Fußball

Wenig Macht, viel Widerstand Klinsmann nennt Gründe für seinen Rücktritt

Jürgen Klinsmann will "mehr Power" und ist unzufrieden damit, wie bei deutschen Fußball-Klubs die Aufgaben verteilt sind. Die Konsequenz: der 55-Jährige tritt als Trainer bei Hertha BSC zurück. Allerdings bleibt er im Aufsichtsrat. Spekulationen über ein Nachtreten gegen Manager Preetz weist er aber zurück.

Zu wenig Macht, zu viele Widerstände: Wenige Stunden nach seinem aufsehenerregenden Rücktritt als Trainer von Fußball-Bundesligist Hertha BSC hat Jürgen Klinsmann konkrete Gründe für diesen Schritt genannt. "Es gab einfach verschiedene Denkweisen und vor allem verschiedene Kulturen. Und verschiedene Arten der Herangehensweise", sagte der 55-Jährige im Interview mit der "Bild"-Zeitung und fügte an: "Natürlich geht es auch um die Kompetenzverteilung."

Der Weltmeister von 1990 präzisierte: "Nach meinem Verständnis sollte ein Trainer - nach dem englischen Modell - die gesamte sportliche Verantwortung tragen. Also auch über Transfers. Das gibt der Position wesentlich mehr Power. Das hat sich in Deutschland mit Sportvorständen und Direktoren anders entwickelt. Da finde ich mich nicht wieder. Es geht viel zu viel Energie verloren für Dinge, die außerhalb des Spielfeldes liegen."

Abschied war nicht spontan

Der frühere Bundestrainer, dessen Rückzug via Facebook nach nur 76 Tagen im Amt gar die Hertha-Medienabteilung übertölpelt hatte, erklärte weiter, es habe sich um "keine Spontan-Entscheidung" gehandelt. Er habe vielmehr "schon länger das Gefühl, dass es in dieser Form nicht funktioniert". Zuletzt hatte es immer wieder Differenzen zwischen Klinsmann und Manager Michael Preetz, auch um die Kaderplanung, gegeben.

Medienberichte, wonach Klinsmann wegen Dissonanzen über seine Zukunft den Schlussstrich gezogen habe, wies der einstige Weltklassestürmer allerdings zurück: "Ich hatte ja nicht einmal eine schriftliche Vertragsvereinbarung für diese Saison. Richtig ist: Wir haben mal über eine mittelfristige Zusammenarbeit gesprochen und über die Kompetenzen diskutiert."

"Situation verschlechtert"

Eine Zusammenarbeit wenigstens bis zum Saisonende sei für ihn letztlich nicht mehr infrage gekommen. "Wir haben in den vergangenen Tagen deutliche Reaktionen und Anzeichen bekommen, dass sich die angesprochene Situation nicht verbessert, sondern eher noch verschlechtert. So schwer mir der Entschluss fällt: Die letzten Wochen haben viel zu viel Energie gekostet, die in Nebensächlichkeiten verbraucht wurden", erklärte Klinsmann.

Kritik an den Ergebnissen ließ er nach zwölf Punkten aus neun Spielen und Tabellenplatz 14 nicht gelten. Er habe "ein Himmelfahrtskommando übernommen" und "nur in einem Spiel schlechter abgeschnitten als gehofft", sagte Klinsmann, der zunächst in seine Wahlheimat USA zurückkehren wird.

Er kündigte aber an, weiter als Aufsichtsrat sowie als sportlicher Berater von Tennor, der Firma von Hertha-Großinvestor Lars Windhorst, tätig zu sein. Dass er in dieser Rolle den ihm zuletzt überstellten Manager Michael Preetz feuern könnte, wies Klinsmann von sich: "Ich feuere niemanden. Es geht um die Zukunft von Hertha BSC und Berlin."

Klinsmann ist vor 76 Tagen als Trainer angetreten, um Hertha BSC vor dem Abstieg aus der Bundesliga zu retten. Vor allem aber, um aus dem Verein einen Großstadtklub, eine internationale Top-Kraft zu machen. Nun schmeißt Jürgen Klinsmann hin. Ein Desaster. Unseren Kommentar dazu lesen Sie hier.

Der 55-jährige Trainer spricht mit dem Investor, nicht aber mit dem Klub. Nun setzt er sich wieder in den Aufsichtsrat und soll nun aufpassen, dass Manager Michael Preetz das viele Geld richtig ausgibt. Eine Soap? Willkommen bei Hertha BSC. Unsere Analyse erwartet Sie hier.

Quelle: ntv.de, tsi/sid