Fußball

Die Stimme aus dem Kölner Keller Nach Niederlage wütet Schalke gegen den VAR

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So sieht schlechte Laune aus.

(Foto: IMAGO/Team 2)

Tor aberkannt, Rote Karte kassiert und unglücklich verloren: Die Blau-Weißen hadern nach der deprimierenden 1:3-Niederlage in Köln mit dem Unparteiischen, der sich gleich dreimal von seinem Videoassistenten korrigieren lässt.

Rouven Schröder hatte großen Redebedarf, als der Unparteiische Robert Schröder das Bundesliga-Duell zwischen dem 1. FC Köln und dem FC Schalke 04 am späten Sonntagnachmittag beide Teams zum Kabinengang bat. Seite an Seite schritten die Namensvetter vom Platz, und ziemlich sicher loteten die beiden keineswegs mögliche verwandtschaftliche Bande aus. Vielmehr waren es zwei Spielszenen, in denen der Videoassistent aus Sicht der Gelsenkirchener Gäste die Blau-Weißen entscheidend benachteiligt haben könnte, zentrales Thema dieses Rasenspaziergangs. "Ich gehe heute mit einem ganz schlechten Gefühl nach Hause", so der Sportdirektor des Aufsteigers aus Gelsenkirchen nach Spielende über die Art und Weise, wie der Kölner Keller den Hausherren zuvor zugearbeitet hatte. "Da wurden enge Entscheidungen, die keine klaren Fehlentscheidungen waren, korrigiert. Das wühlt mich auf."

Es war ein frustrierender Abend, den der Traditionsklub und alle, die zu ihm halten, in Köln erlebten. Ein Tor nicht gegeben, eine zumindest strittige Rote Karte bekommen, den Rückstand kassiert nach einem Flankenball von Jonas Hector, den der ehemalige Nationalspieler nach Ansicht seines Gegenspielers Cedric Brunner aus dem Aus kratzte und zu schlechter Letzt, als der VAR zum dritten Mal eine Entscheidung des Referees kippte und dem zuvor annullierten 2:0 der Kölner durch Sargis Adamayan zur Geltung verhalf - am Ende eines äußerst unglücklichen Abends fühlten sich die Schalker um den Lohn ihres Engagements gebracht, zumal drei der vier Entscheidungen auch anders hätten ausschlagen können. Der Ermessensspielraum dazu war da. "Wir sind heute benachteiligt worden", so Schröder folgerichtig. Und weiter: "Was wir brauchen, ist ein Videoassistent, aber keinen Oberschiedsrichter."

So aber reichte den Rheinländern, die nicht nur auf den verletzten Mark Uth, sondern kurzfristig auch noch auf Stürmer Anthony Modeste verzichten mussten, der im Anflug auf Borussia Dortmund ist, eine durchwachsene Leistung, um diese Auseinandersetzung gegen einen dezimierten Gegner am Ende mit 3:1 (0:0) zu gewinnen. Dabei waren die Gäste 442 Tage nach dem letzten Erstligaspiel - übrigens damals auch beim 1. FC Köln (0:1) - von Beginn an hoch konzentriert und deutlich klarer in den Aktionen als der gastgebende FC. Die Knappen, die mit insgesamt sieben Neuzugängen und ohne Torjäger Simon Terodde in der Startelf aufgelaufen waren, bereiteten ihre Angriffe überlegt vor und machten das, was Trainer Frank Kramer von seiner Elf gefordert hatte: "Hoch stehen und früh dagegenhämmern."

VAR bricht Schalke das Herz

Insofern war die Laune der mehr als 10.000 mitgereisten Fans des Gelsenkirchener Bundesligisten, die die kurze Anreise von 70 Kilometern in Kauf genommen hatten, um stimmungsvoll die Rückkehr in die 1. Liga mitzuerleben, prächtig. Und hätte nicht der Videoassistent eingegriffen, wären die Gäste aus Gelsenkirchen schon nach zehn Minuten hochverdient in Führung gegangen. Zalazar hatte einen Abpraller aus 16 Metern direkt in den Winkel gedroschen, doch die Unparteiischen wähnten Schalkes Japaner Maya Yoshida nach rund dreiminütigem Ringen um die richtige Interpretation der Szene im passiven Abseits. Eine zumindest diskutable Sichtweise. "In meinen Augen eine klare Fehlentscheidung", so Kramer nach Ansicht der TV-Bilder. "Der Torwart hatte freie Sicht auf den Ball."

Schlimmer noch war der Eingriff des VAR in der 35. Minute, nachdem der Ex-Kölner Dominick Drexler seinem Kölner Gegenüber Jonas Hector auf die Wade gestiegen war. Die beiden Beteiligten wirkten nach der Aktion in keiner Weise aufgewühlt. Erst nach dem Shakehands wurde der Referee zur Begutachtung an den Spielfeldrand gebeten und verwies nach Bildbetrachtung den Schalker des Feldes. "Zu hart", sagte Ex-Nationalspieler Michael Ballack und vertrat damit wohl die Meinung vieler Experten. Auch der verletzungsbedingt nicht einsatzfähige Ex-Schalker Mark Uth ergänzte: "Ich tue mich sehr schwer mit dieser Entscheidung, auch wenn sie zu unseren Gunsten ausgefallen ist." Und selbst Kölns Coach Steffen Baumgart war mit dieser Entscheidung nicht einverstanden und ergänzte: "Wer Drexler kennt, weiß, dass das überhaupt kein unfairer Spieler ist." Und Kramer wetterte zynisch: "Auch da kam der Oberschiedsrichter wieder aus der Ecke."

So oder so: Das Schalker Herz war nach dieser Szene gebrochen. "Dieser Moment hat uns den Stecker gezogen", sagte auch Keeper Alexander Schwolow. Bis zur Halbzeit hielt der Rückkehrer noch das 0:0, nach dem Seitenwechsel aber wurde offensichtlich, wer der Aufsteiger und wer Teilnehmer eines internationalen Wettbewerbs ist. Luca Killian (49.), Florian Kainz (62.) und der überragende Dejan Ljubicic (80.) trafen für die Hausherren und nutzten geschickt das einstündige Überzahlspiel und die wankende Sicherheitsarchitektur der S04-Abwehr. Marius Bülter verkürzte nach einem Standard zum zwischenzeitlichen 1:2 (76.).

Schlussverkauf bei S04

Trotz dieses zumindest anfangs engagierten, später unglücklichen Auftritts bleibt es in Gelsenkirchen nach dem Ausflug an den Rhein ausschließlich dabei, den Abstieg zu vermeiden - um nichts anderes geht es. "Jetzt müssen wir es in der nächsten Woche gegen Gladbach eben besser machen", so Kramer nach Spielschluss. "Wir müssen aufstehen und wieder dagegen angehen."

Ob aus der Chefetage allerdings noch weitere Hilfe in Form von weiteren Spielern kommt, ist nach wie vor offen. Letztlich fehlt es den klammen Blau-Weißen, die ihren Konsolidierungskurs auch in Liga eins fortsetzen werden, ganz einfach am Geld. Der Verkauf von Mittelfeldjuwel Amine Harit ist der letzte Schatz, den die Schalker noch heben können. Der könnte aber deutlich kleiner ausfallen, als erhofft. Um den 25-jährigen Marokkaner, für den zwischenzeitlich enttäuschende Angebote im unteren einstelligen Millionenbereich vorlagen, ist es in den letzten Tagen wieder still geworden.

Dabei könnte die Konkurrenz diesen feinen Techniker zum Schlussverkaufskurs erwerben. Schalkes Sportdirektor Rouven Schröder hätte nichts gegen eine fette Ablösesumme einzuwenden, wäre aber schon zufrieden, den hoch bezahlten Profi nur von der Payroll streichen zu können. Mit geschätzten 500.000 Euro pro Monat ist Harit Schalkes mit Abstand bestbezahlter Angestellter. Nur wenn die Gelsenkirchener ihn loswerden, kann die Vereinsführung auf dem Transfermarkt noch einmal nachlegen. Die Tendenz geht laut Schröder "klar in Richtung Verkauf". Denn noch immer gilt: Wer guten Zirkus will, muss die Akrobaten entsprechend bezahlen können. Und Schröder vielsagend: "Das Transferfenster ist noch bis Ende August geöffnet …"

Quelle: ntv.de

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