Fußball

Verschwendung vor dem TorDFB-Team spielt mit den Gefühlen von Bundestrainer Wück

29.11.2025, 05:15 Uhr Bild-AnjaAnja Rau
v-li-Ona-Batlle-Pascual-Spanien-2-Klara-Buehl-DFB-Frauen-19-Cata-Coll-Catalina-Coll-Lluch-Spanien-Torhueterin-Torwart-13-Zweikampf-Spielszene-Duell-duel-tackle-tackling-Dynamik-Action-Aktion-Torschuss-Schuss-aufs-Tor-Torchance-Chance-28-11-2025-Kaiserslautern-Deutschland-Fussball-UEFA-Women-s-Nations-League-Finale-Hinspiel-Deutschland-Spanien-THE-EVENT-REGULATIONS-PROHIBIT-ANY-USE-OF-PHOTOGRAPHS-AS-IMAGE-SEQUENCES-AND-OR-QUASI-VIDEO
Beinahe wäre alles perfekt gewesen für Klara Bühl und die DFB-Frauen. (Foto: IMAGO/foto2press)

Stolz? Ja. Verärgert? Ja. Bundestrainer Christian Wück hadert mit seinem DFB-Team. Im Hinspiel des Nations-League-Finals spielen die Deutschen Spanien zeitweise an den Rand der Verzweiflung. Doch eine entscheidende Sache fehlt zum Titel.

"Ich will diese Szenen gar nicht mehr sehen, sonst ärgere ich mich noch mehr." Bundestrainer Christian Wück verfing sich nach dem Abpfiff des Hinspiels des Nations-League-Finals in seinen zwiespältigen Gefühlen. Denn sein DFB-Team hatte Spanien dominiert, niemand Geringeren als die amtierenden Weltmeisterinnen. Und darauf war er mächtig stolz. Aber: "Natürlich ärgere ich mich, weil wir uns wieder nicht belohnt haben. Wir hätten uns vor allem aufgrund der ersten Hälfte belohnen müssen. Von daher ist es sehr ärgerlich, dass wir hier nicht den Sieg mitnehmen." Denn die Partie auf dem Betzenberg von Kaiserslautern endete vor 40.159 Zuschauern 0:0.

Nach 16 Schüssen, davon 6 aufs Tor, 6 Eckstößen und 34 Ballkontakten im gegnerischen Strafraum. Klarer Fall von: nicht belohnt. Gegen Spanien - dem Team, das normalerweise seine Gegnerinnen gar nicht ins Spiel kommen lässt. Die stattdessen vor allem in der ersten Halbzeit völlig von der Rolle waren, überhaupt nicht ins Spiel fanden und nicht nur Bälle vorsorglich ins Aus schossen, sondern auch Fehlpässe produzierten.

Deutschland - Spanien 0:0

Deutschland: Berger/NY Gotham FC (35 Jahre/28 Länderspiele) - Gwinn/Bayern München (26/67), Minge/VfL Wolfsburg (26/28), Knaak/Manchester City (29/10), Kett/Bayern München (21/8) - Senß/Eintracht Frankfurt (28/29) ab 90.+2 Hendrich/Chicago Stars (33/89), Nüsken/FC Chelsea (24/52) - Cerci/TSG Hoffenheim (25/16) ab 69. Sehitler/Bayern München (19/4), Brand/Olympique Lyon (23/68), Bühl/Bayern München (24/75) - Anyomi/Eintracht Frankfurt (25/30) ab 73. Martinez/West Ham United (24/1). - Trainer: Wück

Spanien: Coll - Batlle, Paredes, León (77. Méndez), Carmona - Aleixandri - Bonmatí (77. Athenea), Putellas - Pina (63. Navarro), Mariona - González (86. Imade). - Trainerin: Bermúdez.

Schiedsrichterin: Iuliana Demetrescu (Rumänien)

Tore: Fehlanzeige

Gelbe Karten: Brand - Aleixandri

"Warum haben sie denn diese Fehlpässe gespielt? Weil wir diesen Druck entfacht haben und weil wir mutig waren. Weil wir diese Fehler provoziert haben", sagte Wück beim ZDF. In diesem Moment war er der stolze Trainer. Im nächsten schon wieder der, der weiß, dass da noch mehr geht, gehen muss: "Aber das steht und fällt alles mit der Effizienz vor dem Tor und da müssen wir uns verbessern, wenn wir diesen Titel holen wollen."

Denn der eigentümliche Spielmodus will es so: Das Finale des Finales steigt erst noch. Am Dienstag (18.30 Uhr/ARD und im ntv.de-Liveticker) in Madrid. Die Ausgangslage könnte schlechter sein. Aber eben auch besser.

Bühl findet es "unfassbar bitter"

Die Effizienz hatte Wück schon nach der Europameisterschaft im August bemängelt. Nachdem sein Team im Halbfinale ausgeschieden war - weil Spaniens Weltfußballerin Aitana Bonmati in der Verlängerung des Spiels in Zürich eben genau diese von Wück geforderte Effizienz bewiesen hatte. Ein verunglückter Pass der Deutschen, ein Patzer von Torhüterin Ann-Katrin Berger, ein Tor. Das entscheidende für den Einzug ins Finale. Beziehungsweise das deutsche Aus.

Gut drei Monate später war Bonmati bei der Chance zur Revanche weder effizient noch spielentscheidend. Im Gegenteil, die 27-Jährige wurde sogar in der 77. Minute ausgewechselt. Sie und ihre Teamkolleginnen waren vor allem in Halbzeit eins richtiggehend von den Deutschen überrollt worden. "Gerade in der ersten Halbzeit hatten wir Spanien so weit, dass sie kein Bock mehr hatten", sagte Abwehrchefin Janina Minge.

Angetrieben von der wie immer aktiven Flügelspielerin Klara Bühl und von der zur Spielmacherin erkorenen Jule Brand erarbeitete sich das DFB-Team Chance um Chance. "Ich bin unfassbar stolz auf die Mannschaft. Wir waren supermutig, superaggressiv in den Zweikämpfen. Ich glaube, das hat die Spanierinnen auch vor Herausforderungen gestellt", sagte Bühl.

Kämpferisch, spielerisch, druckvoll - Ballgewinne, Steilpässe. Doch im letzten Moment waren die deutschen Offensivspielerinnen wieder die Alten: die mit der Abschlussschwäche. "Wir haben unfassbar mutig gespielt, immer mit dem Zug zum Tor. Es ist unfassbar bitter, dass kein Tor gefallen ist", so Bühl.

Martinez-Debüt bleibt ungekrönt

Eine Tatsache, die Wück ganz fuchsig machte: "Wir müssen Präzision reinkriegen, wir müssen vor dem Tor etwas ruhiger werden, gezielter auf das Tor schießen. Wenn wir das noch reinkriegen - und das ist keine Frage der Technik, die Spielerinnen können das alles -, sie müssen in der Situation die richtige Entscheidung treffen. Da sind wir auf einem guten Weg - aber heute leider nicht."

Nach der Pause fanden die Spanierinnen besser in den Rhythmus, in ihr berühmt-berüchtigtes Kombinationsspiel. Doch anders als noch im EM-Halbfinale nutzten sie diesmal nicht ihre Chance. Außerdem hatten sie ohnehin die ganze Zeit vor allem die Außenverteidigerinnen Giulia Gwinn und Franziska Kett an den Hacken, Berger bekam aufgrund ihrer aufmerksamen Vorderleute nur wenig zu tun. Und so blieb es ein offenes Spiel, das das DFB-Team wieder auf seine Seite zog. Bühl setzte einen satten Schuss in der 71. Minute an den Pfosten, es war der erneute Weckruf. In der 84. Minute hätte dann beinahe die eingewechselte Debütantin Shekira Martinez gleich getroffen, nur kurz darauf hatte sie die nächste Chance, es wäre das i-Tüpfelchen gewesen. So aber blieb es bei hätte, wäre, könnte. Und beim 0:0.

Während Wück ankündigte, mit seinen Stürmerinnen reden zu wollen, hatte Bühl einen aktiveren Plan: "Wir werden ein bisschen aufs Tor schießen im Abschlusstraining, dann fällt schon mal einer rein." Und wie ambivalent die Gefühle des Bundestrainers sind, zeigt sich hier deutlich: "Wir freuen uns auf das nächste Spiel. Wir wissen, dass wir nicht nur mithalten, sondern sogar gegen so eine Mannschaft wie Spanien unser Spiel durchziehen können. Das ist eine Entwicklung, die uns die wenigsten zugetraut hätten."

Quelle: ntv.de

FußballDFB-FrauenFrauenfußballNations League