Fußball

Umstrittenes Turnier in Katar Seit WM-Vergabe starben 6500 Gastarbeiter

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In Katar entstehen für die Fußball-WM 2022 viele neue n Bauten.

(Foto: imago/MIS)

2010 vergibt die Fifa die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 nach Katar. Die Entscheidung wird seit dem ersten Tag kritisiert. Neue Zahlen sind nicht dazu geeignet, Zweifel zu zerstreuen. Die Fifa und die WM-Gastgeber haben allerdings eine andere Interpretation.

In Katar, dem Gastgeberland der Fußball-Weltmeisterschaft 2022, sind in den vergangenen zehn Jahren nach Recherchen des britischen "Guardian" mehr als 6500 Arbeiter aus fünf asiatischen Ländern gestorben. Dabei handele es sich um Arbeiter aus Indien, Pakistan, Nepal, Bangladesch und Sri Lanka, meldete das Blatt. Die Zahlen seien aus Regierungsquellen zusammengetragen worden. Die tatsächliche Zahl der in diesem Zeitraum gestorbenen Migranten sei deutlich höher, da auch aus anderen Ländern Arbeiter in das Emirat kämen, schreibt das Blatt.

Katars Regierungspressestelle erklärte auf Anfrage, in dem Emirat lebten mehr als 1,4 Millionen Menschen aus den genannten Ländern. Zu ihnen gehörten Studenten, Ältere und Arbeiter in verschiedenen Industrien. Weitere Millionen hätten in den vergangenen zehn Jahren in Katar gelebt und seien in die Heimat zurückgekehrt. Von diesen Millionen Menschen sei ein "kleiner Prozentsatz" gestorben, heißt es weiter. Die Sterberate liege in einem Bereich, der für diese Größe und diese demografische Zusammensetzung zu erwarten sei.

Die Fußball-WM 2022 war 2010 an das reiche Emirat vergeben worden. Das Land steht international immer wieder wegen der Ausbeutung von Gastarbeitern in der Kritik. Katars Regierung erklärt hingegen, dass sie in den vergangenen Jahren mit Reformen die Lage der Arbeiter deutlich verbessert habe. Auch Menschenrechtler räumen Fortschritte ein, mahnen aber, die Reformen würden unzureichend umgesetzt.

Aus den aus Regierungsquellen erhobenen Daten geht nicht hervor, ob oder wo die Verstorbenen auf den zahlreichen Infrastrukturprojekten im Zusammenhang mit der Wüsten-WM eingesetzt waren. Es sei aber wahrscheinlich, dass die Gestorbenen auf einer dieser WM-Baustellen angestellt gewesen sind, sagte Nick McGeehan, Experte für Arbeitsrecht am Golf: "Ein sehr großer Anteil der Gastarbeiter, die seit 2011 gestorben sind, war nur im Land, weil Katar die Vergabe der WM für sich entschied."

Fifa liefert zynische Einschätzung

Das WM-Organisationskomitee sagte auf die Frage nach den Todesfällen bei den Stadionprojekten: "Wir bedauern jede einzelne dieser Tragödien zutiefst und haben jeden Vorfall untersucht, um sicherzustellen, dass Lehren daraus gezogen wurden. Wir haben in dieser Angelegenheit immer Transparenz gewahrt und bestreiten ungenaue Behauptungen über die Anzahl der Arbeiter, die bei unseren Projekten gestorben sind."

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Dem "Guardian" zufolge wurde bei 69 Prozent der Gestorbenen aus Indien, Nepal und Bangladesch eine natürliche Todesursache angegeben. Bei den Gastarbeitern aus Indien seien es 80 Prozent gewesen. Nach Einschätzung der britischen Zeitung ist diese Todesursache häufig auf akutes Herz- oder Lungenversagen zurückzuführen. Der "Guardian" verweist dabei auf die starke Hitze in Katar während des Sommers. Katars Regierung führt hingegen an, dass in den Sommermonaten die Arbeit unter freiem Himmel in den Mittagsstunden untersagt ist.

Das WM-Organisationskomitee hat in seinen regelmäßigen eigenen Berichten seit 2015 den Tod von mehr als 30 Arbeitern gemeldet, die beim Bau von Stadien im Einsatz waren. Die allermeisten Fälle davon ständen nicht in Zusammenhang mit der Arbeit auf den Baustellen. Die Fifa hatte auf "Guardian"-Anfrage gesagt, man fühle sich nachdrücklich verpflichtet, die Rechte der Arbeiter bei Fifa-Projekten zu schützen. Grund für Bedenken sieht der Weltverband aber nicht, im Gegenteil: "Die Häufigkeit der Unfälle auf den Baustellen der Fifa-WM war bis jetzt niedrig im Vergleich zu anderen großen Bauprojekten auf der Welt." Wie die Fifa zu dieser Einschätzung kommt, belegte sie nach Angaben des "Guardian" jedoch nicht.

Quelle: ntv.de, ter/dpa