Fußball

Beim DFB (noch) nicht überzeugt Löw bestraft Sanés Schludrigkeit

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Aus ist der Traum von der WM: Leroy Sané muss zu Hause bleiben.

(Foto: dpa)

Der endgültige WM-Kader entfacht eine heiße Diskussion: Leroy Sané darf nicht mit nach Russland fahren. Bundestrainer Joachim Löw verzichtet auf den pfeilschnellen Außen. Das klingt paradox, baut aber auf handfesten Gründen.

Der deutsche WM-Kader steht fest, und Leroy Sané ist nicht dabei. Warum, das begründet Bundestrainer Joachim Löw bei der Pressekonferenz zur Bekanntgabe seiner Mannschaft für die Fußball-WM in Russland nicht. Wie er keine seiner Entscheidungen öffentlich begründet. Außer dieser einen Aussage: "Es war wie ein 100-Meter-Lauf bei Olympia und man müsste ein Zielfoto machen, um zu sehen, wer die Nase vorne hat."

Gerade in Bezug auf Sané ist das ein unglücklicher Vergleich, schließlich ist der Außen von Manchester City seit Oktober 2017 schnellster Spieler der Premier League. In der Partie gegen den FC Chelsea werden für ihn 35,48 Kilometer pro Stunde gemessen. Zusätzlich ist er einer der besten Vorbereiter der englischen Liga der gerade zu Ende gegangenen Saison: 15 Torvorlagen gelingen dem 22-Jährigen in der abgelaufenen Saison. Nur knapp besser ist sein belgischer Mitspieler Kevin De Bruyne mit 16 Vorbereitungen. Doch Sané netzt zudem zehn Mal selbst ein (De Bruyne acht Mal). Damit ist er laut dem Sportdaten-Unternehmen "Opta" einer von nur fünf Spielern, denen es in der Premier League gelingt, mindestens zehn Tore zu erzielen und mindestens zehn aufzulegen - er braucht für diesen Wert weniger Spielminuten als alle anderen.

Alles Gründe, warum Löw den gebürtigen Essener dringend mitnehmen sollte zur WM nach Russland. Er tut es aber nicht. Zu Recht: Im Dress der deutschen Nationalmannschaft zeigt er seine unbestritten riesigen Qualitäten bislang einfach nicht.

"Noch nicht ganz angekommen"

In zwölf Einsätzen erzielt er kein Tor und bereitet nur eins vor. Stattdessen agiert er häufig zu eigensinnig. Statt den Ball an Mitspieler zu verteilen, dribbelt er sich fest. Selten sorgt er für Gefahr im Angriff. So ist es im März im Spiel gegen Brasilien, so ist es auch im Test gegen Österreich am vergangenen Samstag (1:2). Nach der Brasilien-Niederlage attestiert Löw gar, dass Sané mit dem Druck, der eben auf einem Nationalspieler laste, nicht wirklich zurecht komme - und der Bundestrainer kritisiert äußerst selten einzelne Spieler. Es hätte dem 22-Jährigen eine Warnung sein sollen. Stattdessen spielt Sané auch gegen Österreich so, wie er es eben nicht sollte: "Einen bleibenden Eindruck, zumindest einen positiven, hat er wieder nicht hinterlassen. Erzielte nach 56 Minuten ein klares Abseitstor, war ansonsten zu ungestüm, um nicht zu sagen: eigensinnig", kritisieren die Kollegen.

In der Nationalmannschaft ist er, anders als bei seinem Klub, nicht gesetzt. Josep Guardiola hat sein Spielsystem auch auf den Einzelspieler Sané ausgerichtet, was Löw für einen potenziellen Einwechselspieler selbstredend nicht macht. Und so passt der 22-Jährige nicht richtig ins Löw'sche Spielsystem. "Er ist vielleicht in den Spielen der Nationalmannschaft noch nicht so ganz angekommen", so Löw. Zumal sich ihm eine Auswahl von gleich vier Linksfüßern bietet: Marco Reus und Julian Draxler sind gesetzt - bleiben Julian Brandt und Leroy Sané. "Am Ende war es eng. Beide haben große Qualitäten", bestätigt dann auch der Bundestrainer selbst.

Löw sagt es nicht, aber vielleicht hat den Ausschlag für Brandt gegeben, dass er eher den Teamplayer gibt. Sané ist schließlich auch bekannt als derjenige, der ein Tattoo von sich selbst auf dem Rücken hat. Der den Confed Cup absagte, um sich an der Nase operieren zu lassen. Der seine Luxusschlitten mehrfach schrottete. Der nicht hart genug an sich selbst arbeitete. Letzteres sagte sogar Guardiola vor einem Jahr: "Seine Vorbereitung war nicht gut. Er hatte es nicht verdient zu spielen." Das sieht Löw für die Zukunft anders: "Leroy hat riesiges Talent, absolut. Er wird auch bald wieder dabei sein, ab September werden wir verstärkt mit ihm arbeiten."

Quelle: n-tv.de

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