Fußball

"Wir können es nicht ändern" Misslauniges Barça schwächt sich selbst

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Messi konnte in Neapel nur selten Akzente setzen.

(Foto: imago images/Independent Photo Agency)

Die Stimmung beim FC Barcelona ist nach dem Hinspiel im Achtelfinale der Champions League gedrückt. Das Ergebnis macht zwar Mut, aber es kriselt zwischen Superstar Lionel Messi und seinem Verein. Der Argentinier bleibt in Neapel blass - und erhält Unterstützung aus dem Team.

Lionel Messi verlebte einen unauffälligen Abend im Stadio San Paolo. Der SSC Neapel hatte sich vorbereitet auf den Superstar des FC Barcelona, und das mit Erfolg. Selten nur konnte sich Messi entfalten, der Fixpunkt in der Barça-Offensive war zugleich auch der Spieler, auf den die Napoli-Defensive ihre Aufmerksamkeit konzentrierte. Zwar war der Argentinier mit drei Abschlüssen und sieben erfolgreichen Dribblings noch der aktivste Akteur eines Teams, das nur in vereinzelten Momenten für Gefahr vor dem gegnerischen Tor sorgte. "Sie haben vorne ziemlich wenig zustande gebracht. Dann haben wir einen Fehler gemacht und sie haben getroffen", konstatierte Neapels Trainer Gennaro Gattuso. Und so stand am Ende ein 1:1 (0:1) im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League, das dem FC Barcelona zwar eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel bietet, aber nicht den Ansprüchen genügt, die Messi an sich und seinen Klub stellt.

Schon länger kriselt es zwischen Superstar und Verein, der 32-Jährige soll unzufrieden sein mit der Transferpolitik, geriet deswegen zuletzt sogar ungewohnt heftig und öffentlich mit Sportdirektor Eric Abidal aneinander. Abidal hatte "die Kabine" kritisiert, mit ihrer Lustlosigkeit zur Entlassung von Trainer Ernesto Valverde beigetragen zu haben, der Mitte Januar durch Quique Setién ersetzt wurde. Weil mit "die Kabine" vor allem Messi gemeint sein dürfte, konterte dieser, Abidal möge doch bitte konkrete Namen nennen und sich auf seinen eigenen Job konzentrieren.

Zu viele Fehler, zu wenig Alternativen

Dazu zählt die Kaderplanung, und Barcelona fehlt es ganz vorne an Alternativen. In der Offensive ist Barça nach den Ausfällen von Luis Suarez und Ousmane Dembélé dünn besetzt, in Neapel liefen neben Messi in der offensiven Dreierreihe Antoine Griezmann und der sonst eher im defensiven Mittelfeld tätige Arturo Vidal auf. Auf der Bank saß nur Jungstar Ansu Fati, der kurz vor Schluss für wenige Minuten ins Spiel kam. Während Griezmann in der 57. Minute zum Ausgleich traf, bleibt von Vidal vorrangig in Erinnerung, dass er sich kurz vor Spielende in ein und derselben Szene gleich zwei Gelbe Karten einhandelte und vom Platz flog. Damit durchkreuzte er Messis Vorgabe, keine "dummen Fehler" mehr zu machen, da sonst der angestrebte Titelgewinn in der europäischen Königsklasse unmöglich sei. Durch einen solchen entstand auch die Führung des SSC Neapel, als Junior Firpo in der 30. Minute den Ball gegen Piotr Zielinski verlor, dessen Querpass Dries Mertens verwertete.

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Vidal und Busquets fehlen Barcelona im Rückspiel.

(Foto: imago images/LaPresse)

Weil sich neben Vidals Platzverweis auch noch Mittelfeld-Abräumer Sergio Busquets eine Gelbsperre abholte, wird die Auswahl für Trainer Setién noch kleiner. Busquets, in Neapel mit sechs abgefangenen Bällen gewohnt stark in der Balleroberung, schloss sich Messis Kritik an: "Unser Kader ist klein, aber wir können nichts daran ändern, leider war die Kaderplanung nun mal so." Auch Ivan Rakitic äußerte sich ähnlich: "Die Verantwortlichen wussten bereits, dass der Kader klein ist. Wir müssen für das Rückspiel jetzt die Kräfte bündeln." Der Kroate stand in Neapel zwar in der Startelf, zeigte aber, warum er zuletzt weniger Einsatzzeiten erhalten hatte. Die Sperren für Vidal und Busquets steigern aber die Wahrscheinlichkeit, dass Rakitic am 18. März (21 Uhr im Liveticker bei ntv.de) aufläuft.

Ob Abwehrchef Gerard Piqué dann wieder mitwirken kann, ist offen. Der Innenverteidiger knickte in der Nachspielzeit der zweiten Halbzeit um, die Diagnose zu seinem lädierten Knöchel steht noch aus. So wächst die Unzufriedenheit beim FC Barcelona. Trotz der guten Ausgangslage, die das Auswärtstor und das Unentschieden auf fremden Platz ja grundsätzlich bedeuten. Und im eigenen Stadion läuft es ohnehin besser für Barça, das mit dem Spiel in Neapel nur eines der jüngsten neun K.-o.-Auswärtsspiele gewinnen konnte. Zuhause ging Barcelona fünf Mal in Folge als Sieger vom Platz. So auch im vergangenen Jahr, als einem 0:0 bei Olympique Lyon ein 5:1 im Camp Nou folgte. Mit Messi als doppeltem Torschützen.

Quelle: ntv.de