Fußball

Wut-Kritik und Mentalitätsfrage Kimmich knöpft sich den FC Bayern vor

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Joshua Kimmich ist wütend.

(Foto: dpa)

Das war deutlich. Wie schon beim 0:5 Ende Oktober beim Pokal-Knockout in Mönchengladbach kam der FC Bayern auch beim 2:4 beim Aufsteiger aus Bochum mächtig unter die Räder. Das nahm Joshua Kimmich zum Anlass, an der Mentalität des Teams zu zweifeln.

"Oh, wie ist das schön" schallte es von den Rängen, ungläubige Zuschauer in Bochum machten eilig ein Foto von der Anzeigetafel - während die Stars von Bayern München mit betretener Miene vom Rasen schlichen. Drei Gegentore in sieben Minuten kassierte der Bundesliga-Serienmeister beim kleinen VfL, mit dem Endstand von 2:4 (1:4) war das Star-Ensemble von Julian Nagelsmann am Ende einer turbulenten Woche noch gut bedient.

"Das war über das gesamte Spiel unsere schlechteste Saisonleistung", schimpfte Joshua Kimmich bei Sky: "Wir haben alle Tugenden vermissen lassen. Uns passiert das nicht zum ersten Mal in der Saison", fügte der Nationalspieler mit Verweis auf das 0:5 in Mönchengladbach im DFB-Pokal hinzu. Jeder müsse sich fragen, "ob das die Mentalität ist, die der FC Bayern verkörpern will".

Kein erneutes Mega-Comeback

Die Formkurve muss schnell ansteigen, am Mittwoch steht das Achtelfinalhinspiel in der Champions League bei Red Bull Salzburg an. Und schon am Sonntag kann Verfolger Borussia Dortmund in der Liga auf sechs Punkte an den Spitzenreiter heranrücken. Einzig Weltfußballer Robert Lewandowski, dem die beiden Bayern-Tore gelangen (9./75.) erreichte aufseiten des hohen Favoriten Normalform. Der Rest der Mannschaft fand vor allem bis zum Seitenwechsel kaum ins Spiel - auch danach gelang keine Aufholjagd mehr wie 1976, als Beckenbauer, Müller, Hoeneß und Co. an gleicher Stelle ein 0:4 in ein 6:5 verwandelten.

Knapp 46 Jahre später brachte der VfL, der einen großen Schritt Richtung Klassenerhalt machte, den Bayern als erster Aufsteiger seit dem 1. FC Kaiserslautern im August 2010 wieder eine Bundesliga-Pleite bei. Vier Gegentore in der ersten Spielhälfte hatten die Münchner zuletzt 1975 bei Eintracht Frankfurt (Endstand 0:6) kassiert. Christopher Antwi-Adjei (14.), Jürgen Locadia (38., Handelfmeter), Cristian Gamboa (40.) und Gerrit Holtmann (44.) erzielten schon vor der Pause die Tore für unerschrockene und nimmermüde Bochumer - die im Hinspiel mit 0:7 noch ihre höchste Bundesliga-Niederlage erlitten hatten.

"Gala-Spiel" für den VfL

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"Das war für uns ein Gala-Spiel", sagte VfL-Kapitän Anthony Losilla. "Relativ früh" habe er gemerkt, dass etwas möglich ist: "Irgendwann hat alles geklappt." Beide Teams traten ohne ihre Stammtorhüter an. Bochums Manuel Riemann hat sich mit Corona infiziert, Nationalkeeper Manuel Neuer fehlt dem FC Bayern nach einer Knie-OP voraussichtlich mehrere Wochen. Nagelsmann vertraute im Tor auf Sven Ulreich, vor ihm spielte Niklas Süle im Abwehrzentrum. Der Nationalverteidiger wechselt im Sommer ablösefrei zum BVB, wie am Montag bekannt wurde. Das sei aber "kein Grund, ihn auf die Tribüne zu setzen", sagte Nagelsmann.

Wer nach Lewandowskis 0:1 (9.) an einen normalen Spielverlauf glaubte, sah sich getäuscht: In der 14. Minute überrumpelte der VfL den hohen Favoriten bei einem Konter, Holtmann ließ Dayot Upamecano stehen und spielte ins Zentrum, wo Antwi-Adjei dem trägen Süle das Nachsehen gab. Die Bayern rangen um Dominanz, es fehlte aber an Frische und Esprit. Upamecano sprang der Ball im eigenen Strafraum an die Hand, Winter-Zugang Locadia überwand Ulreich vom Punkt. Bochum war nun im Rausch. Gamboa zog von rechts nach innen und traf in den Winkel, Holtmann erzielte von links das nächste Traumtor. Nagelsmann reagierte, brachte in Corentin Tolisso einen weiteren Sechser und nahm den überforderten Upamecano vom Platz. Der Bayern-Druck wuchs, aber nicht ausreichend.

Quelle: ntv.de, tno/sid

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