Fußball

Profi trennt sich von Berater Kimmich macht einen radikalen Schnitt

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Joshua Kimmich spricht jetzt ungefiltert mit seinen Bossen.

(Foto: Ulmer/Pool)

Im Fußball geht es um viele Millionen Euro, viele davon kassieren Berater. Die müssen dafür für ihre Schützlinge das Beste oder wenigstens das meiste rausholen. Mit Joshua Kimmich entscheidet sich ein Nationalspieler nun, dass er das besser kann.

Fußball-Nationalspieler Joshua Kimmich hat sich von seiner Beratungs-Agentur fair-sport GmbH mit sofortiger Wirkung getrennt. "Das ist eine bewusste Entscheidung, die ich bereits im vergangenen Jahr getroffen habe", sagte der 26 Jahre alte Mittelfeldspieler des deutschen Rekordmeisters Bayern München der "Bild"-Zeitung.

Der Bayern-Star wird somit auch seine Verhandlungen mit dem FC Bayern über eine Verlängerung seines 2023 auslaufenden Vertrags zukünftig selbst führen. "Ich habe für mich entschieden, dass ich noch stärker für meine Werte und meine Ansichten einstehen und meiner Eigenverantwortung gerecht werden will. Zudem bin ich davon überzeugt, dass ich meine eigenen Positionen inhaltlich gegenüber anderen am besten vertreten kann", sagte er.

Gespräche über viele Millionen Euro

Kimmichs Schritt ist im Milliarden-Business Fußball außergewöhnlich, beinahe radikal. Wie groß der Einfluss von Beratern dieser Tage ist, erlebte Kimmich kürzlich in der eigenen Kabine. Beim FC Bayern hatte zuletzt der letztendlich gescheiterte Vertragspoker rund um Verteidiger David Alaba für viel Ärger gesorgt. "Wir haben Alaba den roten Teppich ausgerollt und sind an unsere Grenzen gegangen", sagte der künftige Klubchef Oliver Kahn hinterher der "Sport Bild". Alaba und "speziell sein Berater Pini Zahavi" seien aber nicht über diesen Teppich gegangen: "Also haben wir ihn irgendwann wieder eingerollt." Die Schuld für die gescheiterten Verhandlungen schob Kahn in erster Linie Zahavi in die Schuhe. "Wenn Berater nicht wahrhaben wollen, dass wir uns in einer Zeit befinden, die für den ganzen Fußball sehr schwierig ist und sehr existenziell werden kann, dann entsteht so eine Situation."

In Dortmund sorgt derzeit Mino Raiola für Nervosität. Der bekannteste Vertreter der Beraterbranche, mit einem beeindruckenden Portfolio internationaler Topstars, arbeitet dieser Tage überaus öffentlich daran, den Abgang seines Mandanten Erling Haaland vom BVB vorzubereiten. In Spanien, wo mit dem FC Barcelona und Real Madrid zwei Interessenten für den Norweger sitzen, kursieren schon Summen, die Raiola erlösen möchte: Demnach beansprucht der Agent für sich ein Honorar in Höhe von 20 Millionen Euro. Selbige Summe soll an Alf-Inge Haaland, den Vater des BVB-Stars, als Handgeld gehen. Als Gehalt stelle sich Raiola sogar 30 Millionen Euro netto pro Jahr für Haaland vor.

Dimensionen, in denen sich Kimmich in den anstehenden Gesprächen mit seinen Vorgesetzten wohl nicht bewegen wird. Seinen Wert kennt der Weltklasse-Mann und Wortführer natürlich dennoch. Finanziell dürfte Kimmich mit seinem nächsten Vertrag in die Riege der Topverdiener um Kapitän Manuel Neuer und Weltfußballer Robert Lewandowski aufsteigen wollen.

Kimmich spielt seit 2015 für den FC Bayern, seit seiner letzten Vertragsverlängerung 2018 hat sich der ehemalige Stuttgarter und Leipziger zu einem der weltbesten Spieler auf seiner Position und zum Anführer im Bayern-Kader entwickelt. Sein Trainer Hansi Flick sieht ihn als kommenden Weltfußballer: "Ja, das traue ich ihm schon zu", sagte Flick im März. "Er ist technisch sehr versiert, hat ein taktisches Verständnis, das ist auf diesem Niveau herausragend. Deswegen kann ich mir sehr gut vorstellen, dass er irgendwann einmal da an erster Stelle steht. Und mit Sicherheit hat er auch den Ehrgeiz."

Wert und Werte

Und dem meinungsstarken Nationalspieler geht es ja auch ausdrücklich nicht nur um seinen Wert, sondern auch um seine Werte. Jüngst nahm Kimmich sich und seine prominenten Kollegen wegen der Katar-WM 2022 in die Pflicht: "Für einen Boykott ist es ungefähr zehn Jahre zu spät. Die Gedanken hätte man sich machen müssen, als die WM an Katar vergeben wurde. Jetzt steht die WM direkt vor der Tür, jetzt geht es darum, dass wir die Chance und unsere Strahlkraft nutzen, auf die Dinge hinzuweisen. Wir als Fußballer sind da in der Verantwortung."

Im März vergangenen Jahres hatte Kimmich gemeinsam mit seinem FC Bayern-Kollegen Leon Goretzka die Aktion "We Kick Corona" ins Leben gerufen, mit der "karitativen, sozialen oder medizinischen Einrichtungen geholfen werden (soll), die aufgrund der Pandemie auf sofortige Hilfe angewiesen sind." Inzwischen wurden von prominenten Kollegen und anderen Spendern mehr als fünf Millionen Euro gesammelt, Goretzka und Kimmich wurden für ihr Engagement im Februar mit dem Fair Play Preis des Deutschen Sports ausgezeichnet.

"Leon Goretzka und Joshua Kimmich sind nach eigener Aussage 'nicht nur Nationalspieler, sondern Teil unserer Gesellschaft, die mehr denn je aufgefordert ist, zusammenzuhalten und Verantwortung zu übernehmen'. Mit #wekickcorona haben sie bewiesen, dass junge Profifußballer auch bereit sind, für die Gemeinschaft einzutreten. Das ist äußerst bemerkenswert und von daher auszeichnungswürdig", erklärte Erich Laaser, Präsident des Verbands Deutscher Sportjournalisten (VDS).

fair-sport-Geschäftsführer Joannis Koukoutrigas kommentierte den Schritt seines einst prominentesten Schützlings gelassen. "Joshua weiß genau, wie wir seit seinem 14. Lebensjahr für ihn als Spieler, aber auch als jungen Menschen und Privatperson professionell und mit riesigem Einsatz gearbeitet und ihn unterstützt haben", sagte er der "Bild"-Zeitung. "Auch deshalb sind wir sehr entspannt, so ist das Fußballgeschäft. Und unser Ansporn ist es, den nächsten Joshua Kimmich zu entwickeln."

Quelle: ntv.de, ter

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