Fußball

Letzte Dienstreise mit FC Bayern Hoeneß bleibt bis zuletzt angriffslustig

Am 15. November tritt Uli Hoeneß als Präsident und Aufsichtsratschef des FC Bayern München ab. Noch aber befindet er sich im Angriffsmodus, auch vor seinem letzten Champions-League-Ausflug in Amt und Würden mit den Fußballern des Klubs nach Piräus. Er weiß, wen der Trainer aufstellen soll.

Uli Hoeneß schmunzelte. Es sei schon erstaunlich, "dass sich alle mehr Gedanken um mein Seelenleben machen als ich selbst". Er habe gar nicht daran gedacht, dass es seine letzte Königsklassen-Dienstreise als Präsident und Aufsichtsratschef des FC Bayern sei. Es sei "alles wie immer", sagte der 67-Jährige vor dem Abflug des Fußball-Bundesligisten zum Champions-League-Gruppenspiel bei Olympiakos Piräus an diesem Dienstag (ab 21 Uhr im Liveticker bei n-tv.de). Von Wehmut war in diesem Moment nichts zu spüren. Er sehe ohnehin "überhaupt keinen Cut. Ich werde dem FC Bayern immer stark verbunden bleiben".

Piräus - München, 21 Uhr

Olympiakos Piräus: Jose Sa - Elabdellaoui, Semedo, Meriah, Tsimikas - Guilherme, Bouchalakis, Camara - Daniel Podence, Guerrero, Masouras. - Trainer: Martins
FC Bayern München: Neuer - Kimmich, Pavard, Hernandez, Alaba - Thiago, Martinez - Gnabry, Coutinho, Coman - Lewandowski. - Trainer: Kovac
Schiedsrichter: Danny Makkelie (Niederlande)

Ein tiefer Einschnitt wird es dennoch sein, wenn Hoeneß bei der Mitgliederversammlung am 15. November seine Ämter an den designierten Nachfolger Herbert Hainer übergeben wird. "Ich werde am 16. November zum ersten Mal in meinem Leben ohne Plan aufwachen", sagte er unlängst. Spannend sei das, aber er freue sich darauf. Doch noch ist Hoeneß von einem Ruhestand weit entfernt.

Hoeneß weiter im Angriffsmodus

Auch vor der Partie in Griechenland befand sich der Münchner Patriarch im gewohnten Angriffsmodus. Er nahm die Mannschaft in die Pflicht, geißelte die Diskussionen um Thomas Müller, stellte sich vor Trainer Niko Kovac, um diesem aber gleichzeitig Ratschläge für die Aufstellung zu geben. Schon zuletzt hatte er mit seinen Tiraden gegen den DFB wegen Torwart Manuel Neuer für Aufsehen gesorgt. Und das soll in dreieinhalb Wochen der Vergangenheit angehören? Schwer vorstellbar. Aber Hoeneß hat mehrmals versprochen, sich öffentlich nicht einmischen zu wollen. Er werde seinen Erben als einfaches Aufsichtsratsmitglied bis November 2023 ungefragt keine Ratschläge erteilen. Aber: "Ich werde kein Golf spielender älterer Rentner sein und über den Tegernsee schauen. Sie brauchen sich keine Sorgen machen, von mir wird schon noch was zu hören sein."

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Auf Wiedersehen.

(Foto: imago images/MIS)

Auch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge glaubt, dass Hoeneß immer präsent sein werde. "Es ist nicht sein letzter Tag heute", sagte er, als Hoeneß seinen Abschied bekanntgab, "und es wird nie sein letzter sein". Der räumte ein, ihm sei die Machtübergabe nicht leicht gefallen. Er habe nachts "auch mal wach gelegen". Aber: "Meine Frau hat mich beim Frühstück immer wieder daran erinnert, dass sie auch ein paar Rechte und mehr Zeit mit mir haben wollte."

Er ist sich sicher, dass sein Lebenswerk auch ohne ihn vor einer glänzenden Zukunft steht. "Dieser Verein ist in einem Topzustand", der FC Bayern habe "so viel Kraft", dass er ihn nicht mehr "an vorderster Front" benötige. Bei Hainer und Rummenigges Nachfolger Oliver Kahn sei der Klub "in besten Händen". Hainer hatte angekündigt, sein eigenes Profil entwickeln zu wollen. Allerdings sieht der langjährige Adidas-Chef keinen Anlass, sich zu distanzieren. "Wenn ich den FC Bayern zu ähnlichen Erfolgen wie Uli Hoeneß führen könnte, wäre das sicher nichts Schlechtes. Es wäre also klug von mir, wenn ich auf seinen Rat hören würde."

Quelle: n-tv.de, Thomas Niklaus, sid

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