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Bundesliga-Lehren am 5. Spieltag Ist RB Leipzig der bessere FC Bayern?

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Ein Herz für den Spitzenreiter: Marcel Sabitzer.

(Foto: imago images/Team 2)

Der FC Bayern ist gut, aber RB Leipzig ist besser. Zumindest stehen die Sachsen nach fünf Spieltagen an der Spitze der Fußball-Bundesliga. Der Auftritt in Bremen ist der einer Top-Elf, so bescheiden sie sich auch gibt. Der BVB hat derweil ein Problem.

1. Die Leipziger ziehen bescheiden vorneweg

"Wir sind nicht der FC Bayern", sagte Marcel Sabitzer. Wir gehen mal davon aus, dass er damit kräftig Understatement übt. Schließlich steht RB Leipzig nach fünf Spieltagen in der Tabelle der Fußball-Bundesliga zwei Punkte vor den Bayern an der Spitze. Schließlich hatte das 1:1 am vergangenen Wochenende bewiesen, dass die Sachsen mit den Münchnern mithalten können, auch wenn der FC Bayern in der ersten Halbzeit klar überlegen war. Und schließlich war das 3:0 (2:0) beim verletzungsgeplagten SV Werder Bremen am Samstag nie gefährdet. Sabitzer war der überragende Leipziger, das 2:0 nach 35 Minuten erzielte er mit einem traumhaft gut geschossenen Freistoß.

Schon der erfolgreiche Saisonstart stellt klar, dass der Julian Nagelsmann einen guten Job macht. Ein neuer, junger Trainer, dem die ganz große Karriere vorausgesagt wird, hat nun die Spieler, mit denen er selbst noch weiter wachsen kann. Ehrlich gesagt tut die Bescheidenheit da gut, die Sabitzer an den Tag legt. Auch Kapitän Willi Orban gibt sich zurückhaltend:  "Im Vergleich zu den Bayern müssen wir noch konstanter werden. Wir spielen noch nicht optimal, aber zumindest effizient." Und Nagelsmann war gar ganz versessen darauf, etwas kritisieren zu können. "Wir haben kein Feuerwerk abgebrannt und waren nicht immer dominant genug", sagt er also - und: "Das war noch keine Drohung an die Liga." Nun, das kann ja noch kommen. Etwa wenn plötzlich jemand in Leipzig sagt: "Wir sind nicht der FC Bayern - wir sind besser."

2. Lewandowski bezaubert den FC Bayern

Neun Tore in fünf Spielen - das ist überragend. Robert Lewandowski vom, genau, FC Bayern ist in bestechender Form. Und er achtet neuerdings auf seine Mitspieler. So überließ er beim Stand von 2:0 gegen den 1. FC Köln (Endstand 4:0) seinem neuen Kollegen Philippe Coutinho den Strafstoß in der 62. Minute. Dabei hätte Lewandowski vermutlich sein Torkonto auf zehn erhöht, schließlich ist er der Elfmeterschütze Nummer eins. Am Samstag hätte er mit seinem Hattrick-Treffer zudem einen historischen Rekord gebrochen - den er so wegen seines Verzichts "nur" einstellte. Lediglich Gladbachs Peter Meyer hatte vor 52 Jahren schon einmal neun Treffer nach fünf Spielen auf der Haben-Seite.

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Guter Kollege: Robert Lewandowski.

(Foto: REUTERS)

Stattdessen hatte der polnische Nationalspieler kräftigen Anteil daran, dass der Brasilianer sein erstes Bundesliga-Tor feiern konnte. "Ich bin überglücklich", sagte Coutinho und dankte Lewandowski. "Er ist eine sehr nette Person, ein unglaublicher Stürmer." Das finden alle beim FC Bayern, sogar die Fans. Die hatten ihn stets wegen seiner Tore gefeiert, aber nie in ihr Herz geschlossen. Zu sehr hatte er angeeckt, zu oft über fehlende Unterstützung im Team geklagt. Und zu sehr hatte er anderen europäischen Großklubs sehnsuchtsvoll hinterhergeschaut, wenn sie wieder aus der Allianz-Arena abreisten. Aber jetzt, im Alter von 31 Jahren, ist das Thema durch. Jüngst hatte er seinen Vertrag beim FC Bayern bis zum Sommer 2023 verlängert. Vorbei sind die Zeiten, als er versuchte, sich zu seinem Lieblingsklub Real Madrid zu motzen. Der Spieler mit dem großen Ego beweist, dass er auch ein Herz hat: "Philippe ist ein großer Spieler. Ich wollte ihm einfach helfen, das erste Tor zu schießen. Das soll ihm Selbstvertrauen bringen." So lange Lewandowski so viele Tore schießt, dürfte ihm ein gewisses Maß an Kollegialität auch nicht schwerfallen.

3. Der BVB hat ein Mentalitäts-Problem

Zwei Mal die Führung verspielt, dazu noch ein Eigentor und wieder wertvolle Punkte im Kampf um die Meisterschaft verloren - nach dem 2:2 bei Eintracht Frankfurt ist der Frust bei Borussia Dortmund groß. Besonders Marco Reus war dies nach der Partie anzumerken. Auf die Frage eines Reporters, ob es beim BVB an Mentalität fehle, reagierte der Team-Kapitän unwirsch: "Das geht mir so auf die Eier", sagte Reus. Er und seine Kollegen hätten sich "dumm angestellt", räumte er ein. "Aber kommt mir jetzt nicht mit eurem Mentalitätsscheiß. Jede Woche immer dieselbe Kacke", sagte der 30-Jährige.

Dennoch bleibt festzuhalten: Der BVB hat ein Problem, das macht Reus' erstaunlich dünnhäutige Reaktion mehr als deutlich. Nur Platz drei ist zu wenig angesichts der starken Konkurrenz aus Leipzig und München, zumal die Borussia bereits am 3. Spieltag gegen Aufsteiger 1. FC Union Berlin beachtlich patzte. Sieht man einmal von dem 4:0-Sieg gegen Leverkusen einen Spieltag später ab, so ist beim Favre-Team bislang fatale Nachlässigkeit zu konstatieren. Sportdirektor Michael Zorc stellte nach dem Remis in Frankfurt ernüchtert fest: "So spielt keine Spitzenmannschaft, das muss ich ganz klar sagen."

4. Schalke 04 verdient sich den Höhenflug

Wenn der Siegtreffer erst in der 89. Minute fällt, ist es nicht immer ganz einfach, von einem verdienten Sieg zu sprechen. Doch beim 2:1 gegen den FSV Mainz 05 bewies der FC Schalke 04 beim überraschenden Ausgleich der Mainzer in der 74. Minute durch Karim Onisiwo erst Nehmer- und dann Comeback-Qualitäten. Dass dann Amine Harit den Siegtreffer schoss, ist eine Geschichte für sich - und eine, die den Klub spiegelt.

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Läuft: Amine Harit.

(Foto: imago images/Team 2)

Schließlich hatte der Marokkaner heftige private Probleme und spielte in der vergangenen Saison kaum. Unter dem neuen Trainer David Wagner kämpfte er sich zurück, steht nun in der Startelf - und mausert sich, wie drei Tore und drei Vorlagen in sechs Spielen zeigen. Genauso ist es im Grunde mit dem gesamten Team: Der Neustart unter Wagner hat einiges geradegerückt. Es gibt wieder eine klare Startelf und eine deutlich offensive Spielidee. Drei Siege können sich sehen lassen. Im vergangen Jahr hatte die Schalker nach fünf Spieltagen keinen einzigen Punkt auf dem Konto. Dass niemand ob des Höhenflugs ausrastet, spricht ebenfalls für das Team. Im Gegenteil, Wagner sagte nach dem Sieg: "Wir sind erst beim fünften Spieltag und das ist noch nicht sonderlich viel. Dementsprechend ist in allen Bereichen auch noch sehr viel Luft nach oben."

5. Die Angsthasen-Hertha offenbart sich

Da hat Hertha BSC einen neuen Trainer, einen neuen Investor und einen neuen Angreifer. Und dann sagt Ante Covic, der neue Trainer, nach dem mühsamen 2:1 gegen den Aufsteiger SC Paderborn, der Plan sei es gewesen, dem Gegner den Ball zu überlassen, damit der nicht kontern könne. Geht's noch? Das ist derselbe Trainer, der im Sommer als Nachfolger von Pal Dardai gesagt hatte: "Ich möchte, dass wir unser Spiel aktiv gestalten. Solange wir den Ball haben, kann uns kein Gegner etwas anhaben." Tja, willkommen in der Realität.

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Wann geht's los? Ante Covic.

(Foto: imago images/Bernd König)

Nach nur einem Punkt aus den ersten vier Spielen ging es am Samstag einzig und alleine darum, irgendwie zu gewinnen. Bei wenigen Klubs der Liga ist die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit so groß wie bei den Berlinern. Von wegen hipper Hauptstadtklub. Die von Covic verordnete Angshasen-Taktik spricht Bände. "Wir wissen diesen Sieg sehr zu schätzen und freuen uns wirklich über die drei Punkte, die bei uns bleiben", sagte der Trainer am Tag nach der Partie. Immerhin steht die Hertha nicht mehr auf dem letzten Tabellenplatz. Die Frage ist, wann die Berliner mit dem Fußballspielen anfangen wollen. Am kommenden Sonntag (ab 18 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) steht erst einmal das nächste Kellerduell gegen den nächsten Aufsteiger an: in Müngersdorf beim 1. FC Köln. Dodi Lukebakio übrigens, der neue belgische Angreifer, der für 20 Millionen Euro vom FC Watford gekommen war, saß im Olympiastadion die ganze Zeit auf der Bank.

6. Beim 1. FC Köln liegen die Nerven blank

Ob das die Herthaner tröstet? Jedenfalls waren die Kölner nach dem 0:4 beim FC Bayern, der vierten Niederlage, eher schlecht gelaunt. Allen voran Sport-Geschäftsführer Armin Veh. Der schimpfte nicht etwa auf die Mannschaft, sondern auf Schiedsrichter Patrick Ittrich, der Kingsley Ehizibue die Rote Karte gezeigt hatte. "Das setzte seiner Leistung die Krone auf. Katastrophe! Er hätte sich auch ein rotes Hemd anziehen können."

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"Aberwitzig!"

(Foto: imago images/Philippe Ruiz)

Der Abwehrspieler war in der 59. Minute des Feldes verwiesen worden, weil er Coutinho im Strafraum leicht geschubst hatte. "Aberwitzig", befand Veh und motzte beim Fernsehsender Sport1 über die "Wahnsinnsregel", die laut Ittrich ausschlaggebend für seine Entscheidung sei. Mit dem Schiedsrichter sei er, also Veh, nach einem "guten Gespräch" aber im Reinen. Und nun? Sollten sich die Kölner und ihr Trainer Achim Beierlorzer vielleicht den Berliner Pragmatismus aneignen. In drei der nächsten vier Partien warten mit Hertha BSC, dem SC Paderborn und dem FSV Mainz 05 Konkurrenten im Kampf gegen den Abstieg. Doch Beierlorzer kündigte an: "Gegen Hertha müssen wir genau so mutig auftreten, so gut Fußball spielen."

Quelle: n-tv.de

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