Fußball

"Geilste, das passieren konnte" Lasogga trifft, der HSV feiert wie von Sinnen

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"Bei jedem Aufwärmen und bei jedem Einsatz spüre ich, dass die Fans hinter mir stehen": Pierre-Michel Lasogga.

(Foto: imago/Moritz Müller)

Nach dem dramatischen Remis auf Schalke feiert der Hamburger SV, als habe er die Champions League gewonnen. Nun haben sie es im Abstiegskampf selbst in der Hand - dank eines Torschützen, der eigentlich nur Statist ist.

Der Weg war weit, aber Pierre-Michel Lasogga ging ihn trotzdem. Genauer: Er rannte wie von Sinnen, vom einen Ende des Rasens in der Schalker Arena zum anderen Ende. Dorthin, wo die Fans des Hamburger SV ihre Plätze hatten und Lasoggas Ausgleich zum 1:1 in der Nachspielzeit feierten. Es war der erste Treffer des Angreifers seit mehr als einem Jahr, das Ende einer frustrierenden Leidenszeit für Lasogga, den Helden vergangener Relegationstage. Um diesen speziellen Moment mit dem Anhang zu teilen, war ihm kein Weg zu weit. "Bei jedem Aufwärmen und bei jedem Einsatz spüre ich, dass die Fans hinter mir stehen. Das wollte ich zurückgeben."

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Danke, danke, danke: Hamburgs Trainer Markus Gisdol und sein Torschütze.

(Foto: imago/Eibner)

Sein Lauf über das ganze Feld an diesem späten Samstagnachmittag war symbolisch für den Ausbruch der Glücksgefühle, den die Hamburger auf Schalke erlebten. Sie lagen lange zurück durch den Treffer von Guido Burgstaller aus der ersten Halbzeit, der erste Abstieg der Vereinsgeschichte nahm immer konkretere Formen an. Als dann doch noch der Ausgleich gelang durch den in dieser Saison zum Statisten degradierten Lasogga, stürzte sich die ganze Mannschaft auf den Torschützen. Trainer Markus Gisdol, die Reservespieler und Betreuer sprangen von der Ersatzbank auf und liefen auf den Platz. Man konnte den Eindruck haben, dass der HSV gerade das Finale der Champions League gewonnen hatte, so überschwänglich war der Jubel.

Die Champions League der Hamburger ist schon seit Jahren der Abstiegskampf in der Fußball-Bundesliga, nach zuletzt drei Niederlagen und einem ähnlich desaströsen 0:0 gegen Mainz steuerte der Klub auf die dritte Relegation in vier Jahren oder Schlimmeres zu, doch durch das Remis auf Schalke hat die Mannschaft die Situation entschärft und sich eine gute Ausgangslage für das letzte Ligaspiel gegen den VfL Wolfsburg im eigenen Stadion erarbeitet. Direkt absteigen können sie nicht mehr, schlimmstenfalls müssen sie wieder in die Entscheidungsspiele gegen den Drittplatzierten der zweiten Liga, im Moment wäre das Hannover 96. Bei einem Sieg gegen Wolfsburg am 34. und letzten Spieltag wären sie gerettet.

"Wir leben"

"Der Druck, direkt abzusteigen, ist weg. Das fühlt sich richtig gut an", sagte Manager Jens Todt. Und Torwart Christian Mathenia brachte die Erkenntnis des Spiels auf Schalke auf eine einfache Formel: "Wir leben." Wieder einmal schicken sich die Hamburger an, dem Abstieg zu entgehen, der nach Ansicht der meisten neutralen Zuschauer schon seit Jahren verdient wäre - und für den der HSV auch in dieser Saison allerhand getan hat. Nach zehn Spielen stand der Klub mit zwei Punkten am Tabellenende. Es folgte ein durchaus beeindruckender Zwischenspurt mit Siegen unter anderem in Leipzig, gegen Hertha, Mönchengladbach, Köln und Hoffenheim - und rechtzeitig zum Saisonfinale wieder der Einbruch mit Niederlagen gegen den Tabellenletzten Darmstadt und dem desaströsen 0:4 in Augsburg.

Und das alles, obwohl der Klub in dieser Saison knapp 45 Millionen Euro für Transfers ausgegeben hat. Nach dem nervenaufreibenden Remis auf Schalke - Sekunden vor dem Ende wurde den Gastgebern ein Tor aberkannt, es wäre das 2:1 gewesen - haben die Hamburger die Chance, das Schlimmste zu verhindern, den ersten Abstieg der Geschichte. "Wir haben ein Endspiel im eigenen Stadion. Das ist das Geilste, das uns passieren konnte", jubelte Verteidiger Dennis Diekmeier mit Blick auf die Partie gegen Wolfsburg. Er wird bei diesem Endspiel allerdings wegen der fünften Gelben Karte fehlen. In der Relegation dürfte er wieder mitmachen. Aber so weit wollen es die Hamburger nicht kommen lassen. "Wir wissen, dass das nur der erste Schritt war, um den Sack zuzumachen", sagte Trainer Markus Gisdol über den Punktgewinn auf Schalke. Der zweite und entscheidende Schritt soll mit einem Sieg im letzten Saisonspiel getan werden. "Mit dem positiven Schwung und unseren geilen Fans im Rücken bin ich überzeugt, dass wir in der ersten Liga bleiben", sagte Diekmeier.

Für die Schalker geht es in der finalen Partie gegen den schon abgestiegenen FC Ingolstadt um nichts mehr. Genau genommen hatte auch das Duell mit dem HSV kaum noch Bedeutung für sie. Also konnte sich der Klub anderen Dingen widmen. Vor dem Spiel zeigten die Fans eine beeindruckende Choreographie, angeblich die größte, die es jemals in der Schalker Arena zu sehen gab, gewürdigt wurde damit der Gewinn des Uefa-Pokals vor 20 Jahren. Und nach der Partie wurde Klaas-Jan Huntelaar verabschiedet, nach sieben Jahre endet seine Zeit auf Schalke, er geht als zweitbester Torjäger der Klubgeschichte nach Klaus Fischer. "Schalke ist mein Verein, der geht unter die Haut, das geht nie wieder weg", rief er den Fans zu.

Trainer Markus Weinzierl konnte sich wegen der Rahmenbedingungen höchstens halbherzig über die verlorenen Punkte gegen den HSV ärgern. So oder so verlief diese Saison enttäuschend für die Schalker. Erstmals seit sechs Jahren verpassen sie das internationale Geschäft. In der kommenden Spielzeit nehmen sie einen neuen Anlauf, ihr Potenzial auf den Rasen zu bringen. Anders als die Hamburger wissen sie schon, in welcher Liga.

Quelle: ntv.de

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