Fußball

Judenfeindliche Fußball-Krawalle "Man muss euch mit Messern aufschlitzen!"

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(Foto: imago/MIS)

Es ist von Beginn an kein freundliches Fußballspiel. Doch in der 88. Minute droht die Situation zu eskalieren. Der Schiedsrichter pfeift das Berliner Amateur-Spiel zwischen TuS Makkabi und dem 1. FC Neukölln ab, denn es gibt immer härtere Drohungen.

"Wir holen jetzt die Messer raus" und "Wir treffen uns auf dem Weg zur Kabine" - als Schiedsrichter Werner Maass diese Sprüche hört, wird ihm die Situation zu bedrohlich. Er pfeift das Amateur-Spiel zwischen der dritten Mannschaft des jüdisch geprägten Klubs TuS Makkabi und dem 1. FC Neukölln ab, in der 88. Minute. Die Drohungen, das bestätigte der Unparteiische dem "Tagesspiegel", seien von den Neuköllner Spielern gegenüber den Makkabi-Kickern ausgesprochen worden. Laut "Bild"-Zeitung wurde sogar "Man muss euch mit Messern aufschlitzen!" geschrien.

Aber auch in die umgekehrte Richtung soll es verbal nicht friedlich zugegangen sein. "Die Makkabi-Spieler sollen auch nicht sehr nett gewesen sein, wie mir Spieler und der Trainer vom 1. FC Neukölln hinterher gesagt haben", sagte Maass dem "Tagesspiegel" weiter. Selbst gehört habe er dies allerdings nicht. Als die Drohungen immer konkreter wurden, entschied er sich schließlich zum Abbruch: "Da wurde es mir zu gefährlich." Kurz zuvor hatte der Schiedsrichter einem Spieler der Gäste Rot gezeigt, nachdem er einen Makkabi-Spieler mit einem Faustschlag und Kopfstoß attackiert hatte. Der Neuköllner soll direkt nach dem Platzverweis zu seinen Mitspielern gerufen haben: "Jungs, holt die Messer raus!".

"Perfide Form psychologischer Gewalt und Einschüchterung"

Auf der Homepage des jüdischen Klubs werden die Ereignisse des Spiels ausführlich dargestellt. Dort heißt es unter anderem: "Bereits beim Stand von 1:0 für die Heimmannschaft wurden mehrere Makkabi-Spieler mit Aussagen wie 'Ich stech dich ab', 'Du kannst schon mal dein eigenes Grab schaufeln' oder 'Wir kommen gleich mit unseren Messern' bedroht. Vor dem Hintergrund terroristischer Messerattacken gegen jüdische Israelis in jüngster Zeit erscheinen diese Sätze als eine besonders perfide Form psychologischer Gewalt und Einschüchterung."

"Die Analogie zur sogenannten Messer-Intifada in Israel ist meiner Ansicht nach offenkundig", sagte Spieler Philipp Peyman Engel gegenüber der "Bild"-Zeitung. "Ich glaube nicht, dass die Drohungen auch gegen nicht-jüdische Spieler geäußert worden wären." Was dafür spricht: Unmittelbar nach dem Spielabbruch zeigte ein FC-Spieler ein T-Shirt mit der Aufschrift "I love Palestine".

Der Coach der Neuköllner interpretiert die Ereignisse anders. Die Beschimpfungen seien wechselseitig erfolgt, wird Michael Schmidtke im "Tagesspiegel" zitiert. Einer seiner Spieler sei wegen seines Vollbartes als "Terrorist" beschimpft worden. Der Coach, der als Linienrichter eingesetzt war, sei selbst auch bedroht worden: "Ich seh' dich draußen wieder", soll ein TuS-Spieler zu ihm gesagt haben. Zum Faustschlag erklärte er: "Einer unserer Spieler hatte einen Blackout und hat dann zugeschlagen." Todesdrohungen gegen das deutsch-jüdische Team habe er allerdings nicht mitbekommen.

Bei den Spielen des TuS Makkabi kommt es immer wieder zu Ausschreitungen und antisemitischen Anfeindungen. Erst im September hatte das Sportgericht Strafen gegen den Klub BFC Meteor III verhängt. Dabei wurde ein Spieler wegen seiner Angriffe mit einer Sperre bis Ende Juli 2017 belegt. Im August hatten Spieler des BFC Makkabi-Spieler unter anderem mit "Judenschweine" und "dreckige Juden" beschimpft.

Quelle: ntv.de, tno

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