieses Handspiel zu erkennen."

Nur: Entscheidend ist halt auf dem Platz. Hamann argumentiert, Winkmann und seine Assistenten hätten den Platz verlassen, bevor der Kontakt mit Köln zustande kam. "Dann ist das Tor irregulär." Und es wäre ein Ansatz für die Freiburger, beim Sportgericht des DFB Einspruch gegen die Wertung dieses im Abstiegskampf so wichtigen Spiels einzulegen, das die Mainzer am Ende mit 2:0 gewannen. Auch Collinas Erben sehen genau hier den Knackpunkt: "Entscheidend dürfte im Zweifelsfall tatsächlich der Moment der Kontaktaufnahme durch" die Video-Assistentin sein. "Wann er genau erfolgte, weiß man nicht, dürfte es aber wohl noch erfahren." Collinas Erben kümmern sich, die Detailanalyse gibt's dann später hier auf n-tv.de.

Laut Sportinformationsdienst, der die Video- und Tonaufzeichnung aus dem Kontrollcenter in Köln ausgewertet hat, sei alles korrekt. Demnach habe Steinhaus den Kontakt zu Schiedsrichter Winkmann aufgenommen, als dieser noch auf dem Platz stand. Die anschließenden Szenen waren insofern kurios, als dass die Freiburger längst in der Kabine waren und der Schiedsrichter sie erst auf den Rasen holen musste. Auch viele der 26.407 Zuschauer waren bereits auf dem Weg zur Pausenwurst.

Und als Pablo de Blasis schließlich den Ball aus elf Metern ins Tor geschossen hatte, riefen selbst die Fans der Mainzer: "Ihr macht unseren Sport kaputt." Freiburgs Trainer Christian Streich hatte hinterher sichtlich Mühe, sich zu mäßigen: "Sollen sie machen, was sie machen wollen. Deshalb heißt es Schiedsrichter. Die entscheiden das, und wir haben das zu akzeptieren." Und Lutz-Michael Fröhlich, der Chef der deutschen Schiedsrichter, gab zu: "Das sind Szenen, die eigentlich keiner haben will. Vom Ablauf her ist das keine Werbung, aber es war in diesem Fall tatsächlich nicht anders möglich." Tatsächlich?

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Quelle: n-tv.de