Fußball

Hertha revidiert Degradierung Klinsmann ist weg - Torwarttrainer wieder da

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Jürgen Klinsmann hinterlässt bei Hertha viel Chaos. Co-Trainer Markus Feldhoff (im Hintergrund) darf bleiben - und Torwarttrainer Zsolt Petry bekommt direkt seinen Posten zurück.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Als Jürgen Klinsmann im November 2019 seinen Job als Trainer bei Hertha BSC antritt, muss Torwarttrainer Zsolt Petry gehen. Nun ist es andersherum: Der Fußball-Bundesligist revidiert die Personalentscheidung im Trainerstab, die offenbar nur auf einer Kränkung Klinsmanns basierte.

Jürgen Klinsmann und Zsolt Petry - diese beiden Namen sind nun für immer miteinander verbunden. Am 27. November 2019 wurde bei Fußball-Bundesligist Hertha BSC der neue Trainer Klinsmann vorgestellt. Der teilte gleichzeitig mit: Petry ist nicht länger Torwarttrainer des Klubs. Nur 76 Tage später gab Klinsmann überraschend auf - und schon ist Petry wieder im Amt. Denn Hertha revidierte die allererste Personalentscheidung des Mannes, der jetzt wieder seinen eigentlich vorgesehenen Posten im Aufsichtsrat übernehmen will.

Von Hertha gab es lediglich einen Dreizeiler über die Personalentscheidung - der 53-Jährige ist zurück im Amt. Der Ungar Petry nahm nun die Spieler in die Pflicht. "Die Profis dürfen sich nicht davon abhängig machen, wer da vorne steht", sagte der Ungar nach seinem ersten Training des Berliner Fußball-Bundesligisten seit der Rückkehr. "Es war keine Katerstimmung, aber auch keine Euphorie. Sie wissen, dass sie selber die Arbeit leisten müssen - unabhängig davon, wer da vorne steht."

Petry gilt als fachlich überaus kompetent und ist im Team beliebt. Auch deswegen hatte Klinsmanns Antrittsentscheidung für Irritationen gesorgt. "Es ist sehr, sehr gut, die Jungs wieder zu sehen und wieder mit ihnen zu trainieren", sagte Petry nun. "Es passiert mal in einer Trainerkarriere. Solange du Vorgesetzte hast, muss man damit rechnen, dass du von deinem Job entfernt wirst. Er hat sich für andere Kollegen entschieden, das muss man akzeptieren und respektieren." Stammtorhüter Rune Jarstein hatte dem "Kicker" gesagt: "Ich habe Zsolt sehr viel zu verdanken. Ohne ihn wäre ich nicht in Berlin. Ohne ihn wäre ich nicht der Torhüter, der ich bin. Wir haben ein besonderes Verhältnis."

Klinsmanns Retourkutsche?

Doch Klinsmann installierte lieber in Absprache mit dem DFB für vier Wochen den Bundestorwarttrainer Andreas Köpke und setzte dann auf Max Steinborn, der zuvor die U23 trainiert hatte. Viele hatten die Ausbootung Petrys als Retourkutsche Klinsmanns aufgefasst. Schließlich hatte der Ungar zwischen 2017 und 2019 auch mit dessen Sohn Jonathan gearbeitet - und ihn im März 2018 kritisiert. Damals sagte er: "Das seriöse, ernsthafte, fokussierte, deutsche Arbeiten hat ihn noch nicht ganz erreicht, da ist noch zu viel Amerikanisch drin. Die Persönlichkeitsentwicklung ist etwas hängengeblieben."

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(Foto: imago/Matthias Koch)

Offiziell lobte Jürgen Klinsmann Petry: "Zsolt hat einen gigantischen Job gemacht. Jonathan ist hier zum Mann geworden." Seinen Sohn hatte er in seiner Zeit als Hertha-Trainer nicht im Kader. Im Sommer 2019 war Jonathan Klinsmann ablösefrei zum FC St. Gallen in die Schweiz gewechselt. In Berlin konnte er sich nie durchsetzen und spielte in keinem Pflichtspiel für Hertha BSC. Auch in der Schweiz kommt der 22-Jährige nicht zu regelmäßigen Einsätzen.

Trotz des öffentlichen Lobes setzte Jürgen Klinsmann bei seinem Amtsantritt Ende November durch, dass Petry das Team verlässt. Der trainierte seit Januar die U17. Von Manager Michael Preetz habe er aber die Garantie bekommen, in den Profi-Stab zurückkehren zu können. Nun ist es soweit - schneller als alle erwartet hatten.

Jürgen Klinsmann will "mehr Power" und ist unzufrieden damit, wie bei deutschen Fußball-Klubs die Aufgaben verteilt sind. Die Konsequenz: der 55-Jährige tritt als Trainer bei Hertha BSC zurück. Allerdings bleibt er im Aufsichtsrat. Spekulationen über ein Nachtreten gegen Manager Preetz weist er aber zurück.

Klinsmann ist vor 76 Tagen als Trainer angetreten, um Hertha BSC vor dem Abstieg aus der Bundesliga zu retten. Vor allem aber, um aus dem Verein einen Großstadtklub, eine internationale Top-Kraft zu machen. Nun schmeißt Jürgen Klinsmann hin. Ein Desaster. Unseren Kommentar dazu lesen Sie hier.

Der 55-jährige Trainer spricht mit dem Investor, nicht aber mit dem Klub. Nun setzt er sich wieder in den Aufsichtsrat und soll nun aufpassen, dass Manager Michael Preetz das viele Geld richtig ausgibt. Eine Soap? Willkommen bei Hertha BSC. Unsere Analyse erwartet Sie hier.

Quelle: ntv.de, ara