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Solidarität "spornt uns an" Holstein Kiel will Zwangsumzug abwenden

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Das Holstein-Stadion ist zu klein für die Bundesliga.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Keine Heimspiele im eigenen Stadion? Für Holstein Kiel soll das nach einer Entscheidung der DFL die Realität nach dem möglichen Aufstieg in die Fußball-Bundesliga werden. Das will der Klub nicht hinnehmen - und bekommt massive Rückendeckung.

Die Stadion-Posse um Relegations-Teilnehmer Holstein Kiel wird zum Politikum: Die Entscheidung der Deutschen Fußball Liga (DFL), den Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung für mögliche Bundesliga-Heimspiele abzulehnen, sorgt für einen Aufschrei in der Szene. Holstein kämpft unterdessen unverdrossen für eine Kieler Lösung - und gegen einen Zwangsumzug.

"Die Menschen können sich sicher sein, dass wir alles tun, um unsere Heimspiele in Kiel auszutragen", sagte Holsteins Geschäftsführer Wolfgang Schwenke. Man werde persönlich bei der DFL-Kommission vorsprechen und den DFL-Beschluss vom Dienstag "durch den zuständigen Lizenzierungsausschuss überprüfen" lassen. "Wir werden unsere Argumente genau erläutern und klar machen, dass es um eine historisch einmalige Situation geht", sagte Schwenke.

Der frühere Handball-Nationalspieler kann die Entscheidung nicht nachvollziehen, hat die Hoffnung auf ein Einlenken der DFL aber noch nicht aufgegeben: "Wenn es keine Ausnahmen für solche Ausgangslagen gibt, wird es für Vereine wie Holstein Kiel, die keinen großen Investor im Rücken haben, unmöglich, ein Märchen wie unseres auch tatsächlich wahr werden zu lassen."

"Volle Energie" in Relegation

Mit einem Umzug in ein fremdes Stadion befasst sich der Klub noch nicht. "Wir sollten erst einmal abwarten, was passiert, und tun gut daran, die Ruhe zu bewahren", sagte Schwenke. Schließlich müsse sich sein Team erst einmal "sportlich durchsetzen". Deswegen gelte es die "volle Energie" in den Saison-Endspurt und die beiden Relegationsspiele am 17. und 21. Mai zu investieren.

In der Fußball-Republik sorgte der Fall Kiel für großes Kopfschütteln. Die "Süddeutsche Zeitung" nannte den DFL-Beschluss in einem Kommentar "ein schlimmes Signal" und "ziemlich arrogante Entscheidung", das Magazin "11Freunde" sah "ein fatales Signal an jeden anderen Klub, der mit natürlichen Mitteln nach oben kommen will". Zudem wurde am Mittwochnachmittag eine Online-Petition ins Leben gerufen, die zur "Solidarität mit Holstein Kiel" aufruft. "Es ist klasse, dass sich so viele solidarisch erklären. Denn solche Geschichten wie unsere schreibt nur der Fußball. Das spornt uns an", sagte Schwenke.

Kapazität "stört den Spielbetrieb nicht"

Doch bei aller Solidarität müsse die DFL immer auch ihr Produkt im Auge behalten, das international vermarktet werden muss. Und da gebe es klare Regeln. Die Chancen auf eine plötzliche Kehrtwende in Frankfurt stehen schlecht. Zwar wollte die DFL ihre vorläufige Entscheidung auf SID-Anfrage "wie üblich zwischen Beginn und Abschluss des Lizenzierungsverfahrens" nicht kommentieren. Die Sachlage ist aber eindeutig: Das Holstein-Stadion ist mit einem Fassungsvermögen von rund 12.000 Zuschauern gemäß der DFL-Statuten, die von den 36 Bundesligisten selbst verabschiedet worden sind, zu klein für die Liga eins, und eigentlich auch für die 2. Liga. Gefordert sind dort Plätze für 15.000 Zuschauer, 8000 davon müssen Sitzplätze sein. Dies ist wohl der entscheidende Mangel, den der Klub nicht binnen weniger Tage beheben kann. Denn in Sachen Sicherheit genüge das Stadion laut Schwenke den DFL-Anforderungen und böte alle Voraussetzungen, damit die TV-Übertragungen der Spiele dem geforderten Standard entsprechen. "Dass unser Stadion zu wenig Plätze hat, geht deshalb allein auf unsere Kosten, aber stört den Spielbetrieb nicht", so Schwenke.

An den strukturellen Defiziten arbeitet der Verein nach eigener Aussage "intensiv", spätestens in der Saison 2019/20 werde das Stadion durch den Neubau der Osttribüne über die erforderliche Kapazität von 15.000 Plätzen verfügen. Parallel zum laufenden Kieler Gnadengesuch bei der DFL wird längst über adäquate Ausweichmöglichkeiten spekuliert. Laut "Kieler Nachrichten" plant Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther die Suche nach einer geeigneten Arena zur Chefsache zu machen und will bei einem HSV-Abstieg Gespräche mit Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher über einen Umzug ins Volksparkstadion führen. Der HSV hatte den Plänen Holsteins allerdings bereits eine Absage erteilt. Weitere Optionen wären das Millerntorstadion von Zweitligist St. Pauli oder das 200 Kilometer entfernte Ostseestadion von Drittligist Hansa Rostock.

Quelle: n-tv.de, Christoph Stukenbrock, sid

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