Fußball

So läuft's gegen Belarus Löw ist bald auf 180, Werner soll treffen

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Löws Bilanz nach 179 Spielen als Bundestrainer: 115 Siege, 34 Unentschieden, 30 Niederlagen.

(Foto: imago images/Moritz Müller)

Wenn alles einigermaßen normal verläuft, hat sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am Abend für die EM qualifiziert. Vorausgesetzt, sie gewinnt gegen Weißrussland. Abwehrchef Matthias Ginter hat einen Plan: Timo Werner solle seine Tore schießen, "dann sind alle glücklich".

Worum geht's?

Also sprach der Bundestrainer: "Es sind noch zwei Schritte bis zur Tür, die uns zur EM bringt. Die Spiele, das ist unser Anspruch, die wollen wir gewinnen, um einen positiven Abschluss zu haben." Will meinen: Die letzten beiden Länderspiele des Jahres gegen Weißrussland an diesem Samstag in Mönchengladbach und gegen Nordirland am Dienstag in Frankfurt am Main (beide ab 20.45 Uhr bei RTL und im Liveticker bei n-tv.de) soll sein Team gewinnen, damit es in seiner Qualifikationsgruppe C mindestens Platz zwei belegt und dann bei der Europameisterschaft vom 12. Juni bis zum 12. Juli kommenden Jahres mitmachen darf.

Deutschland - Weißrussland, 20.45 Uhr

Deutschland: Neuer (FC Bayern, 33 Jahre/91 Länderspiele) - Klostermann (RB Leipzig, 23/6), Ginter (Borussia Mönchengladbach, 25/28), Koch (SC Freiburg, 23/1), Schulz (Borussia Dortmund, 26/9) - Kimmich (FC Bayern, 24/46) - Gündogan (Manchester City, 29/35), Kroos (Real Madrid, 29/94) - Brandt (Dortmund/23/29), Gnabry (FC Bayern, 24/11), Werner (RB Leipzig, 23/28). Trainer: Löw
Weißrussland: Gutor (Dynamo Brest, 30/15) - Weretilo (Brest, 31/19), Martynowitsch (FK Krasnodar, 32/69), Naumow (Schetissu Taldyqorghan, 30/5), Poljakow (Ural Jekaterinburg, 28/40) - Majewskij (FK Astana, 31/32), Jablonski (Bate Borrissow, 24/4) - Kowalew (Schachtjor Salihorsk, 26/15), Dragun (Borissow, 31/63), Stassewitsch (Borissow, 34/51) - Laptew Brest, 29/21). - Trainer: Marchel
Schiedsrichter: Orel Grinfeld (Israel)

Und sagen wir es so: Das sind zwei Gegner, gegen die die DFB-Elf auch dann gewinnt, wenn viele Spieler verletzt fehlen. In jüngster Zeit war das ja häufiger der Fall. Dieses Mal fehlen Niklas Süle, Leroy Sane, Julian Draxler, Antonio Rüdiger, Thilo Kehrer, Marcel Halstenberg, Marco Reus, Kai Havertz und Torhüter Kevin Trapp. Immerhin sind Jonas Hector, Nico Schulz, Jonathan Tah, Leon Goretzka, Matthias Ginter und Toni Kroos wieder dabei.

Wie ist die Ausgangslage?

Da fragen Sie am besten die Spieler, Joshua Kimmich und Timo Werner zum Beispiel. Die konnten in dieser Woche die Frage nicht beantworten, unter welchen Umständen sich Löws Mannschaft die Teilnahme am ersten paneuropäischen Turnier sichert. Dabei ist es gar nicht so kompliziert: vier Zähler, also ein Sieg und ein Unentschieden aus den beiden Partien reichen auf jeden Fall. Und sollten die Niederländer am Samstagabend gegen die Nordiren mindestens einen Punkt holen und die DFB-Elf gewinnen, ist die Qualifikation schon vor dem letzten Spiel perfekt.

Was sie tatsächlich noch nicht wissen konnten: Weil sich die Franzosen und Engländer direktemang für die EM qualifiziert haben, ist den Deutschen seit Donnerstagabend für den Fall der Fälle ein Platz in den Play-offs sicher. Also für den Fall, dass sie noch auf Platz drei abrutschen sollten. Diesen Fall wollte Ginter vermutlich ausschließen, als er am Donnerstag sagte: "Um Timo mache ich mir keine Sorgen. Der soll seine Tore schießen, dann sind alle glücklich."

Wie ist das deutsche Team drauf?

Der Bundestrainer hat ebenfalls keine Lust, groß herumzurechnen. "Das war nicht das Thema, weil ich alles auf Weißrussland fokussiert habe. Wir müssen das Spiel machen, drei Punkte holen. Dann sieht man, wie die Konstellation ist." Löw steht vor seiner 180. Begegnung in mehr als 13 Jahren in diesem Job. 115 Siegen stehen 30 Niederlagen gegenüber, 34 Mal ging's unentschieden aus. Anders als sonst sagte er am Tag vor der Partie für sieben Positionen, wer in der Startelf steht. Manuel Neuer hütet wie beim mühsamen 2:0 im Hinspiel in Borrissow das Tor, gegen Nordirland am Dienstag ist Marc-André ter Stegen an der Reihe. Für die Partie heute im nicht annähernd ausverkauften Borussia-Park, dem Stadion des Bundesligaspitzenreiters, ist der Mönchengladbacher Ginter in der Innenverteidigung gesetzt. Der sagte: "Es ist ein besonderes Gefühl für mich, erstmals ein Länderspiel im heimischen Wohnzimmer auszutragen."

Weil der Münchner Süle ja nach seinem Kreuzbandriss um seine Teilnahme bei der WM bangt und Rüdiger von FC Chelsea vor einer Woche wegen seiner Leistenprobleme erneut operiert wurde und nun noch länger ausfällt, scheiben nun alle Ginter, neben Neuer und Kroos der einzige im Kader, der sich Weltmeister nennen darf, den inoffiziellen Titel des Abwehrchefs zu. Der findet das gar nicht so schlecht: "Natürlich ist es mein Ziel, wie im Verein auch beim DFB weiter voranzugehen." An seiner Seite könnte Robin Koch vom SC Freiburg verteidigen, da der Leverkusener Jonathan Tah in dieser Woche leicht angeschlagen war. Und der Berliner Niklas Stark sei nach seinem Nasenbeinbruch noch kein Kandidat für die Startelf.

Auf der linken Abwehrseite kommt der Dortmunder Schulz zum Einsatz und damit den Vorzug vor dem Kölner Jonas Hector. "Auf jeden Fall spielen" würden im Mittelfeld Joshua Kimmich vom FC Bayern, Ilkay Gündogan von Man City und Kroos von Real Madrid, der Münchner Serge Gnabry greift an, mutmaßlich mit dem Dortmunder Julian Brandt und besagtem Werner. Und wie ist das Team nun drauf? "Man spürt, die Mannschaft will die Dinge umsetzen. Und die Spieler sind mit hoher Konzentration dabei", sagte der Bundestrainer. Er hat allerdings auch noch nie erzählt, sie seien nicht bei der Sache. Wie dem auch sei: "Wenn wir unsere Möglichkeiten voll einbringen, werden wir das Spiel gewinnen." Ja, was denn auch sonst?

Was machen die Weißrussen?

Im Grunde sind sie ein Fall für die Rechenkünstler Kimmich und Werner. Obwohl die Weißrussen in der Gruppe C mit vier Punkten nur vor Estland auf dem vorletzten Platz der Tabelle stehen, hat die Mannschaft von Trainer Michail Marchel theoretisch die Chance, sich für die EM zu qualifizieren. Völlig egal, dass sie in der Weltrangliste der Fifa zwischen Usbekistan und Gabun auf Rang 86 steht. Es hängt mit der im vergangenen Jahr erstmals ausgespielten Nations League zusammen.

Da hat sich die Uefa etwas Feines ausgedacht: Aus jeder der vier Ligen A bis D nehmen die vier in der EM-Qualifikation bestplatzierten Teams an Play-offs teil, die es in eben jener EM-Qualifikation nicht geschafft haben. Weil auch die am schwächsten besetzte Liga D eine Play-off-Runde bekommt und einen EM-Startplatz ausspielt, haben auch Fußballzwerge die Aussicht auf eine Teilnahme. Stand jetzt würden Georgien, Nordmazedonien, der Kosovo und eben Weißrussland den letzten Turnierplatz ausspielen. Noch Fragen? Sie wissen ja, an wen Sie sich wenden müssen.

Quelle: n-tv.de