Fußball

Dank "Alles kann, nichts muss" Lucien Favre macht den BVB gefährlich

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Lucien Favre sorgt für das Gerüst, Erling Haaland trifft: Beim BVB läuft es derzeit gut.

(Foto: imago images/Team 2)

Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund hat nach der 2:3-Niederlage gegen den FC Bayern eindrucksvoll die Kurve bekommen. Vor dem Heimspiel gegen den 1. FC Köln ist der BVB in bestechender Form und fährt Erfolge in Serie ein - auch dank Kniffen von Trainer Lucien Favre.

Wer spielt wo? Diese jede Woche wiederkehrende Frage der Medienvertreter zum Matchplan schmettert Lucien Favre, gefühlt ständig unter Bewährung stehender Trainer von Borussia Dortmund, ohne müde zu werden stets gekonnt ab. Mitunter wird die Frage gar nicht erst gestellt, so niedrig sind die Aussichten auf Antworten. Der Schweizer hat gute Gründe dafür: Natürlich will er dem gegnerischen Trainer, in diesem Fall Kölns Markus Gisdol, keinerlei Anhaltspunkt zur Aufstellung geben. Natürlich will er sein System nicht verraten.

Zudem lässt sich Favre bis unmittelbar vor Spielbeginn gerne alle Optionen offen, Eindrücke aus den Trainingseinheiten kurz vor der Partie fließen mit ein in die Entscheidungen. Und so ist das Vorausahnen einer Anfangself des BVB, vor allem im Offensivbereich, dieser Tage beinahe schwieriger als ein Gewinn im Lotto.

Mit drei Kniffen hat Favre wackelige Wochen mit einer indiskutablen Vorstellung in der Champions League bei Lazio Rom (1:2) vergessen gemacht. Und mal wieder für ein paar Wochen oder Monate die Zweifel an seiner Eignung als BVB-Coach ins Abseits gedrängt.

Kniff eins: BVB-Offensive ist unberechenbar

Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den 1. FC Köln (Samstag, 15.30 Uhr/ Liveticker auf ntv.de) zählte Favre die ganze Palette seiner taktischen Möglichkeiten noch einmal genau auf: "Wir können ein 4-2-3-1 spielen, haben aber auch schon im 3-4-3 und 3-5-2 gespielt. Wir können auch im 4-3-3 spielen."

In den letzten fünf Pflichtspielen der Borussia gab es fünf komplett unterschiedliche Offensivreihen. Fixpunkt, darauf kann sich der gegnerische Trainer sehr wohl einstellen, ist zweifelsfrei Erling Haaland. Der Norweger verpasste in den letzten Wochen lediglich den 2:0-Sieg gegen Arminia Bielefeld. Gegen den Aufsteiger übernahm Julian Brandt die Rolle in vorderster Reihe, unterstützt von Thorgan Hazard, Marco Reus und Jadon Sancho dahinter.

Wenige Tage später im Hinspiel gegen Brügge in der Champions League waren es dann Haaland, Giovanni Reyna, Brandt und Hazard, die in der Startelf standen. Gegen die Münchner wurde der Norweger unterstützt von Reyna, Reus und Sancho. In Berlin agierten wiederum Reus und Brandt als offensive Mittelfeldspieler hinter Dortmunds Tormaschine. Erneut gegen Brügge ging Favre mit dem Quartett aus Haaland, Hazard, Reyna und Sancho ins Rennen. Die taktische Vorgabe ist dabei stets dieselbe: Auch innerhalb einer Partie sollen die Spieler ihre Positionen fleißig wechseln. Für den Gegner ist der BVB im Herbst 2020 so kaum ausrechenbar. Die Folge: 36 Tore in 13 Pflichtspielen in dieser Saison.

Zum einen kann sich dafür Kaderplaner Michael Zorc auf die Schulter klopfen - vorausgesetzt Erling Haaland verletzt sich nicht. Zum anderen verdeutlichen die Tore die nach einem recht mühsamen Saisonstart fruchtende Arbeit von Lucien Favre im täglichen Training mit seinen Spielern. Über das bisherige Resultat ist er bislang zufrieden, "wir haben viele Möglichkeiten".

Kniff zwei: Keine Verletzten, keine Murrer

Einerseits wird Favre derzeit jedem Angreifer im dicht besetzten Kader gerecht und gibt jedem seine Chance - den bislang meistens außen vor gelassenen Leihspieler Reinier einmal ausgenommen. Murrer innerhalb der Mannschaft, die vermeintlich nicht auf die erwartete Spielzeit kommen, gibt es derzeit nicht. Andererseits manövriert der Coach dadurch seinen Kader zugleich umsichtig durch den vollgepackten Terminkalender des BVB. Seit Wochen schon richtet der 63-Jährige immer wieder den Blick auf die notwendige Belastungssteuerung.

Durch die Personalrotation im großen Stil ging zuletzt auch die Zahl der Verletzten immer weiter runter. Favre erklärte, er und sein Trainerteam müssen diesbezüglich "intelligent" arbeiten, die "Rotation ist sehr wichtig". Mit Innenverteidiger Dan-Axel Zagadou kehrte derweil in den vergangenen Tagen ein wichtiger Spieler der Vorsaison zurück ins Training. Dem Coach bietet der Franzose somit bald auch defensiv weitere Optionen an.

Kniff drei: Die neue Stärke des BVB

Sport.de

Dieser Text ist zunächst bei den Kollegen von sport.de erschienen.

Gearbeitet hat Lucien Favre außerdem mit seinem Team an der beinahe chronisch schlechten Ausbeute der Borussia bei ruhenden Bällen. Nach 14 Pflichtspielen haben die Dortmunder zwölf Standard-Tore auf der Habenseite. Der Wert aus der Vorsaison ist damit schon erreicht.

Aus Eckstößen etwa resultiert weitaus mehr Torgefahr als noch im Vorjahr, Abwehrspieler Mats Hummels kam so schon zweimal zu einem Saisontor. Auch an Variantenreichtum haben die Standards dazugewonnen, so führen auch kurz ausgeführte Ecken zum Erfolg, wie das 1:0 im Derby gegen Schalke 04 zeigte. Dort ging die schnelle Kombination über Sancho, Brandt und Guerreiro, dessen Schuss noch pariert werden konnte. Manuel Akanji versenkte den Nachschuss dann im Tor.

Jüngst gegen Brügge gelang Jadon Sancho obendrein ein seltenes wie schönes, direktes Freistoßtor. Der zuvor formschwache Engländer bedankte sich hinterher für das "Vertrauen" des Trainers und der Kollegen. Noch so eine Handschrift, so ein Kniff, von Lucien Favre.

Quelle: ntv.de

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