Fußball

Philipp macht's wie Reus Maximal erfolgreich beim BVB

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Maximilian Philipp hat sich im BVB-Starensemble festgespielt.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Maximilian Philipp hat vor der Saison niemand auf dem Zettel, wenn es darum geht, wer der BVB-Offensive entscheidenden Input gibt. Doch mit Selbstvertrauen und Gelassenheit macht er gar Supertalent Ousmane Dembélé vergessen. Ein Porträt.

Als Ousmane Dembélé seinen Willen bekommen hatte und sich zum unbeliebtesten Söldner der jüngeren Fußball-Geschichte durchgestreikt hatte, da hatten sie bei Borussia Dortmund eigentlich gar kein großes Problem. Nur erkannten sie das nicht. Zumindest nicht jene, die über den BVB berichten. Erst als die Macher des Bundesligisten Feinbrecher Andrej Jarmolenko den außerukrainischen Fußball so schmackhaft machten, dass der sich mit 27 Jahren erstmals auf ein internationales Abenteuer einließ, waren die Kritiker beruhigt. Dabei hatten sie in ihrer Sorge um den Klub und deren durch Dembélés Barcelona-Wechsel sowie den erneut ewig verletzten Marco Reus reduzierte Außenbahnen einen übersehen, der in seinem Leben schon einmal übersehen wurde: den Ur-Berliner Maximilian Philipp.

Dortmund - Madrid, 20.45 Uhr

Borussia Dortmund: Bürki - Piszczek, Sokratis, Bartra, Toljan - Dahoud, Sahin, Götze - Jarmolenko, Aubameyang, Philipp; Trainer: Bosz.
Real Madrid: Navas - Carvajal, Varane, Ramos, Nacho - Casemiro, Modric, Kroos - Isco - Bale, Ronaldo; Trainer: Zidane.
Stadion: Signal-Iduna-Park, Dortmund
Schiedsrichter: Kuipers (Niederlande)

Philipp war ebenfalls nach fünf Jahren beim SC Freiburg erst zur neuen Saison zum BVB gestoßen. Für 20 Millionen Euro. Eine Verpflichtung, die zunächst in der gleichen Verständnislos-Schublade landete, wie der Wechsel des Hoffenheimer Spielmachers Sebastian Rudy zum FC Bayern. Doch nur wenige Wochen nach Saisonbeginn schüttelt, wie auch beim neuen Münchener Strategen, niemand mehr den Kopf über den teuren Transfer. Lieber schreiben sie nun über den Jungen, der einst aussortiert wurde und nun am Abend mit dem BVB sein bislang größtes Vereinsspiel vor sich hat, in der Champions League gegen Cristiano Ronaldo mit seinem kriselnden Real Madrid (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de). Seine Premiere in der Königsklasse. Am ersten Spieltag, bei der lehrreichen 1:3-Packung in Tottenham, saß er nur auf der Bank.

Lieber schreiben sie über die Geschichte, die sich liest wie ein Marco-Reus-Déjà-vu. Denn die Geschichte hat nicht nur den kleinsten gemeinsamen Nenner, dass beide im Alter von 23 bei der Dortmunder Borussia anheuerten. Sie ist eine Geschichte, in der das Pech zum großen Glück führt. Denn wie einst Marco Reus wurde auch Maximilian Philipp abgeschoben. Wie einst Reus (beim BVB) wurde auch Philipp (bei der Hertha) in der Jugend mitgeteilt, dass er zu klein, zu schmächtig sei. Bundesliga-Fußball? Eher nicht. Während Reus sich gemeinsam mit seinem ebenfalls beim BVB aussortierten Kumpel Kevin Großkreutz bei LR Ahlen schnell wieder für die Großen interessant machte, entschied sich Philipp für den langen Weg.

Bereits in Löws Blickfeld

Dieser führte ihn 2008 über den Berliner Klub Tennis-Borussia (TeBe) zu Energie Cottbus, zum SC Freiburg und schließlich zum BVB, wo er als Stammkraft maßgeblich mitverantwortlich für den Kombinations- und Tor-Furor ist und sich im Ranking der Löw'schen 50 für die WM im kommenden Jahr deutlich nach oben gearbeitet hat. Auch wenn er ganz weit davon entfernt ist, angesichts seiner viel beachteten Leistungen DFB-Elf-Ansprüche zu stellen. Bei Sky sagte er vergangene Woche: "Da fehlt noch einiges. Wir haben sehr gute Nationalspieler, die teilweise auch jünger sind als ich. Aber irgendwann will ich Teil der Nationalelf sein."

Das ist Maximilian Philipp
  • Geboren am 1. März 1994 in Berlin.
  • Stationen in der Jugend: Hertha BSC Berlin (bis 2008), Tennis Borussia Berlin (2008 bis 2011), Energie Cottbus (2011 bis 2012), SC Freiburg (2012 bis 2013).
  • Stationen im Herrenfußball: SC Freiburg (2013 bis 2017), Borussia Dortmund (seit 2017).
  • Zwölf Länderspiele für die DFB-Junioren, 2x U20, 10x U21.
  • Mit der U21 wurde er diesen Sommer Europameister.
  • Philipp ist Christ und bezeichnet sich als sehr gläubigen Menschen.

Wie seine Vereinskarriere bereitet Philipp den Weg in Deutschlands Auswahl mit aller Ruhe vor. Keine Hektik, kein Überdrehen. Es kommt, wie es kommt - auf Basis guter Leistungen. So verzichtete er 2011 nach starken Jugend-Jahren bei TeBe, das ihm keine erfolgreiche Perspektive im Herren-Fußball aufzeigen konnte, auf einen Wechsel zum FC Bayern. "Ich war überrascht", erzählt Goran Sen der Berliner Zeitung B.Z. Sen war damals Trainer der U17: "Hermann Gerland hat ihn sich sechs Tage angeschaut. Gerland war sogar bei Philipp zu Hause, hat mit seinen Eltern gesprochen." Laut einem Bericht der "Sport Bild" verhinderte aber wohl auch eine Muskelverletzung einen möglichen Wechsel.

Sei's drum. Nun ist Philipp in der Bundesliga. Bei einer Mannschaft, die trotz aller höflichen Dementis ihrer Klubbosse das Potenzial, die Form und den Kader hat, um die Meisterschafts-Monotonie des FC Bayern zu beenden. Und Philipp ist Stammspieler in der schwarzgelben Spektakel-Auswahl des neuen Trainers Peter Bosz. Hat in der Liga in sechs Spielen fünfmal begonnen, dabei sechs Scorerpunkte gesammelt, vier Tore, zwei Vorlagen - maximal erfolgreich. "Einfach nur wow! Er spielt sehr, sehr kreativ nach vorne. Er ist intelligent und torgefährlich. Er ist auch sehr leicht auf den Beinen. Das wirkt alles sehr schön beweglich, ist wunderbar anzusehen. Aber was mir bereits seit längerer Zeit aufgefallen ist: dass er sehr diszipliniert mitarbeitet, sich in das System integriert", schwärmt beispielsweise Ex-Borusse und Ex-Nationalspieler Matthias Sammer bei "Eurosport".

"Ich bin einfach nur ein Mensch, der seine Arbeit macht"

Sowohl im Abschluss, als auch in der Torvorbereitung spielt Offensiv-Allrounder Philipp mit totaler Überzeugung, mit unglaublichem Selbstvertrauen - und das kommt aus Freiburg, von Coach Christian Streich. Der nämlich hat ihn nicht nur sportlich weiterentwickelt, sondern auch zu diesem gefestigten, zurückhaltenden und dankbaren Menschen. Von Philipp stammen Sätze wie: "Ich schäme mich dafür ein wenig, ehrlich gesagt. Ich finde, ich bin keine fünfeinhalb Millionen (Anmerk. d. Red.: Interview aus dem Februar, als sein Marktwert so taxiert war) wert, ich bin einfach nur ein Mensch, der seine Arbeit macht." Oder: "Ohne meinen Glauben hätte ich es nicht so weit geschafft. Ohne Gott wäre ich wahrscheinlich nicht da, wo ich jetzt stehe. Klar, es gibt Schicksalsschläge, da zweifelst du an Gott. Aber ich glaube, damit will Gott uns zeigen, dass uns solche Erlebnisse auch stärker machen können. Ich habe gemerkt, dass mir nichts geschenkt wird."

Dass hat ihm auch Christian Streich nicht. Aber er hat ihm die Chance gegeben, sich im Profifußball zu beweisen, auch Fehler zu machen. Wenn der 23-Jährige über seinen Förderer aus dem Breisgau spricht, dann sagt er höflich der „Herr Streich“. Der Herr Streich, so heißt es in einem Bericht der "WAZ", gab ihm Selbstvertrauen zurück, als es ihm fehlte. Der Herr Streich trainierte ihm ein gesundes Maß an Egoismus an, als er noch einen Mitspieler suchte, wenn er schon schießen konnte. In Dortmund, da zeigt er beides: Seine Handlungsschnelligkeit und seine Überzeugung beim Abschluss, aber immer auch den Gedanken an und das Auge für den Mitspieler. So wurde er zuletzt beim 6:1 am 6. Bundesliga-Spieltag gegen Borussia Mönchengladbach fast mehr für seine sensationelle Vorbereitung zum 3:0 durch Pierre-Emerick Aubameyang gefeiert, als für seinen Doppelpack zuvor.

"Meine Leistungen waren bislang okay, da ist aber noch Luft nach oben. Ich gebe Gas im Training, reiße mir den Arsch auf. Der Druck ist natürlich groß, aber das fördert auch, wenn jeder an sein Maximum gehen muss", sagt Philipp. Eines Tages - das klingt so fürchterlich unkonkret und so fürchterlich weit weg, ist aber in diesem Fall nun einmal so - kehrt Marco Reus zurück. Als wieder einmal große Hoffnung des BVB, als wieder einmal große Hoffnung für die Titelverteidigung der DFB-Elf bei der WM in Russland. Sollte er wieder einmal nicht fit werden, werden wieder einmal Alternativen gesucht. Einen werden sie diesmal aber ganz sicher nicht vergessen: Maximilian Philipp.

Quelle: ntv.de

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