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Was hecken sie aus? Bundestrainer Joachim Löw und Maskottchen Paule.
Was hecken sie aus? Bundestrainer Joachim Löw und Maskottchen Paule.(Foto: imago/ActionPictures)
Mittwoch, 06. September 2017

Wer fliegt zur Fußball-WM?: Löws sichere Dreizehn - und ein harter Kampf

Von Stefan Giannakoulis

Der Weg durch die Qualifikation ist ein Spaziergang, aber wen nimmt Joachim Löw mit zur WM? Die Saison ist lang - doch einige dürfen sich sicher sein. Bleiben zehn Plätze und sehr viele Kandidaten. Und was macht André Schürrle? Träumt.

Auch wenn der knappe Sieg in Tschechien keine Offenbarung war, hat nicht erst das Festival gegen die arg überforderten Norweger gezeigt, dass der Weg der deutschen Fußballer nach Russland durch die Qualifikationsgruppe C einem Spaziergang gleicht. Nach acht Siegen in acht Partien ist die Teilnahme an der Weltmeisterschaft von Mitte Juni bis Mitte Juli nächsten Jahres nur noch eine Formalie, schon ein Punkt im vorletzten Spiel am 5. Oktober in Belfast gegen den Tabellenzweiten Nordirland reicht. Und weil das auch der Bundestrainer weiß, hatte Joachim Löw vorsorglich den härtesten Konkurrenzkampf aller Zeiten um die 23 Plätze in seinem WM-Kader ausgerufen - irgendwie muss der ja die Spannung hochhalten.

Ganz im Löw'schen Sinne scheinen seine Spieler die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. Mats Hummels zum Beispiel, einer der Weltmeister, zeigte bei den jüngsten Erfolgen eine starke Leistung. Als souveräner Abwehrchef ließ er keine Zweifel aufkommen. Dabei hätte er das gar nicht nötig. Er und zwölf seiner Kollegen können fest davon ausgehen, mit nach Russland fliegen zu dürfen. Abgesehen davon, dass sich immer jemand verletzen kann; und abgesehen davon, dass der Bundestrainer Recht hat, wenn er darauf verweist, dass die Saison noch lang ist: Es bleiben zehn WM-Plätze, die noch zu vergeben sind. Die Zahl der Kandidaten ist allerdings tatsächlich groß. Ein Überblick:

Sie sind im Sommer 2018 unabkömmlich

Gebucht: Mats Hummels.
Gebucht: Mats Hummels.(Foto: dpa)

Die gute Nachricht für Marc-André ter Stegen ist, dass er sich beim Gewinn des Confed Cups und nun in den beiden Qualifikationspartien als Nummer zwei im Tor der DFB-Elf etabliert hat. Die schlechte ist, dass demnächst Manuel Neuer vom FC Bayern wieder dabei ist und dann seinen Stammplatz einnehmen wird - als unangefochtene Nummer eins. Über Mats Hummels haben wir gesprochen, er kann bei der WM mit Jérôme Boateng, seinem Münchner Kollegen, ausknobeln, wer in der Innenverteidigung den inoffiziellen Titel des Abwehrchefs trägt. Auch für die Außenpositionen in der Viererabwehrkette gibt es zwei Kandidaten, auf die Löw nicht verzichten wird: Rechts ist das der Münchner Joshua Kimmich, der den Posten seit der EM 2016 in Frankreich übernommen hat und alles dafür gibt, ihn nicht wieder herzugeben. Links kann sich der Kölner Jonas Hector darauf einstellen, nach der Reise mit der Confed-Cup-Combo im nächsten Jahr wieder nach Russland zu fahren.

Im Mittelfeld ist es allen voran die twitternde Passmaschine Toni Kroos von Real Madrid, die auf der Position des Sechsers unabkömmlich ist. Auch sein Weltmeisterkollege Sami Khedira von Juventus Turin wird mit von der Partie sein, dass Löw ihm die Treue hält, ist mehr als wahrscheinlich. Etwas anders gelagert ist der Fall Sebastian Rudy - der ehemalige Hoffenheimer hat sich beim FC Bayern gut eingefunden und ist - technisch gut und auch robust im Zweikampf - einer, auf den sich jeder Trainer verlassen und ihn im Zweifelsfall auch bringen kann. Etwas weiter vorne im Mittelfeld hat Julian Draxler auf der linken Seite zwar das Problem, dass er sich bei Paris Saint-Germain nun mit dem Brasilianer Neymar einen nicht ganz so schlechten Konkurrenten hat; aber der Bundestrainer hat oft genug betont, was er von seinem Confed-Cup-Kapitän hält - sehr viel nämlich: "Julian kann nicht nur auf einer Position spielen. Er kann auch rechts spielen oder als hängende Spitze auf der Nummer zehn. Er hat so viel Qualität und auch beim Confed Cup so einen großen Schritt nach vorne gemacht, dass er sich in Paris durchsetzen wird." Ähnlich angetan ist Löw von Thomas Müller, der beim FC Bayern zuletzt einmal auf der Bank saß, bei der 6:0-Gala gegen Norwegen aber überzeugte. Das gilt auch für Mesut Özil vom FC Arsenal, der in beiden Qualifikationsspielen große Freude am schönen Spiel zeigte. Und müssen wir über Timo Werner von RB Leipzig reden? Müssen wir nicht. Der junge Angreifer trägt schließlich die Tor-Hoffnungen für Russland.

Sie sollten lieber keinen Urlaub buchen

Vielleicht hätten wir Mario Götze auch in die Rubrik der sicheren WM-Fahrer einordnen können, aber dafür war der Dortmunder zu lange verletzt und krank. Aber selbstverständlich hat der Bundestrainer ihn im Blick: "Ich bin mit seiner Entwicklung sehr zufrieden. Ich hatte ja auch zu ihm Kontakt. Er fühlt sich gut, macht Fortschritte", sagte er der "Sportbild". Und: "Mario ist schon ein außergewöhnlich guter Spieler mit besonderen Qualitäten." Das dürfte auch für Götzes Vereinskollegen Marco Reus gelten, der nach seinem Kreuzbandriss in diesem Jahr nicht mehr spielen wird. Wird er dann aber rechtzeitig fit und verletzt sich nicht schon wieder, ist er einer der heißesten Kandidaten. Julian Weigl drängt derweil nach einem Bruch im Sprunggelenk wieder ins Team des BVB. Auch Mittelfeldakteur Ilkay Gündogan und Offensivspieler Leroy Sané von Manchester City, zuletzt nicht im Kader, stehen auf der Liste. Ernsthafte Kandidaten für das Mittelfeld sind zudem Emre Can, der beim FC Liverpool stärker spielt als je zuvor, der höchsttalentierte Schalker Leon Goretzka und der dribbelstarke Leverkusener Julian Brandt.

Altmeister: Mario Gomez.
Altmeister: Mario Gomez.(Foto: imago/Horstmüller)

Im Angriff ist es so, dass der Mönchengladbacher Lars Stindl beim Confed Cup auf sich aufmerksam gemacht und zudem den Vorteil hat, dass er einen ganz anderen Typus als Werner verkörpert und sich eher durch die Abwehr des Gegners schleicht, als brutal und geradlinig in den Strafraum zu stoßen. Altmeister Mario Gomez vom VfL Wolfsburg hat nach dem 6:0 gegen Norwegen in Stuttgart seinen Konkurrenten Werner überschwänglich gelobt und sich so um seine Rolle als Stürmer Nummer zwei beworben. Ein härterer Kampf wird da schon der der Innenverteidiger, die den Platzhirschen Hummels und Boateng Druck machen sollen. Hier streiten sich fünf Kandidaten um mutmaßlich zwei oder drei Plätze: Shkodran Mustafi vom FC Arsenal, Antonio Rüdiger vom FC Chelsea, der Schalker Benedikt Höwedes, nun in Diensten von Juventus Turin, Matthias Ginter von Borussia Mönchengladbach und Niklas Süle vom FC Bayern. Offen ist noch die Frage des dritten Torhüters. Vor dem Hintergrund, dass noch nie ein dritter Torhüter bei einer WM oder EM in der Nationalmannschaft zum Einsatz kam, ist das allerdings eher ein Thema von überschaubarer Relevanz. Also nennen wir mal den Leverkusener Bernd Leno und Kevin Trapp von Paris St.-Germain. Hat hier jemand Timo Horn gesagt? Muss ein Kölner gewesen sein.

Sie sollten wissen: Die Hoffnung stirbt zuletzt

Zum erweiterten Kreis derer, die noch hoffen dürfen, gehört in erster Linie Amin Younes von Ajax Amsterdam. Der Tempodribbler auf der offensiven Außenbahn gehörte bei den beiden Qualifikationsspielen zwar zum Kader, wurde aber nicht eingesetzt. Ein Versprechen auf die Zukunft ist Serge Gnabry von der TSG Hoffenheim, der sich just am linken Sprunggelenk verletzt hat und deshalb in Tschechien und gegen Norwegen fehlte. Auch die beiden Hoffenheimer Sandro Wagner (er wirkte nur einen Sommer) und Kerem Demirbay, der Berliner Marvin Plattenhardt, die Leverkusener Jonathan Tah, Benjamin Henrichs, Kevin Volland und Karim Bellarabi, Leipzigs Diego Demme und Max Kruse vom SV Werder Bremen sind noch nicht komplett aus dem Rennen.

Hinzukommen einige der U21-Europameister: Jeremy Toljan, just aus Hoffenheim zum BVB nach Dortmund gewechselt; Maximilian Philipp, im Sommer aus Freiburg zum BVB gekommen; Mahmoud Dahoud, Ex-Gladbacher und nun auch beim BVB; die Wolfsburger Yannick Gerhardt und Maxi Arnold, Schalkes Max Meyer sowie Berlins Mitchell Weiser. Wie gesagt: Die Saison ist ja noch lang.

Was macht eigentlich?

Er ist immer noch der Mann, der im WM-Finale in Rio im Sommer 2014 die Flanke schlug, die der Kollege Götze zum einzigen und damit entscheidenden Tor gegen Argentinien nutzte. Zurzeit ist André Schürrle damit beschäftigt, sich nach seinem Muskelfaserriss einen Platz bei der Dortmunder Borussia zu suchen. Blöd nur, dass der BVB nach der Flucht Ousmane Dembélés nach Barcelona mit Andrij Jarmolenko gleich einen neuen Spieler verpflichtet hat, der gerne im linken offensiven Mittelfeld spielt - also just auf Schürrles Position. Der "Sport Bild" sagte er: "Wenn ich wieder vollständig fit bin, werde ich mich im Training anbieten." Und er träumt weiter: "Jeder will bei der WM dabei sein, weil es das Größte ist, das man als Fußballer erleben kann. Und ich durfte erleben, wie es sich anfühlt, wenn man an das ganz große Ziel gelangt. Natürlich will ich das wieder schaffen."

Quelle: n-tv.de

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