Fußball

Bericht: Tausende Tote in Katar Klub ruft Haaland und Co. zu WM-Boykott auf

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An der Wirkungskraft eines Boykotts bestehen auch unter norwegischen Fußballern Zweifel.

(Foto: imago images/Bildbyran)

Weil der bisherige Dialog "zu nichts" geführt habe, ruft nun ein norwegischer Fußball-Erstligist die Nationalelf um BVB-Star Haaland auf, die Weltmeisterschaft in Katar zu boykottieren. Auslöser ist ein Bericht des "Guardian" über Tausende tote Gastarbeiter in dem Emirat seit Vergabe des Turniers.

Der norwegische Fußball-Erstligist Tromsö IL hat die Nationalmannschaft um Jungstar Erling Haaland zu einem Boykott der WM 2022 in Katar aufgerufen. "Es ist an der Zeit, Stopp zu sagen", betonte Klubchef Öyvind Alapnes angesichts der "unwürdigen Arbeitsbedingungen" beim Bau der WM-Arenen im Wüstenstaat. Der bisherige Weg des Dialogs habe "zu nichts geführt", ergänzte Ex-Nationalspieler Tom Högli.

In Strömsgodset IF hat sich dem Vorstoß schon ein weiterer Erstligist angeschlossen. Auch Rekordmeister Rosenborg Trondheim, Stabaek IF sowie Odds BK wollen diesen Schritt diskutieren. Der Verband (NFF) hält jedoch nichts von einem Boykott, solange Norwegen damit alleine dastehe, wie Präsident Terje Svendsen zuletzt sagte.

Nationaltrainer Stale Solbakken nannte die jüngsten Berichte über mehrere Tausende tote WM-Arbeiter in der Zeitung "Verdens Gang" "total inakzeptabel" und "richtig schrecklich". Doch auch er äußerte Zweifel an der Wirkungskraft eines Boykotts. "Das ist dasselbe, als würde man behaupten, dass Streiks nichts bringen", hält Tromsös Ruben Yttergard Jenssen dagegen. Der frühere Nationalspieler glaubt, vom norwegischen Beispiel könne ein "Schneeballeffekt" ausgehen, der andere Länder mitreiße.

"Guardian": Tausende Tote in Katar

Nach Recherchen des britischen "Guardian" sind in Katar, dem Gastgeberland der Fußball-Weltmeisterschaft 2022, in den vergangenen zehn Jahren mehr als 6500 Arbeiter aus fünf asiatischen Ländern gestorben. Dabei handele es sich um Arbeiter aus Indien, Pakistan, Nepal, Bangladesch und Sri Lanka, meldete das Blatt. Die Zahlen seien aus Regierungsquellen zusammengetragen worden. Die tatsächliche Zahl der in diesem Zeitraum gestorbenen Migranten sei deutlich höher, da auch aus anderen Ländern Arbeiter in das Emirat kämen, schreibt das Blatt.

Katars Regierungspressestelle erklärte auf Anfrage, in dem Emirat lebten mehr als 1,4 Millionen Menschen aus den genannten Ländern. Zu ihnen gehörten Studenten, Ältere und Arbeiter in verschiedenen Industrien. Weitere Millionen hätten in den vergangenen zehn Jahren in Katar gelebt und seien in die Heimat zurückgekehrt. Von diesen Millionen Menschen sei ein "kleiner Prozentsatz" verschieden, heißt es weiter. Die Sterberate liege in einem Bereich, der für diese Größe und diese demografische Zusammensetzung zu erwarten sei.

Quelle: ntv.de, ses/sid/dpa