Fußball

"Mache das, was richtig ist" Heynckes lobt Müller, beschwichtigt Robben

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"Das ist eben Müller - er kann's."

(Foto: imago/ActionPictures)

Weil Beşiktaş kein ernstzunehmender Gegner ist, steht der FC Bayern mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im Viertelfinale der Champions League. Trainer Jupp Heynckes schwärmt von Thomas Müller. Nur einer ist nicht ganz glücklich - und muss sich zügeln.

Von einem entspannten Ausflug in die Türkei wollte Jupp Heynckes trotz des Kantersieges des FC Bayern gegen Beşiktaş nicht sprechen. "Wir können nicht unbelastet nach Istanbul fliegen", sagte der Trainer - obwohl ja nach dem 5:0 (1:0) des Fußball-Bundesligisten im Hinspiel an diesem Dienstagabend der Einzug ins Viertelfinale der Champions League ähnlich fest gebucht ist wie die sechste deutsche Meisterschaft hintereinander. Und so analysierte Thomas Müller messerscharf: "Es ist ein super Ergebnis fürs Rückspiel. Das findet am 14. März (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) statt und dürfte für die Münchner nun wirklich kein Problem sein.

München - Istanbul 5:0 (1:0)

Tore: 1:0 Thomas Müller (43.), 2:0 Coman (52.), 3:0 Müller (66.), 4:0 Lewandowski (79.), 5:0 Lewandowski (88.)
FC Bayern München: Ulreich - Kimmich, Jerome Boateng, Hummels, Alaba - Martinez - Thomas Müller, Vidal (83. Tolisso), James (44. Robben), Coman (81. Ribery) - Lewandowski. - Trainer: Heynckes
Beşiktaş Gymnastik-Klub: Fabri - Adriano, Pepe, Vida, Caner Erkin (69. Gökhan Gönül) - Hutchinson, Medel (85. Arslan) - Quaresma, Talisca, Babel - Vagner Love (57. Tosic). - Trainer: Günes
Schiedsrichter: Ovidiu Hategan (Rumänien)
Zuschauer: 70.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Lewandowski (2) - Quaresma (2), Pepe (2), Tosic (2)
Rote Karte: Vida nach einer Notbremse (16.)

Apropos Müller: Der deutsche Nationalspieler lief nicht nur in Abwesenheit des verletzten Torhüters Manuel Neuer als Kapitän auf, ihm gelangen auch zwei Tore. "Das ist eben Müller - er kann's", verkündete sein Trainer. "Wir wussten, dass wir liefern mussten", sagte Müller. Er lieferte kurz vor der Halbzeitpause das wichtige 1:0 nach und legte in der 66. Minute das 3:0 nach. "Meine Tore waren richtige Torjäger-Tore", sagte Müller stolz. Nur zwei Spieler haben in K.-o.-Rundenspielen der Königsklasse mehr Tore erzielt als Müller mit seinen 42 Treffern - die Weltstars Cristiano Ronaldo und Lionel Messi trafen 56 und 38 Mal.

Heynckes geriet förmlich ins Schwärmen, als er nach dem Spiel im Pressesaal des Münchner Stadions über Müller sprach. Der Weltmeister sei prädestiniert für Spiele auf der großen Fußballbühne. "Thomas weiß ganz genau, Champions League ist etwas ganz Besonderes, da müssen auch besondere Leistungen erbracht werden. Das ist ein Spieler, der in unserem System ganz wichtig ist, weil er manchmal auch aus dem Nichts wie beim 1:0 Tore macht. Beim anderen Tor ist er mit seiner Spritzigkeit, Schnelligkeit, Reaktionsschnelligkeit am richtigen Ort. Das macht ihn so unverwechselbar." Und unter Heynckes wieder unverzichtbar.

"Dann bin ich morgen bei Herrn Rummenigge"

Auch sonst waren sich im Grunde alle Beteiligten einig. In Unterzahl war Beşiktaş nach der frühen Roten Karte für Domagoj Vida vor 70.000 Zuschauern kein Gegner auf Augenhöhe. "Physisch und moralisch sind wir dann gefallen", klagte Trainer Senol Günes. Der Platzverweis nach einer Notbremse von Vida gegen Robert Lewandowski habe seinem Team "das Genick gebrochen" und zu einem "Klassenunterschied" geführt. "Der Knackpunkt war der Platzverweis und das 1:0 kurz vor der Pause", urteilte auch Heynckes.

Besagter Müller sorgte wie erwähnt für die Führung, in der zweiten Hälfte drehten die Bayern dann auf und schraubten durch Kingsley Coman, Müller und einen späten Doppelpack von Lewandowski das Ergebnis in die Höhe. "So ein Kantersieg ist erfreulich", sagte Heynckes. Es war der 23. Sieg im 24. Pflichtspiel seit der Rückkehr des 72-Jährigen Anfang Oktober 2017. Der Trainer demonstrierte mit seiner Aufstellung ohne die 34 Jahre alten Franck Ribéry und Arjen Robben in der Startelf, dass er für das große Ziel, wie vor fünf Jahren mit dem FC Bayern wieder das Triple zu gewinnen, keine Kompromisse macht und keine Rücksichten auf große Namen nimmt. Coman und Müller spielten sehr stark auf den Flügeln.

Der für den angeschlagenen James Rodríguez in der 44. Minute eingewechselte Robben musste sich nach dem Spiel zügeln, um seiner Enttäuschung über die Reservistenrolle nicht zu sehr Luft zu machen. "In diesen Spielen wollen alle dabei sein, ich auch. Wenn du nicht spielst, ist es eine schmerzhafte Geschichte."

Aber es sei ja so: "Wenn ich jetzt meine Emotionen ausspreche, dann bin ich morgen bei Herrn Rummenigge", sagte der 34-Jährige dem Bezahlsender Sky. Heynckes zeigte Verständnis für jeden verärgerten Bankdrücker: "Dass ein Spieler nicht zufrieden ist, wenn er nicht von Anfang an spielt, das ist normal." Außerdem habe Robben ja seine Sache sehr gut gemacht: "Er kam rein und war ein belebendes Element für die Mannschaft. Ich wusste das, und ich bin froh, dass ich vorne Optionen habe." Zugleich aber machte Heynckes eine deutliche Ansage an alle Stars: "Ich mache das, was ich für richtig finde. Das muss auch jeder akzeptieren. Punkt!"

Quelle: ntv.de, sgi/dpa/sid

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