Fußball

Maximal-Anspruch mit Mini-Kader Kovac kontert Rummenigges Druck

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Die Ansprüche an Niko Kovac und seine Fußballer des FC Bayern werden in dieser Saison nicht kleiner.

(Foto: imago images / Sven Simon)

Niko Kovac hat eine Nachricht für die Bosse. Auf konkrete Wünsche verzichtet der Trainer des FC Bayern aber Präsident Uli Hoeneß, Sportdirektor Hasan Salihamidzic und Karl-Heinz Rummenigge nimmt er in die Pflicht. Der Vorstandschef hatte zuvor den Druck auf Kovac erhöht.

Mindestens mal für die Atmosphäre beim FC Bayern scheint Fiete Arp (der Jann ist ihm nicht wichtig) ein echter Coup für Münchens erfolgreichsten Fußball-Bundesligisten. Soweit, erklärte das Sturmtalent, laufe bislang alles gut mit der Eingewöhnung in der neuen Heimat. Nur mit der Sprache, da tue er, der Bad Segeberger, sich noch ein bisschen schwer. "Wenn die Eigengewächse den bayerischen Plausch auspacken, wird's schon schwer, mitzukommen." Gut für ihn: Trainer Niko Kovac, hat's auch nicht so mit diesem Dialekt, also dürfte der 19-Jährige bei seiner offiziellen Vorstellung klar verstanden haben, wie seine Rolle aussieht: "Er ist sicherlich ein Spieler, der in seinem Jahrgang seinesgleichen sucht", sagte Kovac. "Er soll die Chance erhalten, hier oben Minuten zu bekommen, aber auch in der 2. Mannschaft soll er spielen." Früher oder später solle er aber dann auch Stammspieler im Profiteam werden.

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Status klar geregelt. Auch im aktuell noch rumpfigen Kader der Münchener. Der zählt 17 Feldspieler, mit dabei Jérôme Boateng, dem Klub-Präsident Uli Hoeneß nach der vergangenen Saison in aller Freundschaft einen Wechsel empfahl. Mit dabei auch immer noch Renato Sanches, der Gott bereits gedankt hatte, dass das Kapitel beim Fußball-Rekordmeister zugeschlagen werde. Mit dabei aber eben auch Arp und der Jung-Kanadier Alphonso Davies, der als zehn Millionen-Euro-Transfer in der Rückrunde vornehmlich die Qualität und Quantität im Training aufrechthielt. Beide Spieler sind auch nun in der neuen Saison nicht für tragende Rollen vorgesehen. "17 Mann, das wird nicht ganz reichen", so Kovac. Die Erinnerung macht weise: Zu Beginn der vergangenen Saison verletzten sich drei potenzielle Stammkräfte schwer. Mit "19 bis 20 Spielern", möchte der Trainer daher erneut gerne planen. "Da sind dann aber auch Spieler wie Arp, Davies oder Lars Lukas Mai dabei. Drei, vier Junge brauchst du." Kovac' Rechnung: 16 gestandene Profis, vier Talente. Die aktuelle Wahrheit im Kader: 15 Etablierte - zwei sehr unzufrieden (siehe oben) und zwei auf dem langen Weg zurück nach schweren Verletzungen - und drei Talente.

Konkurrenzkampf? Eher schwierig. Bestensfalls noch in der Innenverteidigung, wo neben dem neuen Abwehrchef Niklas Süle mit den beiden neun verpflichteten Weltmeistern Benjamin Pavard und Lucas Hernández ein Duell "drei für zwei" auskonkurriert wird. Der zuletzt eher desinteressierte Boateng ist zwar auch noch da und wird laut Kovac mit der für alle geltenden "Aufmerksamkeit" und auch mit Einsätzen bedacht, doch ein großes Comeback des Weltmeisters wirkt nicht realistisch. Ähnliches galt offenbar auch für Mats Hummels, der in diesem Sommer überraschend zum BVB zurückgekehrt ist. "Er ist am Saisonende an uns herangetreten und hat gefragt, wie sieht der Status quo in der neuen Saison aus." Auch wenn "Mats richtig gut gespielt hat", so lautete die Antwort: "Niklas Süle hat das fantastisch gut gemacht. Und wir haben mit Lucas Hernández einen Spieler geholt, der 80 Millionen Euro gekostet hat, den wir auf der Innenverteidigung sehen. Konkurrenzkampf bedeutet, dass der bessere spielt", erklärte Kovac nun. Dem Duell mit dem Franzosen wollte sich Hummels demnach nicht stellen: "In dem Fall war Mats der Meinung, dass er dem aus dem Weg gehen möchte."

Vater Hummels beklagt Wertschätzung

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Dessen Vater Hermann, auch der Berater des 30-Jährigen, hatte den Wechsel nach Dortmund vergangene Woche gegenüber der "Sport Bild" noch ganz anders begründet: "Ein Spieler wird in der Regel mit zwei Währungen bezahlt: Zum einen ist es das Gehalt, zum anderen die Wertschätzung. Dabei hat jeder Spieler unterschiedliche Vorlieben. Bei uns spielt die Wertschätzung eine sehr wichtige Rolle." So ist Hummels dann auch direkt als Führungsspieler für den ausgerufenen Meisterschaftstraum des BVB vorgesehen. Trotz üppiger Konkurrenz in der Innenverteidigung.

In München wird dagegen (vorerst) von einem Mini-Aufgebot Maximales gefordert. Ein Team steht da, das die größte Sehnsucht des Klubs stillen muss: den sechsten Titel in Europas wichtigstem Klubwettbewerb. "Der Klub lechzt nach der Champions League", erklärte der Vorstandschef im Bundesliga-Sonderheft von "Sport1". Er habe "den Eindruck, dass es von Jahr zu Jahr schwieriger wird, diese Trophäe zu gewinnen. Trotzdem: Die Anstrengung Champions League ist immer wieder die 'Benchmark' und das hat weltweit natürlich eine wahnsinnige Ausstrahlung".

Auftrag und bereitgestellte Mittel - das mag so derzeit nicht zueinandergehen. Kovac, der in der letzten Saison, schon regelmäßig mit Rummenigge'schen Ansagen zu kämpfen hatte, konterte höflich. Das Double möchte er gerne verteidigen, international sehr viel besser abschneiden als zuletzt. Der Titel in der Champions League sei dabei "natürlich das Ziel". Gleichzeitig schraubte er die Erwartungen radikal herunter. "Es wird immer schwieriger. Wir müssen gegen Staaten ankämpfen, gegen Milliardäre." Vielen Konkurrenten stehe "viel mehr Geld zur Verfügung". Außerdem: Nach den drei Landesmeistertiteln  1974, 1975 und 1976 habe es für die Bayern in 43 Jahren auch nur zweimal auf Europas Thron gereicht. Zuletzt 2013. Nun halt der nächste Anlauf - mit einem Kovac-Konter und einem Auftrag an die fordernden Bayern-Bosse: "Ich vertraue unseren Chefs, dass da noch was an Verstärkungen kommen wird." Bedarf sieht er auf allen Positionen im Feld, die offensiven Außen flehen aber am vehementesten nach neuen Kräften.

Sané? "Ja. Punkt. Ausrufezeichen"

Nach Leroy Sané beispielsweise. Der extrovertierte und mutmaßlich sehr teure Nationalspieler ist ein bisher unerfüllter Traum in München. Und ein Fußballer, der als absolute Wunschlösung des Trainers für das Flügelproblem durchgeht. "Ja. Punkt. Ausrufezeichen" - diesen unmissverständlichen Dreiklang stimmte Kovac auf die Tauglichkeit des Nationalspielers für das Bayern-Spiel an. Und das ist ja spätestens seit Louis van Gaal auf starke Außen ausgerichtet. Ein Ära leitete der Niederländer ein, prägend wurde sie allerdings erst ohne ihn. Und prägend solle die bleiben, findet Rummenigge. Als bekennender Nicht-Kovac-Anhänger erklärt er nun mit Vehemenz: "Ich glaube erstmal, dass sich ein Trainer der Spielkultur eines Klubs anpassen muss - und nicht umgekehrt. Am Ende des Tages muss es ein Bayern-System geben, wie es ein Barcelona-System gibt." Mit diesem System sei Bayern "über Jahre und mit unterschiedlichen Trainern sehr erfolgreich" gewesen und dieses System "beinhaltete spektakulärsten Fußball".

Den muss Kovac in dieser Saison liefern. Und das konstant. Eine ähnlich brachiale Herbstkrise wie 2018 wird der Trainer nicht überstehen - trotz der Doubleempfehlung. Allerdings wähnt der Trainer die Pflege der fußballerischen Klubidee bereits eingeleitet und in Teilen erfolgreich umgesetzt. Man habe diese Philosophie nach einem holprigen Herbst in der zweiten Saisonhälfte sehen können: "Wir hatten einen hohen Wiedererkennungswert der Marke Bayern München. Aber es geht natürlich immer besser."

Quelle: n-tv.de

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