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Tempofußball spielen sie in Mainz unter Trainer Sandro Schwarz in dieser Saison eher nicht.
Tempofußball spielen sie in Mainz unter Trainer Sandro Schwarz in dieser Saison eher nicht.(Foto: imago/Jan Huebner)
Mittwoch, 21. März 2018

Die Zahlen stehen auf Abstieg: In Mainz läuft's nicht, weil sie nicht laufen

Von Michael Bauer

Der 1. FSV Mainz 05 zählt in den vergangenen fünf Jahren stets zu den laufstärksten Teams der Fußball-Bundesliga. Nun lässt die Elf von Trainer Sandro Schwarz eine Grundtugend der eigenen Spielidee vermissen. Nach neun Jahren droht der Abstieg.

Noch ist nicht alles vorbei. Und die Vereinsführung des 1. FSV Mainz 05 gibt sich alle Mühe, die Angst vor dem Abstieg mit Zuversicht zu bekämpfen und das Wir-Gefühl zu stärken. Doch angesichts des Restprogramms in der Fußball-Bundesliga sowie der Form der Mannschaft scheint es wenig realistisch, dass die Mainzer den Relegationsplatz in den restlichen sechs Partien noch verlassen. Die Gefahr, weiter abzurutschen wird dafür immer größer - besonders, weil die Statistiken gegen die 05er sprechen.

Schwere Zeiten: Der Mainzer Torhüter René Adler geht nach der Partie in Frankfurt zu den Fans.
Schwere Zeiten: Der Mainzer Torhüter René Adler geht nach der Partie in Frankfurt zu den Fans.(Foto: imago/Hartenfelser)

Zwar teilt nur das Torverhältnis den Relegationsplatz und das rettende Ufer, an dem sich der VfL Wolfsburg noch wähnt, von hinten könnte aber der 1. FC Köln das Feld noch aufrollen. Die Niederlage der Mainzer in Frankfurt am 27. Spieltag hat der FC bereits genutzt, bei einem weiteren hätte die Elf von Trainer Stefan Ruthenbeck ihr sportliches Schicksal sogar wieder selbst in der Hand. Denn unter den verbleibenden Gegnern befindet sich der VfL Wolfsburg - und auch Mainz 05. Die fünf Punkte Vorsprung der Mannschaft von Sandro Schwarz könnten also schnell schmelzen.

Am Trainer soll es in Mainz allerdings nicht liegen. Einen Wechsel schloss Rouven Schröder kategorisch aus. "Sandro wird auch nach der Länderspielpause unser Trainer sein", sagte der Sportvorstand nach dem desolaten Auftritt bei Eintracht Frankfurt. Dabei weiß man gar nicht so recht, wo man anfangen soll, die Fehlerquellen zu suchen. Statistisch bieten die Mainzer von allen Abstiegskandidaten mit die größte Angriffsfläche. Wenn sich die Komponente Misserfolg auf die mentale Ebene bei den Spielern auswirkt, sind bestimmte Werte zu vernachlässigen. Ohne Selbstvertrauen und unter Druck unterliegen Abschlüsse und Pässe einer gewissen Streuung. Die Laufleistung sollte das aber nicht beeinflussen. Und da klafft bei den Mainzern eine Riesenlücke zur Konkurrenz.

In 27 Spielen spulte die Schwarz-Elf laut "Kicker" 3099,86 Kilometern runter, 27,37 weniger als Köln. Auch der HSV (Differenz 36,14) und die Wölfe (60,05 Kilometer) liefen mehr. Spitzenreiter ist der ebenfalls im Abstiegskampf steckende SC Freiburg mit 3239,84 Kilometern. Die Mannschaft von Christian Streich hat aber am wenigsten den Ball von allen Bundesligisten. Auf 45,1 Prozent Besitz kommt der SCF, Mainz hat mit 45,3 Prozent nur unwesentlich mehr vom Spielgerät.

Es mangelt an den Basics

Ballbesitzlastiger Fußball würde in Mainz zwar nicht, ein hoher Laufaufwand dafür schon zum so oft postulierten "Mainzer Weg" passen. Zu dem wollte Schwarz vor Saisonbeginn eigentlich zurückkehren. Immer wieder fordert er, seine Spieler sollten sich auf diese Tugenden besinnen. In den vergangenen Jahren zählten die 05er stets zu den laufstärksten Teams der Liga, eine eigene Spielphilosophie war da noch erkennbar. Vom schnellen Umschaltspiel oder dem von Thomas Tuchel etablierten Gegenpressing ist kaum noch etwas übrig. Auswärts ziehen sich die Mainzer stets weit zurück, spielen maximal Mittelfeldpressing. Zu Hause wird dann ein Tick offensiver verteidigt, die Punkte bleiben aber in dieser Saison auch im eigenen Stadion aus.

Die taktische Vielfalt hat der Klub ebenfalls abgelegt, zumindest seit der Rückrunde. Wechselte Schwarz in der Hinserie noch zwischen mehreren Systemen, stand in der Rückrunde ausnahmslos ein 5-3-2 zu Spielbeginn, je nach Ausprägung mit mehr oder minder offensiv ausgerichteten Außenverteidigern - an den drei Innenverteidigern und drei zentralen Mittelfeldspielern sowie der Doppelspitze rüttelte Schwarz nicht. Damit macht er sein Team ausrechenbar. Für das Umschalt- beziehungsweise Konterspiel ist diese Formation nämlich denkbar ungeeignet, weil der Weg zum gegnerischen Tor durch das Zentrum zwar der kürzeste ist, dort aber auch grundsätzlich am meisten gegnerischer Widerstand aufwartet. Flügelspiel findet in diesem System bei Mainz so gut wie nicht statt.

Die taktische Ausrichtung wirkt dann wie ein Korsett für die Laufleistung der Mannschaft. Den Fans wird so vermittelt, dass die Spieler nicht an oder über ihre Grenzen gehen. Aber vielleicht tun sie das ja tatsächlich nicht. Dann müsste es ein Umschalten in den Köpfen des Vereins geben, von dem auch der Trainer nicht ausgeschlossen wäre.

 

Quelle: n-tv.de