Fußball

Jungstar muss RB Leipzig retten Kann Nkunku Werner vergessen machen?

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Christopher Nkunku ist der neue Coverboy von RB Leipzig.

(Foto: Preiss/Witters/Pool/Witters)

Er ist der kommende Star bei RB Leipzig: Christopher Nkunku wird nach Timo Werners Abgang noch präsenter im Offensivspiel werden. Beim Champions-League-Turnier könnte der elegante Techniker gegen Atlético Madrid zum entscheidenden Faktor werden.

Christopher Nkunku ist dieser Tage omnipräsent in Lissabon. Auf den Ausfallstraßen vom Flughafen in die Stadt, an den Stadien von Benfica und Sporting, an den zentralen Plätzen der portugiesischen Metropole. 1400 Plakatwände hat RB Leipzig für das Champions-League-Finalturnier in Lissabon gebucht, um hier Reklame für den Klub zu machen und die Unterstützung der ebenfalls rot-weiß tragenden Benfica-Fans zu werben. Für einen Fußballklub eine ungewöhnliche Reklameaktion - kein anderer der nun noch sieben teilnehmenden Klubs hat so etwas gemacht.

Und Nkunku ist der Titelheld, der Coverboy, das neue Gesicht bei Leipzigs erstem Auftritt im Viertelfinale auf der großen Bühne Champions League gegen Atlético Madrid (21 Uhr im ntv.de-Liveticker). Eingerahmt von den Routiniers Marcel Halstenberg und Marcel Sabitzer steht er im Fokus der Kampagne. Der 22-Jährige soll und wird bei Rasenballsport zum nächsten Topstar aufsteigen, um den sich in ein, zwei Jahren halb Europa reißen wird. Bislang flog der Franzose noch etwas unter dem Radar. Und das, obwohl Nkunku mit 15 Assists und fünf Toren in seinem ersten Bundesligajahr zum drittbesten Vorlagengeber der Liga avancierte.

Das liegt zum einen daran, dass "Christo" in der zerfaserten Rückrunde etwas schwächelte. Und zum anderen an Timo Werner, der im RB-Angriff alles überstrahlte. Nun ist Nkunku einer derjenigen, von denen Trainer Julian Nagelsmann erwartet, dass sie nach Werners Abgang noch mehr aus dessen Schatten heraustreten und größere Torgefahr entwickeln.

Nagelsmann schwärmt, Tuchel enttäuscht

"Er ist in seiner Altersklasse in Europa top geranked in diesem Jahr", freut sich Nagelsmann. "Er soll einfach so weitermachen wie in der Hinrunde und frei von der Seele wegspielen. Er kann sich in engen Räumen einfach gut bewegen, muss sich niemals herausstehlen, sondern hat die Technik, die Dynamik und den Körper sich dort zu behaupten und einen außergewöhnlichen Schuss."

In Situationen, in denen er sich mal tiefer fallen lässt, erhofft sich Nagelsmann noch mehr Zug zum Sechzehnmeterraum. "Da hat er noch zu viele Momente, in denen er seinem guten Pass in die Tiefe nachschaut, da darf er gerne auch nachlaufen, um selbst ein Tor zu erzielen", fordert der Trainer. "Wenn er das macht, ist er ein außergewöhnlicher Spieler für uns - nicht nur in Lissabon." Wenn sein Spiel noch einen Tick bissiger und bedingungsloser wird, ist der U21-Nationalspieler ein kompletter Fußballer, der Räume sieht, selbst bespielen und auch Tore erzielen kann.

Dass RB bei dem kommenden Star überhaupt eine Chance hatte, lag an Nkunkus Enttäuschung, bei seinem Ausbildungsklub Paris St. Germain zu wenig Spielzeit bekommen zu haben. "Ich habe sogar davon geträumt, eines Tages PSG-Kapitän zu sein", sagte Nkunku jüngst der "L'Equipe". Doch Trainer Thomas Tuchel berücksichtigte ihn nicht wie gewünscht. Mit seinem Schritt nach Sachsen ist er hochzufrieden. "RB denkt Fußball, RB lebt Fußball, RB atmet Fußball. Ich fühlte mich hier sofort am richtigen Ort", sagte er.

Nkunku mit erstem Champions-League-Tor?

Nun soll Leipzigs Edeltechniker - seit Naby Keita ist Nkunku der beste Fußballer in den Reihen der Leipziger - gegen die vielbeinige Abwehr von Atlético zum wichtigen Faktor werden. Gut möglich, dass Nagelsmann den Spielmacher als etwas weiter vorn postiert als hängende Spitze neben Yussuf Poulsen oder Patrik Schick oder Teil eines Dreiersturms aufbietet. Noch am Abend vor dem Spiel hatte sich der Trainer nicht entschieden, wie er den Angriff im ersten Spiel nach der Werner-Ära umbauen würde. Durch einen Zwillingsturm-Sturm mit den zwei langen Kerls Yussuf Poulsen und Patrik Schick oder - und das ist wahrscheinlicher - durch einen spielstarken Mann wie Nkunku oder Dani Olmo als falscher Neuner neben einem der beiden großen Stürmer.

So bietet Werners Abgang Nkunku & Co. sogar die Chance, noch präsenter im Spiel, im gegnerischen Sechzehnmeterraum und vor dem Tor zu werden. Ohne Werner wird Leipzigs Spiel raffinierter, was fehlt, sind sein Tempo, sein Torriecher und seine Skrupellosigkeit vor dem Tor. "Timo hätte sicher auch gegen Atlético gespielt", räumte Nagelsmann kurz vor dem Spiel ein, "aber wir haben auch ohne ihn die nötige Offensivpower, Tore aus dem Mittelfeld heraus und im Sturm zu erzielen." Er vermied es dabei, Namen zu nennen, aber das Viertelfinale wäre kein schlechter Zeitpunkt für den Künstler Nkunku, sein erstes Champions-League-Tor zu erzielen.

Quelle: ntv.de