Fußball

Bayern-Barça im Schnellcheck Mein Gott, München!

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Thomas Müller traf zweimal und konnte es selbst kaum glauben, wie gut sein FC Bayern spielte.

(Foto: SVEN SIMON / Pool)

Eine nie dagewesen Demontage, eine historische Nacht! Der FC Bayern München führt den ruhmreichen FC Barcelona vor, wie es sich nicht mal der Fußballgott hätte ausmalen können. Der Rekordmeister dominiert vorne wie hinten - für Barça könnte die Messi-Ära damit bald enden.

Was ist im Estádio da Luz passiert?

Ja, was ist eigentlich passiert? War das ein Champions-League-Viertelfinale oder ein lockerer Trainings-Kick? Die Ereignisse dieses historischen Abends dürften alle Zuschauer - und auch manchen Spieler auf dem Rasen - mit einem Kopfschütteln zurückgelassen haben.

Bereits nach 30 Minuten führt der FC Bayern München mit 4:1 gegen den FC Barcelona, am Ende steht es 8:2. ACHT zu ZWEI! Der deutsche Rekordmeister führt die Katalanen in diesem Königsklassen-Kracher nach allen Regeln der Kunst vor. Der Ansturm des Rekordmeisters lässt die Barça-Defensive wieder und wieder vollkommen auseinander brechen, die Münchner schlagen Mal um Mal eiskalt zu. Teilweise ist es ein Klassenunterschied. Ach, mehr als das. Männer gegen Jugendspieler. Profis gegen Amateure.

Historisch ist die Nacht allein schon, weil noch nie eine Mannschaft in der K.o.-Phase der Champions League so früh vier Gegentore kassierte. Und zum ersten Mal seit 1994 fängt sich Barcelona sechs Gegentore, verkünden die TV-Kommentatoren. Aber dann müssen sie sich direkt berichtigen: Zum ersten Mal seit 1949 kassiert Barcelona sieben Gegentore! Ach, und dann fällt direkt das achte, zum ersten Mal überhaupt in einem K.o.-Spiel der Königsklasse... historischer wird es nicht mehr. Allen ist klar: Bayern ist nun DER Favorit auf den Henkelpott. Aber das ist fast nur eine Randnotiz. Denn dieses Debakel könnte das Ende der Messi-Ära bei den Katalanen einläuten. Diese Nacht, die niemand jemals vergessen wird. Auch wenn niemand wusste, was wirklich passiert ist im Estádio da Luz.

Unseren Spielbericht gibt's hier.

Teams und Tore:

Barcelona: ter Stegen - Nelson Semedo, Pique, Lenglet, Jordi Alba - Busquets (70. Fati) - Roberto (46. Griezmann), de Jong - Messi, Suarez, Vidal. - Trainer: Setien
München: Neuer - Kimmich, Jerome Boateng (76. Süle), Alaba, Davies (84. Hernandez) - Thiago, Goretzka (84. Tolisso) - Thomas Müller - Gnabry (75. Coutinho), Lewandowski, Perisic (67. Coman). - Trainer: Flick
Tore: 0:1 Thomas Müller (4.), 1:1 Alaba (7., Eigentor), 1:2 Perisic (21.), 1:3 Gnabry (27.), 1:4 Thomas Müller (31.), 2:4 Suarez (57.), 2:5 Kimmich (63.), 2:6 Lewandowski (82.), 2:7 Coutinho (85.), 2:8 Coutinho (89.)
Zuschauer: keine (in Lissabon)

Die Demontage im Spielfilm

4. Minute: Tooooooor für den FC BAYERN MÜNCHEN! Thomas Müller nutzt gleich die erste Chance. Er wird von Robert Lewandowski bedient und vollendet mit einem Flachschuss in die linke Ecke. Ein Einstand nach Maß für den deutschen Rekordmeister.

7. Minute: Tooooooor für den FC BARCELONA! Die Bayern haben noch gar nicht fertig gejubelt, da steht es plötzlich 1:1. Aber getroffen hat wieder ein Münchner. David Alaba haut den Ball ins eigene Tor. Barça ist wieder da!

11. Minute: Kurz darauf schwimmen die Münchner. Nach einer Riesenchance von Luis Suarez hat das Team von Hansi Flick Glück, nicht direkt im Anschluss noch in Rückstand zu geraten.

22. Minute: Tooooooooooooor für den FC BAYERN MÜNCHEN! Serge Gnabry eroberte stark den Ball an Barcelonas Sechzehner, schlägt einen Haken und spielt präzise auf Ivan Perisic, der schon gegen den FC Chelsea traf. Sein Hammer-Linksschuss zischt vorbei an Marc-André ter Stegen zur erneuten Führung.

27. Minute: Toooooooooooooooor für den FC BAYERN MÜNCHEN! Nur sieben Minuten später erhöht Gnabry nach feinem Zusammenspiel mit Leon Goretzka. Was ist denn hier los? Barcelona muss sich nun kräftig schütteln.

31. Minute: Tooooooooooooooooooor für den FC BAYERN MÜNCHEN! Aber es schütteln nur verwirrt die Zuschauer an den TV-Geräten ihre Köpfe. Wieder lediglich vier Minuten nach dem 3:1 knipst Müller zum zweiten Mal. Barcelona findet gar nicht mehr statt und findet kein Mittel gegen diese Bayern-Power.

Halbzeit: Es steht 4:1 ... und Lewandowski hat (noch) kein Tor geschossen! Auch wenn die Bayern als Favoriten auf den Henkelpott gehandelt wurden, mit dieser Demontage nach 45 Minuten hat wohl niemand gerechnet.

57. Minute: Toooooooooooor für den FC BARCELONA: Suárez verkürzt auf 2:4. Der Uruguayer lässt Boateng ganz alt aussehen und knallt die Kugel flach ins rechte Eck. Geht da noch was, Barça? Obwohl diesen Münchner nicht zuzutrauen ist, dass sie jetzt auseinander brechen.

63. Minute: Tooooooooooooooor für den FC BAYERN MÜNCHEN: Alphonso Davies, wow! Der junge Kanadier tanzt an der linken Grundlinie wie Rudolf Nurejew in seinen besten Zeiten, nimmt die Barça-Abwehr damit komplett auseinander und legt präzise auf den heranrauschenden Joshua Kimmich zurück, der eiskalt einschiebt. Der Abstand von drei Toren ist wieder hergestellt, 5:2 für Bayern.

75. Minute: Bayern mit einem Doppelwechsel: Coutinho kommt für Gnabry und Niklas Süle ersetzt Boateng. Schalten die Münchner nun einen Gang runter?

82. Minute: Toooooooooooooooooor für den FC BAYERN MÜNCHEN: Jetzt darf Lewandowski doch noch treffen und nun wird es wirklich peinlich für den FC Barcelona. Mit seinem 14. Treffer in der Königsklasse, ein Kopfball nach Coutinho-Flanke, stellt er auf 6:2. Unglaublich!

83. Minute: Messi beugt sich vornüber, senkt den Kopf und starrt eine gefühlte Minute auf den Boden. Bilder, die mehr sagen als Worte.

85. Minute: Tooooooooooooooooooooor für ... na für wen wohl? Die Barcelona-Abwehr findet gar nicht mehr statt. Messi verliert den Ball, läuft gar nicht mehr hinterher. Müller passt auf Coutinho, der per Grätsche durch Piqués Hosenträger vollendet. Auf den Jubel verzichtet der von den Katalanen ausgeliehene Brasilianer.

89. Minute: Sie wissen, lieber Leser, was jetzt passiert. Toooooooooooor natürlich. Für die Bayern, ist doch klar. Es bleibt nur noch, mit dem Kopf zu schütteln. Wieder ist es Coutinho - wie soll er nun nach Barcelona zurückkehren? 8:2 steht es. Das ist kein Fußball-Ergebnis mehr und kein Champions-League-Spiel. Das ist eine Demontage, die die Hollywood-Actionregisseure Michael Bay oder Roland Emmerich abgedreht haben, uff!

Was war gut?

Der FC Bayern. Ganz einfach. Diese Power, diese Dominanz sieht man selten in einem Profi-Fußballspiel. Schon gar nicht in der Champions League. Und in einem Viertelfinale sowieso nicht. Der FC Bayern tut Barcelona einfach weh, überall und fast die kompletten 90 Minuten über: Einsatz, Laufbereitschaft, Intensität, Präzision, Entschlossenheit, der eiskalte Abschluss vor dem Tor - heute stimmt alles beim Rekordmeister. Das Pressing an Barcelonas Sechzehner ist Weltklasse, die tiefen Läufe auf den Außen und in die Zwischenräume überfordern die Katalanen so, wie sie es sich wohl nie in ihren schlimmsten Albträumen hätten ausmalen können. Bei den Münchner herrscht überall auf dem Feld Aktivität, einen besten Spieler herauspicken geht gar nicht. Eine Statistik beweist die Dominanz aber herrlich: Kimmich schafft es als Rechtsverteidiger, in der ersten Halbzeit fünf Torschüsse aufzulegen. Barcelona hatte da gerade mal drei Schüsse abgegeben.

Was war schlecht?

Der FC Barcelona. Ganz einfach. Es fehlt die gesamten 90 Minuten eine offensive Strategie so wie eine defensive Organisation. Alle Mannschaftsteile sind überfordert, reagieren nach den ersten Gegentoren dann verängstigt. Anfangs versucht Messi es noch zu richten, aber spätestens in der zweiten Hälfte ist auch er, der einer der besten Fußballer des Planeten ist, nirgends zu finden. Es gibt kein Aufbäumen, niemanden, der vorweg geht. Leadership gleich null. Alles in allem war dieses Spiel das miserable Ende einer schlechten Saison für Barcelona und seinen Weltstar Lionel Messi. Nach der vergeigten Meisterschaft motzte der Argentinier bereits über die Mannschaft, nun scheidet er krachend aus der Champions League aus. So ein schlechtes Jahr hat er in seiner unglaublichen Karriere wohl noch nie erlebt - es könnte möglicherweise das Ende seiner Ära bei den Katalanen einläuten. Obwohl der Superstar sich mit so einer Leistung sicher nicht verabschieden will.

Und was sagen die Verantwortlichen?

Bayern-Trainer Hansi Flick: "Ich muss der ganzen Mannschaft ein Riesenkompliment machen. Sie hat die Intensität über das ganze Spiel hochgehalten, das ist unsere Mentalität, dafür stehen wir. Ich bin sehr, sehr happy, auch für mein ganzes Trainerteam. Es ist schon so, dass wir auch im Training eine hohe Qualität haben. Und das zeigt man auf dem Platz. Wie man trainiert, spielt man auch. Und das hat heute genauso gestimmt. Aber es ist nur ein Spiel. Wir freuen uns alle, dass es heute so gekommen ist, aber wir wissen auch, dass wir noch einiges vor der Brust haben. Klar kann man sagen, es ist ein Statement, aber auch das nächste Spiel fängt wieder bei null an."

Leon Goretzka: "Es ist schwierig so kurz nach dem Spiel, aber wir sind natürlich sehr euphorisch. So richtig klar wird einem das erst in den nächsten Tagen. Wir haben sehr gut ins Spiel gefunden. (...) Das Selbstvertrauen ist da, keine Frage. Das wird auch nicht weniger. Aber das war erst ein Schritt von dreien."

Thomas Müller: "Allein das Ergebnis und das, wie es sich auf dem Platz angefühlt hat, sind sehr besonders."

Joshua Kimmich auf die Frage, ob ihm Weltfußballer Lionel Messi beim 8:2 des FC Bayern gegen den FC Barcelona am Freitag im Viertelfinale der Champions League leid getan habe: "Nein."

Barcelona-Trainer Quique Setién: "Wir haben uns überrollt gesehen von einer sehr guten Mannschaft. Der FC Barcelona muss sich verändern."

Der Tweet zum Spiel

Quelle: ntv.de

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