Fußball

Tausende tote Arbeiter Katar: Rasenproduzent lässt WM-Deal platzen

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Im Al Janoub Stadion in Al-Wakrah sollen in Katar 2022 WM-Spiele stattfinden.

(Foto: imago images/MIS)

Zum professionellen Fußballspielen braucht es einen ordentlichen Rasen. Für das Grün bei der WM im Wüstenstaat Katar 2022 sollte eigentlich ein niederländischer Produzent sorgen, nach einem Bericht über Tausende tote Arbeitsmigranten zieht der nun zurück.

Der niederländische Rasenspezialist Hendriks Gras kündigt an, die Weltmeisterschaft 2022 im Wüstenstaat Katar zu boykottieren, das berichtet der Deutschlandfunk mit Berufung auf den regionalen Nachrichtensender "1Limburg". Eigentlich sollte die renommierte Großgärtnerei für das Grün in den WM-Stadien des Wüstenstaats sorgen.

Seinen Boykott erklärte der niederländische Rasenproduzent in einem Statement: "Wir haben gesehen, was da vor sich geht. Wir wussten, dass bei den Arbeiten Menschen ums Leben gekommen sind, aber die Zahl von sechseinhalbtausend hat uns enorm erschrocken." Nach Recherchen des "Guardian" sollen seit der Turniervergabe in den vergangenen zehn Jahren mehr als 6500 Arbeiter aus fünf asiatischen Ländern gestorben sein. Die Zahlen seien aus Regierungsquellen zusammengetragen worden. Katars Regierungspressestelle erklärte auf Anfrage, die Sterberate liege in einem Bereich, der für diese Größe und diese demografische Zusammensetzung zu erwarten sei.

Fans fordern Boykott

Das deutsche Fan-Bündnis "ProFans" hatte den Deutschen Fußball-Bund (DFB) bereits vor einigen Tagen zum Verzicht auf eine Teilnahme bei der WM 2022 in Katar aufgefordert. "Es gibt nichts, was es rechtfertigen könnte, die Menschenrechtsverletzungen in Katar hinzunehmen, ja, gar durch die Teilnahme am Turnier wissentlich, billigend zu unterstützen", hieß es in einer Mitteilung der Fan-Organisation. Ein Boykott der Weltmeisterschaft im Wüstenstaat sei "unumgänglich", eine Teilnahme "wäre das Ende von Ethik und Würde".

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Zuletzt hatten mehrere norwegische Klubs, unter anderem Rekordmeister Rosenborg Trondheim, eine Boykottbewegung gegründet und den nationalen Verband NFF zu einem Teilnahme-Verzicht gedrängt. Der Verband lehnt einen Boykott bislang ab und möchte Veränderungen über einen fortgesetzten Dialog herbeiführen.

Bei Hendriks Gras handelt es sich jedoch nicht um den einzigen Rasen-Lieferanten. Katar züchtet nahe der Hauptstadt Doha in seinen eigenen "Qatar signature pitch", der fünf Jahre getestet wurde und den FIFA-Ansprüchen entspreche. Auf einer Fläche von mehr als 800.000 Quadratmetern wird dafür in der Wüste Rollrasen angepflanzt. Fünf der acht WM-Stadien sind damit schon ausgestattet. Projekmanager Yasser Abdulla Al-Mulla sagte der Nachrichtenagentur AFP dazu: "Unsere Rasenflächen werden zu den Vermächtnissen der WM zählen, denn wir werden in Katar auch in Zukunft Grünflächen benötigen."

Quelle: ntv.de, ses/dpa/sid

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