Fußball

Nach Rassismus gegen Fußballer "Nazis raus" - Fans setzen Zeichen in Münster

4b82d5b4dca885bdabf29b9b5812641e.jpg

Würzburgs Leroy Kwadwo zeigte sich nach dem Spiel getroffen von den Beleidigungen, aber dankbar für die Zivilcourage der anderen Fans in Münster.

(Foto: imago images/Nordphoto)

Die Drittliga-Partie zwischen Münster und Würzburg ist fast vorbei, als ein Gästespieler von einem Zuschauer rassistisch beleidigt wird. Doch andere Fans reagieren sofort, melden den Mann dem Ordnungsdienst - und setzen ein lautstarkes Zeichen gegen Rassismus. Auch der Verein positioniert sich klar.

Mit einer bemerkenswerten Aktion und lautstarken "Nazis raus"-Rufen haben Fans des Bundesliga-Gründungsmitglieds Preußen Münster auf einen Rassismusvorfall reagiert. In der Schlussphase des Drittliga-Spiels gegen die Würzburger Kickers am Freitagabend (0:0) hatte ein Mann auf der Tribüne den Gäste-Profi Leroy Kwadwo beleidigt und Affenlaute in dessen Richtung gemacht. Nach Vereinsangaben zeigten daraufhin andere Fans auf den Zuschauer, damit dieser von Ordnungskräften ausfindig gemacht werden konnte. Zudem riefen zahlreiche Fans "Nazis raus", wie der Verein auf seiner Homepage mitteilte.

Ein Sprecher der Polizei bestätigte dem "Spiegel" die Beleidigungen. Der Mann sei vor dem Stadion in Gewahrsam genommen und auf das Präsidium gebracht worden. Demnach soll gegen den Mann eine Anzeige wegen Volksverhetzung gestellt werden. Wie der "Spiegel" weiter schreibt, soll der Mann nach Informationen der Polizei Kwadwo auch zugerufen haben: "Geh zurück in dein Loch."

Auf Fotos auf der Preußen-Vereinsseite ist zu sehen, dass der 23 Jahre alte Abwehrspieler die Fifa-Schiedsrichterin Katrin Rafalski auf den Vorfall aufmerksam machte und in Richtung Tribüne zeigte. "Sowas gehört nicht ins Stadion. Ich habe nicht gedacht, dass mir so etwas mal passieren würde", wurde Kwadwo von den "Westfälischen Nachrichten" zitiert und bedankte sich für die Reaktion der Fans.

"Hat nirgendwo etwas verloren"

Zuletzt hatte es auch im DFB-Pokalspiel zwischen dem FC Schalke 04 und Hertha BSC einen Rassismus-Vorfall gegeben. Am 4. Februar hatten Schalker Fans Hertha-Profi Jordan Torunarigha beleidigt. Schalke wurde zu einer Geldstrafe von 50.000 Euro verurteilt. In Münster entschuldigten sich die Gastgeber bei Kwadwo und den Gästen aus Würzburg. "Das ist nichts, was auf den Fußballplatz und schon gar nicht in unser Stadion gehört. Solche Leute wollen und brauchen wir hier nicht. Wir distanzieren uns ganz klar von solchen Äußerungen", sagte Vereinspräsident Christoph Strässer.

Die Würzburger hoben die Reaktion von Zuschauern und Klub hervor. "Das hat nirgendwo etwas verloren, das tolerieren wir als Verein nicht, und niemand in Deutschland sollte so etwas tolerieren. Wir sagen Danke an die Zuschauer, wie die Reaktion darauf war", sagte Kickers-Trainer Michael Schiele auf der Pressekonferenz. Der Würzburger Kapitän Sebastian Schuppan äußerte sich "schockiert". "Mal wieder kamen Affen-Laute von den Rängen. Aber anders als in vielen vorherigen Situationen hat das Stadion sehr gut reagiert. Die Polizei hat ihn festgenommen und ich hoffe, er darf nie wieder ein Fußballspiel besuchen", twitterte der 33 Jahre alte Routinier.

Quelle: ntv.de, cwo/dpa