Fußball

"Das hat er nie wieder gemacht" Lahm: Guardiola ließ Spieler entscheiden

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Trainer Josep Guardiola versteht sich gut mit seinem Spieler aus Bayern-Zeiten, Philipp Lahm.

(Foto: imago/Sportfoto Rudel)

Ende April ist der FC Bayern gegen Real Madrid aus der Champions League ausgeschieden. Ende April 2014 passierte das gleiche. Danach musste Trainer Josep Guardiola viel Kritik ertragen. Völlig zu unrecht, wie Philipp Lahm nun erklärt.

Fußballer entscheiden über die Taktik für das anstehende Spiel: In unterklassigsten Teams ist das vielleicht nichts Ungewöhnliches. Doch nun offenbart der Kapitän des FC Bayern München, Philipp Lahm, im Interview mit der "Zeit", das n-tv.de vorab vorlag, dass auch Trainer Josep Guardiola in seiner ersten Bayern-Saison auf den Rat seiner Spieler vertraut hat.

Nicht im ersten Ligaspiel, nicht Ende März, als die Meisterschaft bereits entschieden war, - sondern ausgerechnet im Champions-League-Halbfinale 2014. Der FC Bayern verlor das Rückspiel zu Hause gegen Real Madrid mit 0:4 (Hinspiel: 0:1). "Pep hatte sechs Spieler von uns zu sich geholt vor dem Spiel und hat gefragt, wie wir agieren wollen. Die Mannschaft war anderer Meinung als er. Zu diesem Zeitpunkt war Guardiola der Meinung, die Spieler müssen sich wohlfühlen, also hat er entschieden, wir spielen so, wie die Mannschaft es wollte", beschreibt Lahm die damalige Situation.

Dieses Geständnis ist durchaus eine Überraschung: Denn bis zu diesem Interview hat niemand je darüber gesprochen. Guardiola selbst hatte nach dem Spiel die Schuld komplett auf sich genommen: "Das war ein Riesenfehler vom Trainer. Der Trainer hat es nicht gut gemacht. Wir hatten nur Basti (Schweinsteiger) und Toni (Kroos) im Mittelfeld, da kannst du Madrid nicht kontrollieren", sagte er nach dem Spiel. Mehr noch: "Ich bin aber weiter stolz auf meine Spieler."

"Der plant den ganzen Tag vor sich hin"

Nach dieser Niederlage am 29. April 2014 sei es von Experten so ausgelegt worden, "als funktioniere sein System nicht", kritisiert Lahm. "Aber eigentlich war es gar nicht sein System. Jeder hätte sehen können, dass das niemals Peps Spiel sein konnte." Tatsächlich gab es nach diesem verlorenen Spiel Diskussionen über das System. Daran beteiligten sich sogar Teile der Mannschaft - obwohl sie doch hätten wissen müssen, wie es dazu gekommen war.

Sportdirektor Matthias Sammer konnte damals auf Nachfrage nicht feststellen, dass Guardiolas Spielweise für die Mannschaft zu starr ist. Thomas Müller sagte: "Wir sollten nicht gleich das System infrage stellen." Eines, das eben offenbar gar nicht das von Guardiola war. Dabei verteidigte dieser es sogar: Das Ergebnis des Spiels gebe ihm nicht recht, aber er habe es so "gefühlt". Gleichzeitig gab er sich einsichtig: "Wir müssen schauen, ob das mit diesen Spielern das Beste ist. Das muss ich mit dem Klub besprechen."

Eine Entscheidung, die für den Klub lebenswichtig ist, gibt der Trainer ab? Der heute 46-jährige Guardiola gilt als besessen vom Fußball, als Fanatiker. Und er soll extrem selbstkritisch sein: Marti Perarnau, ein Freund, schrieb im "Red Bullentin", dem Magazin des Unternehmens Red Bull, der Trainer habe ihm erklärt: "Du kannst mich kritisieren, so viel du willst, du wirst nie kritischer mit mir sein als ich selbst." Der ehemalige Barcelona-Spieler Xavi sagte über Guardiola: "Der plant den ganzen Tag vor sich hin. Seine Maschine läuft 24 Stunden. Und dann ist er allen anderen zwei Spielzüge voraus."

Mannschaft aus Spaß am Spiel umgestellt

Andererseits sagte Guardiola gegenüber Perernau auch: "Meine Art zu spielen ist meine Art zu spielen. Aber es gibt auch völlig andere, die zum Erfolg führen können." Vielleicht hat er aufgrund dieser Argumentation auch beim FC Bayern versucht, das Spiel variabel zu gestalten. Lahm spricht in der "Zeit" über diverse Ideen Guardiolas: "Er hat oft umgestellt, noch während des Spiels. Manchmal auch, glaube ich, nur so aus Spaß."  So habe er wohl die Mannschaft immer weiterentwickeln wollen, sagt Lahm. Weil Guardiola es konnte, und weil dieser zeigen wollte, dass die Mannschaft es kann. "Wenn es gut lief, wir zum Ende geführt und den Gegner an die Wand gespielt haben, stellte er eben noch mal um, aus Spaß am Spiel."

Doch sich in einem entscheidenden Spiel auf die Meinung der Spieler zu verlassen, das würde Guardiola nicht mehr machen, ist sich Lahm sicher. "Das hat er danach auch nie mehr so gemacht. Und er wird es wohl nie mehr so machen."

Quelle: ntv.de