Fußball

"Fußball-Lehrstunde" im Camp Nou Lionel Messi lässt schamlosen BVB staunen

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Lionel Messi war einfach zu viel für Borussia Dortmund.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Der FC Barcelona versprüht nicht mehr den ganz großen Glanz. In der Champions League entführt sogar der krasseste Außenseiter der Gruppe einen Punkt aus dem Camp Nou. Ein ängstlicher BVB darf jedoch nur bewundernd zuschauen, als er vom besten Spieler der Welt zerlegt wird.

"Wir sind in einer Verfassung, in der Siege wichtiger sind als das Spiel", sagte Barcelonas Abwehrchef Gerard Piqué kürzlich, was eine bemerkenswerte Aussage ist für einen Klub, der nach seinem Selbstverständnis "més que un club", also "mehr als ein Verein" ist. Der große FC Barcelona krankt dieser Tage ein wenig an sich selbst, der Glanz ist ermattet, in der Champions League rettete man sich sogar nur mit Mühe zu einem Unentschieden gegen Slavia Prag. "Diese Mannschaft hat kein einziges der charakteristischen Merkmale der besten Teams der Klubgeschichte und lässt keinen Vergleich zu den ehrbarsten Teams Europas zu", hatte die Tageszeitung "El Pais" zuletzt vernichtend analysiert. Es hätte Hoffnung bestanden für Borussia Dortmund, am Mittwochabend etwas aus Camp Nou mitzunehmen. Doch es kam beim 1:3 (0:2) anders, denn es kam mal wieder Messi.

Als das Spiel zwischen dem Bundesligisten und den Katalanen abgepfiffen war, war da mal wieder nur Kopfschütteln aufseiten der BVB-Anhänger, aber auch der interessierten deutschen Fußball-Öffentlichkeit. Diesmal nicht über die Leistung oder die Mentalität des kriselnden Bundesligisten, dafür war die lange zu mutlose Vorstellung zu solide. Nein, das Kopfschütteln galt Lionel Messi, dem Superstar der Katalanen, den "besten Spieler, den ich je gesehen habe", wie BVB-Verteidiger Mats Hummels, immerhin und im Gegensatz zu Messi selbst Weltmeister, hinterher sagte. Und dennoch ist es natürlich erschreckend und deprimierend, wenn der hochdekorierte Innenverteidiger des amtierenden deutschen Vize-Meisters, nach einem 1:3 aufatmet: "Es ist nichts passiert, wofür wir uns als Mannschaft schämen müssen."

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Wieder hatte Dortmund drei Tore kassiert, wie schon am vergangenen Freitag gegen den SC Paderborn. Doch statt darüber zu diskutieren, wie man sich von einem bisher international wenig in Erscheinung getretenen Paderborner Stürmer namens Streli Mamba zwei Gegentreffer hatte einschenken lassen können, drehen sich die Diskussionen heute wohl eher darum, welcher Messi-Moment am Mittwochabend der genialste war. Der direkte Kurz-Steilpass auf Sturmpartner Luis Suarez, mit dem der Argentinier vor dem 1:0 die BVB-Abwehr aushebelte? Der zentimetergenaue Ball, mit dem Messi nach einem kurzen Wackler im Mittelfeld Antoine Griezmann so komfortabel im Strafraum platzierte, dass der Franzose locker das 3:0 mitten in eine Dortmunder Drangphase hinein erzielen konnte? Eine Leistung, die "El Pais" mit Blick auf den seit seinem Wechsel von Atlético kriselnden Franzosen zu einem "Messi erleichtert sogar Griezmann" hinriss. Oder der Freistoß in der 75. Minute, der in einer beinahe perfekten Kurve quer über die staunenden Bewunderer hinweg aufs Lattenkreuz flog?

"Eine Fußball-Lehrstunde, gegeben von Messi"

Das elegante, aber für Messis Verhältnisse eher biedere 2:0 war solides Handwerk. Zumindest, wenn man der beste Spieler der Welt ist. Nicht diskutiert werden müssen die beeindruckenden Zahlen: Der 32-Jährige machte nun sein 700. Pflichtspiel für den FC Barcelona, für den er seit seinem 14. Lebensjahr spielt. 863 Torbeteiligungen stehen seit der Demonstration gegen die armen Dortmunder in der Statistik, 609 Tore erzielte der amtierende Weltfußballer selbst, 114 davon in der Champions League. "Eine Fußball-Lehrstunde gegeben von Messi", hatte die spanische Sportzeitung "Sport" gesehen, einen "brillanten Messi" beobachtete "El Periódico de Catalunya" und Sport1 widmete das Spiel gar zu "Lionel Messis Zauberbühne" um, auf der "Borussia Dortmund lange zum staunenden Statisten degradiert" worden sei.

Die spanische Tageszeitung "El Pais" hatte in der vergangenen Woche einen nicht genannten Barça-Spieler mit den Worten zitiert: "Es ist so, dass der beste Spieler der Welt bei uns spielt, der in der Lage ist, den Ball genau dorthin zu platzieren, wohin er den Blick lenkt." Gegen Dortmund gewann der nur 1,70 Meter große Überspieler sogar Kopfballduelle im Strafraum des BVB.

"Wir haben kein schlechtes Spiel hingelegt, aber auch kein gutes", sagte Hummels. Und erkannte an: "Wenn Lionel Messi den Ball hat, ist es brandgefährlich. Es ist schwer, hier zu spielen." Es war Dortmunder Pech, dass Lionel Messi zu regelmäßig nachweist, dass er zu Recht der beste Spieler ist, den Hummels je gesehen hat. Eine schwache Szene immerhin leistete sich Messi: In der zweiten Halbzeit holte er sich eine Gelbe Karte ab - wegen einer Schwalbe.

Quelle: n-tv.de