Fußball

Stimmen zum Bundesliga-Neustart Löw und Co. begeistert, Politik empört

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"Wichtiger Schritt" für die Nationalspieler: DFB-Trainer Joachim Löw freut sich über den Neustart der Bundesliga.

(Foto: imago images/Eibner)

Der von der Politik beschlossene Re-Start in den Fußball-Bundesligen hat - logischerweise - im deutschen Sport große Zustimmung erhalten. Die Grünen und SPD-Politiker Lauterbach üben dagegen scharfe Kritik. Auch im Netz regt sich Widerstand - und Galgenhumor.

Fritz Keller, Joachim Löw und Karl-Heinz Rummenigge waren sich einig. Das von der Politik erteilte grüne Licht für den Neustart der seit Mitte März unterbrochenen Saison in der 1. und 2. Bundesliga erfreute und erleichterte die Köpfe des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und des deutschen Rekordmeisters Bayern München zugleich. Die Entscheidung sei "ein Vertrauensbeweis der Gesundheitsbehörden und der Politik", sagte DFB-Präsident Keller, Bundestrainer Löw sprach mit Blick auf die Nationalspieler von einem "wichtigen Schritt", und Bayern-Präsident Rummenigge bedankte sich bei der Politik, "dass sie mit ihrer heutigen Entscheidung die Möglichkeit geschaffen hat, die Bundesligasaison zu Ende zu spielen". Natürlich fiel auch bei den restlichen Bundesligisten großer Ballast ab und führte zu ähnlichen Kommentaren.

Zuvor reagierte die Deutsche Fußball Liga (DFL) bereits mit großer Erleichterung. "Die Entscheidung ist eine gute Nachricht für die Bundesliga und die 2. Bundesliga", sagte DFL-Boss Christian Seifert: "Sie ist verbunden mit einer großen Verantwortung für die Klubs und ihre Angestellten, die medizinischen und organisatorischen Vorgaben diszipliniert umzusetzen." Ab wann genau die Geisterspiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit starten, wird am Donnerstag geklärt. Dann versammeln sich die 36 Klubchefs virtuell.

"Extra-Stadionwurst"

Großes Unverständnis für die Entscheidung gab es hingegen aus der politischen Opposition, bei Bündnis 90/Die Grünen. Monika Lazar, Sprecherin für Sportpolitik, sieht in der Entscheidung eine nicht nachvollziehbare "Extra-Stadionwurst" für den Profifußball. "Während besonders exponierte Berufsgruppen wie etwa Pflegerinnen und Pfleger in Pflegeheimen immer noch nicht ausreichend auf Covid-19 getestet werden, wird genau dies nun bei Profifußballern praktiziert", sagte Lazar: "Die Vorfälle bei Hertha BSC zeigen außerdem, dass das Konzept in der Praxis teilweise nicht umgesetzt wird."

SPD-Politiker und Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nannte die Entscheidung ein "fatales Signal". "Der Beschluss zur Bundesliga ist enttäuschend und falsch, ich bedauere ihn sehr", sagte der 57-Jährige dem Nachrichtenportal t-online.de. "Ich halte das Unterfangen, Geisterspiele abzuhalten, immer noch für hoch risikobehaftet. Das ist gewissermaßen der Tanz auf dem Seil, weil wir immer noch eine Infektionslage in Deutschland haben, von der wir nicht wissen, wie weit sich das Virus verbreitet hat", sagte Anja Stahmann, Vorsitzende der Sportministerkonferenz (SMK), dem SID.

Während die Grünen und Lauterbach den Beschluss von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hinterfragten, gab es auch im Netz kritische Stimmen. "Ich glaube dennoch nicht, dass Geisterspiele als Methadonprogramm für Fußballfans funktionieren werden", schrieb etwa Sportjournalist Klaas Reese. "Geisterspiele sind einfach ziemlich langweilig zu schauen." Günther Klein Chefreporter Sport des "Münchner Merkur" sagte voraus: "Bundesliga von Mitte bis Ende Mai."

Zeichen für den gesamten Sport?

Abseits des Fußballs traf der Neustart dafür voll und ganz den Nerv der Beteiligten. "Es ist eine zwingend richtige Entscheidung. Alles andere wäre nicht gut gewesen. Das ist ein gutes Zeichen für den Sport", sagte Bob Hanning, Geschäftsführer des Handball-Bundesligisten Füchse Berlin, dem SID. HBL-Chef Frank Bohmann, pflichtete ihm bei: "Grundsätzlich ist es ein sehr gutes Zeichen, und es freut mich für die DFL. Es ist vielleicht auch ein Zeichen für den gesamten Sport."

Der Fußball trage "mit der Wiederaufnahme des Spielbetriebs der 1. und 2. Bundesliga eine große Verantwortung", betonte Franz Reindl, Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB). Und auch Horst Heldt, Manager beim 1. FC Köln, wies noch einmal darauf hin: "Wir sind immer noch in einer schwierigen Situation als Gesellschaft im Kampf gegen die Pandemie."

Quelle: ntv.de, dbe/sid